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Dienstag, 08. Mai 07

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Gänseblümchen: Rasenbesiedler zum Tausendschönchen

Bonn - Die drei ersten Gänseblümchen im Jahr sind von besonderer Heilkraft - glaubten die Menschen früher.

Gänseblümchen

Das Gänseblümchen ist bei vielen Kindern beliebt. (Bild: Schierenbeck/dpa/gms)

Wer sie verzehrt, sei gegen Fieber, böse Augen und Zahnschmerzen gefeit. Heute gilt die Pflanze als Allerweltsblume, die vor allem Kindern gefällt.

In diesem Jahr haben die Gänseblümchen fast überall den ganzen Winter hindurch geblüht. Nur die Tausendschönchen, die kultivierten Schwestern des Gänseblümchens, ziehen erst jetzt in Balkonkästen und Gartenbeete ein.

Gänseblümchen gelten als Allerweltsblumen, kaum ein Rasen, der sie nicht trägt. Verantwortlich dafür ist der Rasenmäher, denn er hält die Konkurrenz der Wiesengräser und -stauden kurz: Über die nur fünf Zentimeter hohen Gänseblümchen gleitet er hinweg. Gartenbesitzer, die von makellosem Rasen träumen, bringen sie zur Verzweiflung. Ihre Versuche, die Rosetten auszustechen, sind kaum von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Am besten akzeptiert der Gärtner die Pflänzchen.

Gärtner und Botaniker nennen die etwa 15 Gänseblümchen-Arten Bellis. Sie wachsen fast alle rund um das Mittelmeer. Nur das ausdauernde Gänseblümchen, Bellis perennis, wagte sich bis in den Norden. Frisch wirkt sein Weiß rund um die gelbe Mitte. Meist liegt ein rosa Hauch darüber. Eine Legende erzählt, wie es dazu kam: Als sich die Mutter Gottes nach der Blume bückte, verletzte sie sich am Finger. Blut tropfte auf die Blüte, die seither Rot trägt. In manchen Regionen wird das Gänseblümchen daher Marienblümchen genannt. Auch als Tausendschönchen, Augenblümchen, Maßliebchen, Morgenblume und Sonnenblümchen wird es bezeichnet. Letzteres weist darauf hin, dass die Blüten sich jeden Abend zusammenfalten, um sich am nächsten Morgen wieder zu öffnen.

Schon im Mittelalter machten Kinder aus Gänseblümchen Kränze. Weiße und blutrote, rosafarbene, rot und weiß gesprenkelte Blüten zierten damals die Mädchenköpfe. Aber noch bildeten flache Zungenblüten, so wie sie die einfachen Gänseblümchen rahmen, die Füllung. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts tauchten Pomponblüten auf. Bei ihnen runden sich die Blütenblätter zur Röhre. So entstehen feste Blütenkissen. Parallel dazu nahm die Größe der Blüten zu.

Die größere Pracht beliebter Sorten wie 'Tasso', 'Roggli', 'Robella' oder 'Habanera' geht aber mit einer kürzeren Blütezeit einher. Von März bis Mai geben sie alles. Sie gelten als typische Frühlingsblüher. Ihre wilden Verwandten dagegen blühen von März bis November, in milden Wintern sogar noch länger.

Über die Blütenschönheit ist die Heilwirkung der kleinen Pflanze heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Dabei war sie als Wundkraut begehrt und wurde zerquetscht auf Wunden gelegt. Außerdem galt sie als Mittel gegen Gicht und Rheuma und wurde bei Husten und Bronchitis verwendet.

Wissenschaftler haben Saponine, ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe als wirksame Substanzen in den Blüten ausgemacht. Während erstere den Schleim lösen und das Abhusten erleichtern, kurbeln die Gerb- und Bitterstoffe die Tätigkeit von Leber und Galle an und wirken entwässernd und entzündungshemmend. Experimentierfreudige nutzen Gänseblümchen als Bestandteil von Frühlingssalaten, auch wenn sie nicht in Mengen gegessen werden sollten. Dem Körper wird es sonst zu viel mit den Saponinen. Von Helga Panten, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/08/magazin/t/rzo321561.html
Donnerstag, 15. März 2007, 10:18 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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