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Samstag, 15. Juni 13

Men­dig - Mit einem öku­meni­schen Feld­got­tes­dienst und einem Abschluss­appell haben sich die Hee­res­flie­ger der Bun­des­wehr am Don­ners­tag offi­ziell aus Mendig ver­abschie­det.

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Mainz - Die Kritik der rhein­land-pfäl­zischen CDU am Chef­wech­sel bei der Pro­jekt­ent­wick­lungs­gesell­schaft Rhein­land-Pfalz (PER) reißt nicht ab. Die SPD-Lan­des­regie­rung habe nicht schlüs­sig erklären kön­nen...

Mainz - Nach dem Über­griff mut­maß­lich rechts­extre­mer Schlä­ger auf eine junge Frau in Mainz hat die Polizei am Don­ners­tag weiter nach den Tätern gesucht. Zwei Tage nach dem Vorfall gebe es keine ent­schei­den­den...

Ko­blenz - Die Staats­anwalt­schaft Koblenz hat Anklage gegen den „Ein­sied­ler” von Kobern-Gon­dorf (Kreis Mayen-Koblenz) erho­ben. Dem Mann, der jah­relang allein im Wald gelebt haben soll...

Reut­lin­gen/In­gel­heim (dpa/lrs) - Reut­lin­gen muss weiter auf eine Ent­schei­dung des Phar­makon­zerns Boeh­rin­ger Ingel­heim über den Stand­ort eines For­schungs­zen­trums für Tie­rimpf­stoffe warten.



Mi­nis­ter­prä­sident stolz auf Men­schen in seiner Hei­mat

Kurt Beck: Rhein­land-Pfäl­zer sind Auf­stei­ger

Mi­nis­ter­prä­sident Kurt Beck (SPD) ist stolz auf den enormen Auf­stei­ger­wil­len der Rhein­land-Pfäl­zer, den sie in 60 Jahren gezeigt haben. Der Grün­der­geist "ist hier sehr stark aus­gepräg­t", sagt er im Inter­view mit unserer Zei­tung.Das Inter­view im Wort­laut:

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Dem Hand­werk ist Beck seit seiner Kind­heit ver­bun­den, wie er bei einem Rhein­land-Pfalz-Tag auch gerne zeigt und zupack­t.

  • Wie haben Sie als Kind der Nach­kriegs­gene­ration die Anfänge des Landes erleb­t?

    Mein Hei­mat­ort Stein­feld war eine einzige Ruine. Das Dorf hatte im Krieg unter schwe­rem Beschuss gestan­den, weil es an der bom­bar­dier­ten Eisen­bahn­linie ins Elsass lag und der West­wall mitten durchs Dorf ging. Die letzten Reste haben die Ame­rika­ner mit Hand­gra­naten in Schutt und Asche gelegt. Die gespreng­ten und mehrere Stock­werke tiefen Bunker waren unsere Spiel­plätze. Das war Aben­teu­er.

    Aber ich habe als Kind auch gespürt, dass die Welt so nicht in Ordnung sein kann. Die Dorf­grenze ist zugleich die Staats­grenze zu Frank­reich. In meiner Kind­heit standen überall Zöllner - an Wald­wegen, an Brück­chen über die schmale Lauter. Das hat schon geprägt. Diese Ein­drü­cke haben später auch poli­tisches Inter­esse geweckt, auch den Willen, etwas zu ver­ändern und einen Beitrag zum Frieden zu leis­ten, damit jeder ohne Pass seinen Nach­barn besu­chen kann.

  • Hat Sie auch der Auf­bau­wille nach dem Krieg gepräg­t?

    Ja, da bin ich ganz sicher. Ich habe als Kind mit­erlebt, wie mein Vater als Maurer am Fei­erabend erst den Eltern eine Not­woh­nung und einen Stall aus den Trüm­mer­stei­nen auf­gebaut hat. Und dann hat er uns ein Haus gebaut. Als ich etwas größer war, war es meine Auf­gabe, Speis zu machen und Steine zu schlep­pen. Harte Arbeit war damals selbst­ver­ständ­lich. Aber es herrschte gute Stim­mung und eine gemein­same Freude, etwas wachsen zu sehen. Damals hat sich jeder über die kleinste Errun­gen­schaft, die er sich nach harter Arbeit und langem Sparen leisten konnte, richtig gefreut. Ein neues Bett - das war für mich als Kind etwas ganz Tol­les.

  • Ist diese Freude abhan­den­gekom­men?

    Ein Stück weit schon. Wer emp­fin­det heute schon noch innere Freude über einen lang erhoff­ten Möbel­kauf? So ein biss­chen Freude würde uns ganz guttun. Der Sonntag war für mich etwas Beson­deres, weil der Vater daheim war. Denn damals musste auch sams­tags gear­bei­tet werden. Wir müssen auf­pas­sen, dass uns die Glie­derung des Lebens, das mit Anstren­gung und Freude ver­bun­den ist, nicht völlig abhan­den­komm­t.

  • Spüren Sie heute die­selbe Energie und die Bereit­schaft, Auf­bau­arbeit zu leis­ten? Denn die Gesell­schaft steht in der glo­bali­sier­ten Welt vor neuen Auf­gaben.

    Ich spüre sie bei ganz vielen Leuten. Wenn ich zum Bei­spiel im Wes­ter­wald bin, treffe ich Men­schen, die zur Arbeit bis nach Köln fahren. Daheim sind ihre Dörfer in einem wirk­lich schmu­cken Zustand, weil die Men­schen mit­machen und bereit sind, ihre Heimat zu gestal­ten und sich in Verei­nen enga­gie­ren. Da weigere ich mich ein­fach, den Men­schen eine auf­stre­bende und auf­bau­ende Haltung abzu­spre­chen. Wenn man etwas tiefer bohrt, höre ich aber auch die ernste Sorge: Bleibt es denn so? Man spürt gera­dezu die Frage: Was haben wir denn vom Wirt­schafts­auf­schwung? Die Politik muss dafür sorgen, dass die Men­schen den Ein­druck haben: Aus Anstren­gung wird auch Aner­ken­nung - mate­riell wie imma­teri­ell. Leider gibt es eine wach­sende Gruppe von Men­schen, die aus den unter­schied­lichs­ten Gründen an den Rand der Gesell­schaft geraten sind. Bei ihnen könnte der Wille, dass es wenigs­tens den Kindern besser geht, ver­loren gehen. Dann hätten wir ein rich­tiges Pro­blem.

  • Was sind für Sie die ganz großen Errun­gen­schaf­ten in den 60 Jah­ren?

    Neben der ersten Auf­bau­arbeit wirken die wich­tigen Wei­chen­stel­lun­gen von Bern­hard Vogel in die Zukunft, weil er in den 70er- und 80er-Jah­ren die Hoch­schul­land­schaft mit neuen Uni­ver­sitäts­grün­dun­gen erwei­tert hat. Es gehört auch zu den großen Leis­tun­gen der ersten Jahre, den Disput über die Exis­tenz des Landes zu been­den. Das war ent­schei­dend für das Gemein­schafts­gefühl des Landes und die Voraus­set­zung, den Inter­essen­aus­gleich zu orga­nisie­ren. Nach der erfolg­rei­chen Auf­bau­arbeit hatte Rhein­land-Pfalz erst wieder mit dem Fall der Mauer und der welt­poli­tischen Verän­derung einen ein­schnei­den­den Struk­tur­wan­del zu bewäl­tigen. Rhein­land-Pfalz, einst der Flug­zeug­trä­ger der Nation, musste sich von einer bislang stark militäri­schen Präsenz auf neue zivile Chancen umstel­len. Mit einiger Zeit­ver­zöge­rung hat der Bonn-Ber­lin-Umzug nicht nur die Region im Norden vor eine zusätz­liche Kon­ver­sions-Auf­gabe, sondern Rhein­land-Pfalz auch vor die Iden­titäts­frage gestellt. Denn plötz­lich lagen wir nicht mehr im Herzen Deutsch­lands, sondern im äußers­ten Wes­ten.

  • Aber mitten in Euro­pa.

    Des­halb war es uns wich­tig, das Land als eine europäi­sche Region auf­zustel­len - als Dreh­scheibe und Brü­cken­bauer nach Osten. Dabei geht es auch darum, europäi­sche Öff­nungs­poli­tik zu Bel­gien, Luxem­burg und Frank­reich vor Ort prak­tika­bel zu ver­ankern. Der Erfolg gibt mir Recht: Die Rhein­land-Pfäl­zer haben nicht das Gefühl, ein Anhäng­sel zu sein. Die Kon­ver­sion hat auch gezeigt, wie tief der Wille der Men­schen ist, sich nicht hängen zu lassen, auch wenn mit dem Abzug der US-Sol­daten zehn Prozent des Brut­toin­land­spro­dukts plötz­lich ver­schwin­den. Das hätte zur Depres­sion größe­ren Aus­maßes führen können, zumal keine große Bun­des­hilfe zu erwar­ten war. Der Mut von Pri­vaten und Kom­munen, aber auch die starke Feder­führung des Landes haben sich aus­gezahlt. Das hat ein enormes Selbst­bewusst­sein geschaf­fen und ist auch eine Basis für die außer­ordent­lich gute Stim­mung der rhein­land-pfäl­zischen Wirt­schaft. Mit einiger Zeit­ver­zöge­rung war auch der Abzug der Bun­des­wehr zu ver­kraf­ten - zum Bei­spiel in Koblenz. Jetzt sind wir an der Schwelle, dass Koblenz wieder einen Auf­bruch braucht. Deshalb habe ich mich für die Bun­des­gar­ten­schau stark­gemacht.

  • Springt der Funke der Auf­bruch-Idee über?

    Auf dem Weg zu einem Ziel gibt es immer 1000 Beden­ken­trä­ger. Aber am Ende ist es Gott sei Dank anders, zumal in Koblenz die Iden­tität mit der eigenen Stadt sehr stark ver­ankert ist. Vor der Fuß­ball-WM in Kai­sers­lau­tern gab es auch viele Kri­tikas­ter. Aber heute ist die Stadt nicht mehr wie­der­zuer­ken­nen. Wir brau­chen solche Auf­bruch-Zei­chen. Außer­dem bin ich davon über­zeugt: In Rhein­land-Pfalz ist die Auf­stei­ger­men­talität sehr stark aus­gepräg­t.

  • Stärkt diese Men­talität auch das Wir-Gefühl im Lan­de?

    Natür­lich emp­fin­den sich die Men­schen als Wes­ter­wäl­der, Rhein­hes­sen, Rhein­län­der, Huns­rücker, Mose­laner oder Pfäl­zer. Aber bei einer Umfrage zur Bindung zu ihrem Land dürfte sich eine breite Zustim­mung erge­ben. Ver­schie­dene Iden­titäten können neben­ein­ander gut beste­hen, wenn wir sie nicht gegen­ein­ander aus­spie­len. Es ist unser Job als Lan­des­poli­tiker, ver­gleich­bare Lebens­bedin­gun­gen zu ermög­lichen. Es geht in allen Regio­nen des Landes voran - auch in der West­pfalz und an der oberen Nahe.

  • Ist das Land fit für den wach­sen­den Wett­bewerb zwi­schen den Bun­des­län­dern und den Struk­tur­wan­del, den die demo­gra­fische Ent­wick­lung erfor­der­t?

    Man ist nie end­gül­tig gerüs­tet. Aber in dem dyna­mischen Prozess hat Rhein­land-Pfalz eine gute Aus­gangs­lage. Nach der aktu­ellen Unter­suchung der aner­kann­ten Wirt­schaftsprü­fungs­gesell­schaft Ernst & Young steht Rhein­land-Pfalz mit seiner Mit­tel­stands­freund­lich­keit bun­des­weit an zweiter Stelle. Das ist schon ein Wort. Auch bei der Kin­der­freund­lich­keit und Erzie­hungs-Qua­lität belegen wir einen vor­deren Rang. Das zeigt: Es ist für die Men­schen attrak­tiv, hier zu leben. Seit 1994 ist die Bevöl­kerungs­zahl um 600 000 Men­schen gestie­gen - vor allem durch den Zuzug von Bür­gerin­nen und Bür­gern, die aus anderen Regio­nen Deutsch­lands nach Rhein­land-Pfalz gekom­men sin­d.

  • Wel­che Stärken des Landes stimmen Sie so sicher, dass es die nächs­ten Her­aus­for­derun­gen besteht?

    Es ist die posi­tive Grund­hal­tung, Chancen zu nutzen. Das hat sich bei der Kon­ver­sion ein­drucks­voll gezeigt. Und: Die Rhein­land-Pfäl­zer enga­gie­ren sich für ihr Gemein­wohl. 1,4 Mil­lio­nen sind ehren­amt­lich tätig. Bei der früh­kind­lichen Bildung sind wir im Bun­des­ver­gleich sehr gut auf­gestellt. Zu den großen Stärken gehören auch die ganz breite Unter­neh­mens­kul­tur und die sehr über­durch­schnitt­liche Grün­der­men­talität, die mich sehr zuver­sicht­lich stimm­t.

  • Wel­che Orte nennen Sie, wenn Sie im Ausland nach typisch rhein­land-pfäl­zischen Städten gefragt wer­den?

    In Japan nenne ich zuerst den Mit­tel­rhein mit der Lore­ley, in China spreche ich zuerst über Trier, weil dort das Karl-Marx-Haus zur Grund­bil­dung gehört. In den Bene­lux­staa­ten redet man über die Mosel, weil aus diesen Ländern hier viele Men­schen Urlaub machen. Aber auch der Nür­burg­ring gehört zu den großen Erken­nungs­merk­malen. Als ich vor Kurzem in Dubai zwi­schen­gelan­det bin, wurde sich sofort auf die Renn­stre­cke in der Eifel ange­spro­chen. Rhein­land-Pfalz hat eben viel zu bie­ten.

  • Wel­che Ziele haben Sie für die nächs­ten Jahre im Auge?

    Neben der stän­digen Arbeit am Schul- und Bil­dungs­sys­tem wird das Thema Bür­ger­gesell­schaft ent­schei­den­den Stel­len­wert ein­neh­men. Mit der demo­gra­fischen Ent­wick­lung muss ein akti­vie­ren­der Staat Anreize geben, die Erfah­run­gen von Älteren stärker ein­zubin­den. Es muss ein Gemein­wesen ent­ste­hen, das die Basis dafür schafft, damit Men­schen gerne Auf­gaben über­neh­men und daraus Zufrie­den­heit und Krea­tivität schöp­fen.

  • Was wün­schen Sie Rhein­land-Pfalz zu seinem 60. Geburts­tag?

    Frie­den und eine Gesell­schaft, die öko­nomi­schen Erfolg will, aber weiß, dass zu einem erfüll­ten Leben auch soziale und kul­turelle Bin­dun­gen gehören.

    Das Gespräch führten Ursula Samary und Joachim Türk


    http://rhein-zeitung.de/on/07/05/03/rlp/r/rlp-lv.html
    Donnerstag, 03. Mai 2007, 13:13 © RZ-Online GmbH (aj)
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