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Samstag, 15. Juni 13

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Mainz - Die Verei­nig­ten Staaten werden als Han­del­spart­ner für rhein­land-pfäl­zische Unter­neh­men immer wich­tiger. „Der rhein­land-pfäl­zische Außen­han­del mit den USA hat 2006 rasant an Fahrt gewon­nen”...

Mainz - Für eine bessere Koope­ration zwi­schen dem Römisch-Ger­mani­schen Zen­tral­museum in Mainz und den Schulen in der Rhein-Main-Region soll künftig eine neue Ini­tia­tive sorgen. Im Jahr der Geis­tes­wis­sen­schaf­ten 2007...

Kai­sers­lau­tern - Ein mit einer Pistole auf einem Platz in Kai­sers­lau­tern her­umfuch­teln­der Jugend­licher hat am Diens­tag einen Großein­satz der Polizei aus­gelöst.

Mainz - Ein Ban­kräu­ber hat am Diens­tag in Bad Münster am Stein (Kreis Bad Kreuz­nach) mehrere tausend Euro erbeu­tet.

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Drei Jets kol­lidier­ten bei einem Show-Manö­ver­

Ram­stein - die Kata­stro­phe aus der Luft

Ram­stein - 70 Men­schen sterben und 450 werden ver­letzt, als am 28. August 1988 ein Flugtag im Desas­ter endet.

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Eines der unzäh­ligen Bilder von der Tragö­die: Beim Show-Manö­ver "Das durch­stoßene Herz" rasen am 28. August 1988 drei Jets über dem Flug­platz Ram­stein inein­ander.

Bil­der, die nie­man­den los­las­sen: Drei Kampf­jets fliegen par­allel, im Rauch dahin­ter sind zwei weitere Maschi­nen zu erken­nen. Knapp über ihnen zer­split­tert die Front eines Flug­zeugs in unzäh­lige Teile. Ein rie­siger Feu­erball, schwarz, gelb, rot, breitet sich am Boden aus, ringsum Men­schen in Hektik und Fas­sungs­losig­keit.

Ram­stein, 28. August 1988. Auch die Opfer der Tragö­die kommen nicht los von den Schre­ckens­bil­dern, rufen sie sich immer wieder ins Gedächt­nis: Selbst­hil­fegrup­pen, Hin­ter­blie­bene und Helfer haben sie ins Inter­net gestellt. Ein Ver­such, das Unvor­stell­bare zu begrei­fen.

300.000 Men­schen sind in die Pfalz gereist an diesem son­nigen Sonn­tag: Volks­fest­stim­mung beim Flugtag zum Jubiläum "35 Jahre US-Air­base Ram­stein", eine Flug­schau soll der Höhe­punkt sein. Die militäri­schen Show-Manö­ver sind umstrit­ten. Anwoh­ner und die evan­geli­sche Kirche der Pfalz pro­tes­tie­ren. Der Oppo­siti­ons­füh­rer im Land­tag, Rudolf Schar­ping, ruft zum "Anti-Flug­tag" auf - ver­geb­lich: Kein Ereig­nis in Rhein­land-Pfalz zieht mehr Pub­likum an. Viele Fami­lien kommen, Väter mit ihren Söhnen, tech­nik­begeis­tert, aus­gerüs­tet mit Foto­appa­raten und Video­kame­ras.

Um 15.40 Uhr startet die ita­lie­nische Kunst­flug­staf­fel "Frecce Tri­colo­ri" mit zehn Jets vom Typ Aer­mac­chi MB 339. Um 15.44 Uhr endet die For­mation "Das durch­stoßene Herz" in einem der schlimms­ten Unglü­cke bei Flug­schauen bis heute: Drei Kampf­flie­ger kol­lidie­ren in der Luft, ein Flug­zeug rast bren­nend in die Zuschau­ermenge. Die Kameras laufen, die Foto­appa­rate kli­cken. Von kaum einer Kata­stro­phe gab es bislang so viele Ama­teur­bil­der.

Ein Grauen, das im Chaos mün­det

Sie zeigen ein Grauen, das im Chaos mündet. 31 Zuschauer sind auf der Stelle tot, durch die Kero­sin­explo­sion ver­brannt oder erschla­gen von Trüm­mer­tei­len. 450 Men­schen sind teils schwer ver­letzt. Auf die erste folgt die zweite Kata­stro­phe: Bei der Bergung reihen sich die Pannen auf dem großen Gelände anein­ander. Die Zustän­dig­keit für den Flugtag liegt bei den Ame­rika­nern, US-Wach­leute lassen deut­sche Retter zunächst nicht aufs Gelände. Notärzte wollen die Schwer­ver­letz­ten vor Ort ver­sor­gen, Ame­rika­ner trans­por­tie­ren sie ohne Erste Hilfe in die teils nicht für Brand­ver­letzte aus­gerüs­teten Kli­niken der Region. Injek­tions­nadeln und Infu­sio­nen der Deut­schen und Ame­rika­ner passen nicht auf­ein­ander. Noch Stunden später, so berich­ten Augen­zeu­gen, fahren orts­unkun­dige Busse voller Ver­letz­ter durch die Gegend. Eine Ein­satz­lei­tung gibt es nicht. Ein Arzt der deut­schen Ret­tungs­wacht bilan­ziert später im Innen­aus­schuss: "Per­sön­lich kann ich sagen, dass zu keinem Zeit­punkt irgend­eine Koor­dina­tion vor­han­den war."

Die Ver­bren­nungs­opfer werden schließ­lich in 46 Kli­niken trans­por­tiert, dar­unter Kai­sers­lau­tern, Lud­wigs­hafen und das Bun­des­wehr­zen­tral­kran­ken­haus Koblenz. Weitere 39 Men­schen sterben an den unmit­tel­baren Folgen des Unglücks. Doch die Tragö­die fordert später noch weitere Opfer: Mehrere Helfer und Über­lebende begehen Selbst­mord.

Die Unglücks­ursa­che ist mensch­liches Ver­sagen eines Pilo­ten. Zu diesem Schluss kommt zunächst eine inter­natio­nale, dann auch eine US-Kom­mis­sion. Drei Jahre lang sind Flug­schauen in Deutsch­land ver­boten. Ab 1991 gibt es sie wieder - unter stren­gen Sicher­heits­auf­lagen: Jede Vor­führung muss von der Luft­fahrt­behörde abge­nom­men werden. Der Abstand zum Pub­likum sowie die Flughöhe (je min­des­tens 100 Meter) sollen ver­mei­den, dass die Flieger den Zuschau­ern zu nahe kommen. Der Zusam­men­stoß in Ram­stein geschah in maximal 50 Meter Höhe. Heute dürfen Flug­zeuge aus­sch­ließ­lich par­allel zum Zuschau­erfeld flie­gen. 1988 hatte eine der Unglücks­maschi­nen Kurs aufs Pub­likum genom­men.

Klage kam schlicht zehn Jahre zu spät

Das Amt für Ver­tei­digungs­las­ten in Koblenz, zustän­dig für die "Ab­gel­tung von Manö­ver­schä­den", zahlt nach einem Ver­gleich Anfang der 90er-Jahre rund 32 Mil­lio­nen D-Mark Ent­schä­digung an Opfer und Hin­ter­blie­bene für Sach­schä­den und kör­per­liche Ver­let­zun­gen. Wegen see­lischer Spät­fol­gen ver­kla­gen fünf Opfer 2001 die Bun­des­repu­blik auf je 50.000 Euro Ent­schä­digung, stell­ver­tre­tend für 100 Lei­dens­genos­sen. Am 4. Sep­tem­ber 2003 weist das Land­gericht Koblenz die Klage ab. Begrün­dung: "Der Schmer­zens­geldan­spruch eines Opfers ver­jährt binnen drei Jahren von dem Zeit­punkt an, in dem der Ver­letzte vom Schaden Kennt­nis erlangt hat." Bei allen Klägern traten laut Gericht schon 1988 psy­chi­sche Beein­träch­tigun­gen auf. Die Klage kam also schlicht zehn Jahre zu spät.

Für die Opfer - Zuschauer, Hin­ter­blie­bene und Helfer - hat die Kata­stro­phe kein Ver­falls­datum. Roland Fuchs hat am 28. August 1988 beim Fami­lien­aus­flug seine Frau und die fünf­jäh­rige Tochter ver­loren. 60 Prozent seiner Kör­pero­ber­fläche sind ver­brannt. Fast 19 Jahre später führt er auf seiner Inter­netseite vor Augen, was das Über­leben bedeu­tet: "Jeden Tag die glei­chen Erin­nerun­gen, jeden Tag die glei­chen Fragen, die man sich stellt. Was würde man sich von seinem Partner wün­schen, wenn man wüsste, er ist bald allei­ne? Nicht, dass er sich auf­gibt! Aber manch­mal ist es schwer."

"Not­fall­nach­sor­ge"

Ram­stein mit seinen ver­häng­nis­vol­len Folgen könnte heute so wohl nicht mehr pas­sie­ren. Knapp ein Jahr nach dem Unglück unter­zeich­nen US-Streit­kräfte und die Lan­des­regie­rung eine Mus­ter­ver­ein­barung über gemein­same Ein­satz­lei­tun­gen und Mel­dewege, Ein­satz­pläne und regel­mäßige Übun­gen. Und: Wer von einer der­arti­gen Kata­stro­phe betrof­fen ist - Feu­erwehr­leute und andere Helfer ein­geschlos­sen -, wird heute nicht mehr allein gelas­sen. Der Begriff "Not­fall­nach­sor­ge" ent­steht auf Ini­tia­tive des Ehe­paars Dr. Hartmut und Sybille Jatzko aus Kri­cken­bach nahe Kai­sers­lau­tern. Sie betreuen Über­lebende und Hin­ter­blie­bene psy­cho­logisch. Beide erhal­ten 2004 das Bun­des­ver­dienst­kreuz.

Auch dies ist eine Folge von Ram­stein: "Noah", eine zen­trale Ansprech­stelle für Kata­stro­phen­opfer, wird ange­glie­dert ans 2004 geschaf­fene Bun­des­amt für Bevöl­kerungs­schutz und Kata­stro­phen­hilfe. Hier findet Hilfe, wer ein Unglück über­lebt oder wer seine Lieben ver­loren hat, beim ICE-Unglück von Eschede, beim Amok­lauf von Erfurt oder beim Tsunami in Südo­stasi­en.

Doris Betzl


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/08/rlp/r/rlp.html
Dienstag, 08. Mai 2007, 14:28 © RZ-Online GmbH (aj)
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