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Samstag, 15. Juni 13
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Biotop hinterm Haus: Ein Garten für Mensch und Tier

Bonn - Der Frosch sitzt behäbig auf seinem Seerosenblatt. Mit hörbarem Knistern sausen die Libellen darüber hinweg.

Biotop

Wildblumen wie Löwenzahn gehören in einen Naturgarten. (Bild: Nickig/dpa/gms)

In Abständen piepst es aus der Heckenrose, wenn das Rotkehlchen mit Beute angeflogen kommt, um den hungrigen Nachwuchs zu füttern.

Mensch und Natur zusammenbringen: Dieses Ziel steht - oft unausgesprochen - dahinter, wenn ein Naturgarten angelegt wird. Dabei klingt Natur und Garten eigentlich wie ein Widerspruch in sich. Beide Begriffe bezeichnen entgegen gesetzte Pole: Natur entwickelt sich gänzlich ohne das Zutun des Menschen. Ein Garten entsteht nur durch die planende und steuernde Menschenhand. Dazwischen liegt der Naturgarten. Je nach Einstellung seines Besitzers tendiert er mal mehr zur reinen Natur, mal mehr zum Garten.

Wer einfach abwartet, was in seinem Garten passiert, sieht sich allerdings zunehmender Verbuschung gegenüber. Machen sich erst noch Wildblumen breit wie Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, Wiesenschaumkraut und Wilde Möhre, wird bald Brombeer-Dickicht daraus, aus dem sich Holunder, Ahorn, Kirschen, Birken und anderes mehr erheben. Nur Mähen und Zurückschneiden eröffnen dann Wege durchs Grün. Damit ist der erste Schritt von der Wildnis zum Garten vollzogen. Und Tiere haben immer noch günstige Lebensbedingungen.

Trotzdem ist diese Gartenform sogar den Puristen unter den Gartenbesitzern meist zu spartanisch. Also befestigen Steine, Klinker, Platten oder Holz überall dort den Boden, wo viel gegangen und gesessen wird. Andere gehen noch weiter und legen Gartenteich, Kräuterspirale, Farngarten, Gemüsegarten und Obstgehölze an. Die dazu gehörigen Pflanzen müssen allerdings noch an die richtige Stelle gesetzt werden.

Viele Naturgarten-Besitzer schwören dabei auf heimische Pflanzen. Blumenbinse, Froschlöffel und Froschbiss dürfen sich am und im Teich ausbreiten. Nicht aber das Hechtkraut (Pontederia) aus Amerika oder die Japanische Sumpfiris. Wer es streng nimmt, verzichtet auf Kultiviertes wie Kirsche und Pflaume oder Mediterranes wie Currykraut und Lavendel. Stattdessen liefern Heckenrose, Kornelkirsche und Mispel essbare Früchte und Feldthymian, Pimpinelle und Minze die Kräuter.

Für sie alle ist der richtige Standort wichtig. Denn nur wenn Gartenteich und Kräuterspirale in der Sonne liegen und der Farngarten seinen kühlen Schatten bekommt, wachsen die Pflanzen zufriedenstellend. Das bedeutet sorgfältige Planung. Deren Ergebnis sind reizvolle Gartenbilder aus den oft übersehenen Schönheiten der Wildflora entstehen. Obwohl sich die Frage, was denn wirklich zur heimischen Wildflora gehört, nicht immer eindeutig beantworten lässt.

So stammt der Sommerflieder (Buddleja davidii), der sich umschwirrt von Bienen und Hummeln auf Schuttplätzen ausbreitet, ursprünglich aus China. Auch der Wilde Wein (Parthenocissus quinquefolia) ist eigentlich in den USA beheimatet. Seine unscheinbaren Blüten sind wahre Magnete für Insekten und um die Früchte zanken sich Heerscharen von Vögeln. Das Gelb der europäischen Trollblume, die bereits im Frühsommer blüht, setzt sich im Sommer mit dem der chinesischen Trollblume fort. Und statt der mächtigen weißen Seerose, die einen kleinen Teich sprengt, kann die zierliche weißblütige Sorte 'Walter Pagels' gepflanzt werden.

Häufig interessiert daher die Frage gar nicht, ob heimisch oder fremdländisch, wild oder gezüchtet. Denn dann müsste auch auf die Pracht der Astern, der Sonnenhüte, der Gartenrosen und Zwiebelblumen, auf die Aromen der Mediterranen, der Beeren- und Steinobst-Früchte verzichtet werden, die im Laufe der Jahrhunderte Bestandteil unserer Gartenkultur geworden sind.

In den Naturgarten darf alles einziehen, was zum Standort passt und was ohne übermäßigen Pflegeaufwand gedeiht. Bodenaustausch, damit heikle Gewächse gedeihen, gibt es nicht. Pflanzenschutzmittel sind tabu. Es wird auch nicht ständig gegossen. Ein wenig Starthilfe darf sein. Danach müssen die Pflanzen selbst zurecht kommen.

Aber nicht nur das: Die Pflanzen dürfen, ja sollen sich dynamisch entwickeln. Wachsen, Blühen, Reifen, selbst Aussäen, Welken gehören zum Jahreslauf dazu. So erobern Pflanzen sich neue Standorte, wachsen durcheinander, verweben sich miteinander, so wie sie das in der Natur auch tun würden. Der Mensch greift nur behutsam steuernd ein, wenn allzu Dynamisches andere Pflanzen bedrängt und die Sonne aussperrt oder gar ihm selbst den Platz streitig macht. Naturgärten sollen schließlich Lebensraum für alle sein: Für Pflanze, Tier und den Menschen. Von Helga Panten, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/04/magazin/t/rzo327521.html
Donnerstag, 19. April 2007, 9:21 © RZ-Online (NewsDesk)
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