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Montag, 21. Mai 07

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Die USA wollen wieder gastfreundlicher auftreten

Anaheim - Am Anfang stand das große Bibbern bei 14 Grad und Sprühregen.

Gastfreundschaft

Die US-Tourismusbranche fordert mehr Gastfreundschaft. (Bild: dpa/gms)

Dass Südkalifornien Ende April derartig kalt sein kann, hatten viele Teilnehmer nicht erwartet, als sie mit leichtem Gepäck zur US-Reisemesse Pow Wow nach Anaheim bei Los Angeles flogen.

Die Temperaturen stiegen dann zwar schon bald an, doch dieser Start der Messe hatte etwas Symbolhaftes an sich: Von einer Überhitzung ist der internationale Tourismus in Richtung USA derzeit weit entfernt.

Das Land von Mickey Mouse und Elvis Presley hat im vergangenen Jahr im globalen Reiseverkehr erneut an Marktanteil verloren: Lag er im Jahr 2000 noch bei 7,5 Prozent, so waren es 2006 nur 6,1 Prozent. „Der globale 'Reise-Kuchen' wächst, aber unser Stück wird immer kleiner”, klagte Roger Dow, Präsident des US-Tourismusverbandes TIA.

Nicht zum ersten Mal rief die TIA in Anaheim deshalb dazu auf, Besucher aus dem Ausland gastfreundlicher zu empfangen. Es sei der „Job eines jeden Amerikaners, dass sich jeder Gast aus jedem Land in den USA willkommen fühlt”, forderte Matthew J. Hart, Präsident der Hilton-Hotels. Dabei gehe es nicht nur um Effizienz und Höflichkeit, sondern um die Vermittlung von Wärme und wahrer Gastfreundschaft.

Der Appell war kaum verhallt, da präsentierten die US-Behörden allerdings eine erneute Ausweitung der Einreisebestimmungen: An der Grenze und bei Visaanträgen in Konsulaten müssen Ausländer künftig nicht nur zwei, sondern alle zehn Fingerabdrücke einscannen lassen. Geändert wird das Verfahren im Herbst zunächst an zehn Flughäfen und später dann an allen Einreise- und Visavergabestellen. Dies diene der besseren Bekämpfung von Kriminellen und Terroristen, sagte Robert A. Mocny, der Leiter des Programms US-Visit im Heimatschutzministerium.

Auch die Reisenden selbst könnten im Einzelfall von der Erfassung zusätzlicher biometrischer Details profitieren, so Mocny: Wegen der größeren Datenmengen werde es seltener zu Verwechselungen zwischen unbescholtenen Touristen und gesuchten Kriminellen kommen. In den Computern von US-Visit bleiben die Daten 75 Jahre lang gespeichert.

Die US-Reiseindustrie sieht in der neuen Zehn-Finger-Regelung kein Hindernis auf dem Weg zu einem wieder gastfreundlicher auftretenden Land. Das Verfahren sei schnell und unkompliziert, urteilte TIA-Chef Dow. Ihm und seinen Mitstreitern geht es derzeit vor allem darum, Regelungen zu finden, die sowohl der Sicherheit des Landes dienen als auch das Reisen vereinfachen. Für sinnvoll hielte es die TIA etwa, wenn durch zusätzliche Einrichtungen und Beamte die Wartezeit bei der Einreise auf maximal 30 Minuten begrenzt werden könnte. In Fragen wie dieser liefen bereits gute Gespräche mit Politik und Behörden.

Auch Tilo Krause-Dünow, Chef des Nordamerika-Reiseveranstalters Canusa in Hamburg und Vorstandsmitglied im Visit USA Committee (VUSA) in Deutschland, ist sich sicher: „Ob zwei oder zehn Finger gescannt werden, wird vielen Touristen egal sein. Wichtiger ist, dass sie hinterher sagen: Insgesamt war die Einreise gar nicht so schlimm.”

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der deutschen USA-Touristen um zwei Prozent auf etwa 1,39 Millionen gefallen - obwohl derzeit die Voraussetzungen für Besucher aus Deutschland eher günstig sind. Der US-Dollar ist weiterhin schwach und das Reisen für Menschen aus der Eurozone damit billiger als früher. Hinzu kommen in diesem Jahr viele neue Flugverbindungen über den Atlantik, etwa mit LTU nach Las Vegas. Auch Lufthansa und die US-Gesellschaften United und Northwest bauen ihre Netze aus. Krause-Dünow erwartet daher, dass es mit USA-Reisen nun wieder aufwärts geht. Sein eigenes Unternehmen liege im Sommer 2007 in den meisten US-Regionen um 12 bis 15 Prozent über den Zahlen des Vorjahres, „und immer weniger Kunden sagen uns: Ich reise derzeit nicht in die USA, weil mir das politische Umfeld nicht passt.”

Bei anderen Veranstaltern gestaltet sich die Nachfrage nach USA-Reisen derzeit ebenfalls besser als 2006, wie eine Umfrage des Branchenblattes „fvw international” vor dem Pow Wow ergab. „Die USA laufen besser als Kanada”, sagt etwa Per Illian, Nordamerika-Direktor bei Dertour und ADAC-Reisen in Frankfurt/Main. Gut nachgefragt seien etwa Busrundreisen und auch Einzelbuchungen in Hotels. Zur Euphorie bestehe aber kein Anlass - insgesamt zeige der Fernreisetrend weiter nicht nach Westen, sondern nach Asien und Richtung Indischer Ozean.

Doch auch Vertreter von US-Tourismusbüros in Deutschland sehen eine Trendwende erreicht. Wolfgang Streitbörger, Repräsentant der Südstaaten Tennessee und Mississippi in Bielefeld, meint ebenso wie Krause-Dünow sogar den exakten Zeitpunkt für den Schwenk benennen zu können: die Kongresswahlen im November, bei denen die Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments errangen. „Seitdem spüren wir ein starkes Anziehen des Interesses. Das Telefon klingelt öfter, und es gibt wieder mehr Wünsche, Broschüren zugeschickt zu bekommen.”

Die Firma Get It Across in Köln hat sogar Zahlen dazu, wie stark das Interesse an den von ihr vertretenen Staaten Arizona, Colorado, Utah und New Mexico wieder gewachsen ist. Von Dezember 2006 bis Mitte April stieg die Zahl der Verbraucheranfragen zu allen vier Staaten um mindestens 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Colorado und Utah hat sie sich sogar fast verdoppelt. Nach Denver in Colorado gibt es nun auch eine neue Lufthansa-Verbindung von München aus, von der sich der Staat „viel erhofft, gerade für die nächste Wintersaison in den Rocky Mountains”, so Colorado-Vertreterin Anita Goldmann in München. Dann darf es in den USA auch gerne mal wieder so richtig kalt sein.

Visit USA Committee: www.vusa-germany.de Von Christian Röwekamp, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/21/magazin/reise/t/rzo330891.html
Donnerstag, 26. April 2007, 12:20 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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