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Montag, 26. Feb. 07
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Mehr als 190 Beamte suchen Mitjas Mörder Leipzig - Vier Tage nach dem Mord am neunjährigen Mitja aus Leipzig ist die Polizei dem mutmaßlichen Täter möglicherweise dicht auf den Fersen.
Nach neuen Hinweisen war die Suche nach dem verdächtigen Uwe Kolbig am Montag massiv ausgeweitet worden. Nach Angaben der Polizei konzentrierte sich die Suche auf Grund von Tipps aus der Bevölkerung auf ein Waldstück nördlich von Leipzig. Mehr als 200 Beamte durchsuchten ein Wäldchen und eine Gartenanlage im Vorort Lindenthal. Dabei kamen erneut Fährtenhunde und ein Hubschrauber zum Einsatz. Der wegen Mordes gesuchte 43-Jährige soll den Jungen am vergangenen Donnerstag sexuell missbraucht und erstickt haben. Die Leiche war am Samstag in dessen Laube nahe Leipzig gefunden worden. Seit Veröffentlichung eines Fahndungsfotos von Kolbig gingen bei der Polizei mehr als 50 Hinweise zum Aufenthaltsort ein. Daraufhin war die Suche vom Wohnort des mutmaßlichen Täters und Fundort der Leiche in Schkeuditz in das benachbarte Lindenthal verlagert worden. „Die Spürhunde haben eine Fährte aufgenommen, der wir nun folgen”, sagte ein Polizeisprecher. Ein Zeuge wollte gesehen haben, wie der Gesuchte in dem Gebiet zu Fuß unterwegs war. Der Tatverdächtige war bereits 1998 wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Unterdessen wird Mitjas Familie laut Polizei an einem geheimen Ort psychologisch betreut. Es gebe tägliche Gespräche mit einem speziell für solche Fälle geschulten Psychologen, der der Familie jederzeit zur Seite stehe, sagte eine Sprecherin. „Die Eltern bemühen sich, den drei noch bei ihnen im Haushalt lebenden Kindern einen so normalen Alltag wie eben möglich zu bieten.” Auch die Schulkameraden wurden von Seelsorgern und Polizeipsychologen betreut. Sie ermutigten die verängstigten Eltern, ihre Kinder über mögliche Gefahren aufzuklären. Der Hallenser Rechtspsychologe Steffen Dauer wies darauf hin, dass Sexualstraftäter beim Ausleben ihrer Neigungen die Zutraulichkeit von Kindern gezielt ausnutzen. „Der Täter nimmt sich bewusst ein Kind, das beim ersten Kontakt positiv reagiert”, sagte der Vorsitzende der Sektion Rechtspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in einem dpa-Gespräch. Dies sei bereits der erste Missbrauch an einem Kind. „Der Missbrauch des Körpers ist dann der zweite Schritt.” Der Täter nutze die kindliche Neugier und Offenheit in der Entwicklungsphase. „Ein Kind von neun Jahren denkt nicht daran, dass ihm ein Mensch etwas Böses tun könnte.” Es sei eine völlig falsche Reaktion , aus Angst vor Verbrechen seine Kinder einzuschließen. Es sei wichtig, Kindern Freiheiten einzuräumen und ihnen Vertrauen entgegenzubringen, sagte Dauer. „Bei sexuellem Missbrauch gibt es nur einen Schuldigen: den Täter.” Nach Auffassung des Wiesbadener Kriminalpsychologen Rudolf Egg sind pädophile Neigungen nicht heilbar. „Die Zuneigung zu Kindern ist eine dauerhafte sexuelle Störung. Diese gibt sich nicht von selbst und lässt sich auch nicht mit einer Therapie beseitigen”, sagte der Chef der Kriminologischen Zentralstelle. „Durch eine Behandlung können wir die Abweichung höchstens unter Kontrolle bekommen.” Ein Ersttäter bringe in der Regel kein Kind um. „Ein Verbrechen wie im Fall des neunjährigen Mitja ist das Delikt eines Rückfälligen.” Er kritisierte Forderungen von Politikern, Täter lebenslang wegzusperren, als Populismus. Die Zahl der Sexualstraftaten sei rückläufig. „Durch die Präsenz in den Medien entsteht aber ein anderes Bild”, erklärte Egg. Der Mord an Mitja hat bei Anwohnern große Betroffenheit ausgelöst. Viele zündeten am Elternhaus und am Fundort der Leiche Kerzen an und legten Plüschtiere und Briefe ab. Mitschüler des Jungen legten Blumen an seinem Platz nieder. Eltern brachten ihre Kinder selbst zur Schule. Viele hatten Tränen in den Augen. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/07/02/26/news/t/rzo317092.html |
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