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Dienstag, 08. Mai 07

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Romantik in Holland: „Jahr der Windmühlen”

Schermer - Wuchtig kreisen die Windmühlenflügel. Ihr Rauschen warnt Neugierige davor, sich zu nah heran zu wagen.

Windmühlen

Niederlande: Über 1000 historische Flügel-Gebäude. (Bild: P. Spieker/dpa/gms)

In den Niederlanden sind Windmühlen nicht wegzudenken und haben sogar eine Stiftung: „Hollandse Molen” hat 2007 zum „Jahr der Mühlen” erklärt.

„Durch sie haben wir trockene Füße bekommen”, sagt Leo Endedijk, Direktor der Stiftung. Tausende Mühlen haben geholfen, die Polder - durch Eindeichungen gewonnenes Land - zu entwässern, zu bebauen oder als Viehweiden nutzbar zu machen. „Wir haben sie nicht erfunden, wir haben nicht die meisten, aber sie sind Teil unserer Geschichte.”

An manchen Orten ist der Jahrhunderte alte Kampf gegen das Wasser noch gut nachzuvollziehen, etwa im Polder Schermer nordwestlich von Amsterdam. Anfang des 17. Jahrhunderts beschlossen reiche Amsterdamer Kaufleute, den See Schermer trocken zu legen und das Land dann zu verkaufen, wie zuvor schon beim benachbarten Beemstersee: Die älteste Trockenlegung gehört heute zum Weltkulturerbe der Unesco.

Im Schermer stehen noch elf Windmühlen , eine davon dient als Museumsmühle. Aber es brauchte mehr als 50 Mühlen, um den See leer zu pumpen. Sie trieben Schöpfräder an, später Spiralen. Doch konnte das Wasser immer nur etwa einen Meter höher befördert werden. Deshalb wurden oft mehrere Mühlen in eine Reihe gesetzt. Ein ausgeklügeltes Kanalsystem führte das Wasser in die Nordsee ab.

Erst 1929 machten drei elektrische Pumpwerke die Leute im Schermer unabhängig von der unsteten Kraft des Windes. Doch die übrig gebliebenen Mühlen sind nach Renovierungen alle noch einsatzbereit. Fred Oudejans ist Müller und wohnt mit seiner Familie in einer Mühle. „Ich sehe die Sonne aufgehen und sehe sie wieder untergehen”, schwärmt er von dem weiten Land. Aber es ist keine leichte Arbeit: Wenn die gewaltigen Mühlräder kreisen, darf er sie kaum aus den Augen lassen. Die Räume sind eng, wegen des Denkmalschutzes darf nichts wesentlich verändert werden. Für eine Spülmaschine ist kein Platz.

Die Freiwilligen, die die Gebäude nutzen und in Stand halten, sind unverzichtbar, um die noch 1050 Windmühlen in den Niederlanden zu erhalten. „Rund 30 Prozent brauchen eine Renovierung”, sagt Endedijk. Das von seiner Stiftung ausgerufene „Jahr der Mühlen” soll freilich auch Touristen ansprechen, etwa in Kinderdijk, wo wie in Schermer ein ganzes Mühlensystem noch erhalten ist. Auch diese Anlage nahe Rotterdam gehört zum Weltkulturerbe. Hier ging es aber nicht um das Gewinnen von Land, sondern um das Beseitigen von Überschwemmungen.

Der Ort liegt am Fluss Lek. In zwei Reihen stehen sich die Mühlen gegenüber und schöpfen aus zwei Kanälen. Zwischen diesen verläuft ein Weg, von dem aus sich für Fotografen viele Perspektiven bieten. Hier fallen auch die unterschiedlichen Bauweisen auf: auf der einen Seite auch runde, auf der anderen acht achteckige Türme.

Etwas abseits ist eine „Wippmühle” zu sehen. Nur noch knapp 70 von ihnen stehen in den Niederlanden. Eine Wippmühle besteht aus einem festen Sockel, auf dem das viereckige Haus mit den Flügeln drehbar lagert. Das Schöpfrad ist außen angesetzt, während es bei anderen Mühlen innen läuft. Aber auch in Kinderdijk ist längst die Neuzeit angebrochen: Die Schöpfspiralen des elektrisch betriebenen Pumpwerks lassen jede Windmühle wirklich alt aussehen.

www.niederlande.de Von Thomas P. Spieker, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/08/magazin/reise/t/rzo328493.html
Montag, 16. April 2007, 15:17 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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