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Montag, 21. Mai 07

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Aus dem Rollstuhl ins Ruderboot steigen

Seeburg - Für Willi Klingebiel ist es ein besonderer Tag: Erstmals seit rund 20 Jahren schippert der 60-Jährige aus Duderstadt mit einem Boot gemütlich über den Seeburger See in Niedersachsen.

Paraboot

Rollstuhlfahrer Eduard Monzen und Willi Klingebiel (r) im Paraboot. (Bild: dpa)

Klingebiel ist Rollstuhlfahrer und kann seit diesem Wochenende mit einem so genannten Paraboot für Behinderte das Gewässer im Eichsfeld zu erkunden. Zwei dieser speziellen Amphibienfahrzeuge für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps können an dem Ausflugsziel ausgeliehen werden. Sie sind nach Angaben des örtlichen Tourismusverbandes deutschlandweit erstmals in Einsatz.

„Die Boote sind kippsicher und stabil. Darin fühle ich mich völlig sicher”, sagt Klingebiel. Er stoppt seinen Rollstuhl direkt neben dem Boot, das noch an Land steht. Ohne fremde Hilfe steigt er in das Amphibienfahrzeug ein. Dann wird das zweisitzige Spezialboot ins Wasser geschoben und los geht die Fahrt. Vor zwei Jahren hat der Behindertenbeauftragte der Stadt Duderstadt das Projekt „Barrierefreies Reisen durch das Eichsfeld” ins Leben gerufen. Er möchte die Menschen zum Reisen motivieren - auch diejenigen mit Handicap. Und eine Fahrt auf dem See gehöre einfach dazu, sagt er.

Die Paraboote können sowohl an Land als auch im Wasser fahren und gesteuert werden. Sie sind knapp fünf Meter lang und erreichen - je nach Einsatz des Fahrers - eine Geschwindigkeit von bis zu zwölf Kilometern pro Stunde. Angetrieben werden sie per Hand über große Schaufelräder. Diese Räder sorgen auch dafür, dass das Boot langsam vom Land ins Wasser rollt. Je nach Behinderungsgrad können sie individuell auf den Fahrer eingestellt werden.

Für die regionale Entwicklung des Eichsfelds werden diese Spezialboote eine Magnetwirkung haben ist sich Carsten Basdorf vom Stadtmarketing Duderstadt sicher. „Wir möchten in der Region familienfreundlich sein und attraktive Angebote für Senioren und Menschen mit Handicap entwickeln”, sagt Basdorf. Die neuen Boote könnten auch von Eltern mit kleinen Kindern oder älteren Menschen genutzt werden, denen die herkömmlichen Ruderboote zu wackelig sind.

Rund 8000 Euro kostet ein solches Amphibienfahrzeug. Die mechanischen Teile der Boote werden vom Handgriff bis zu den Schaufelrädern in der Schweiz produziert und montiert. Eine deutsche Firma stellt den Bootskörper her. Sponsoren haben den Kauf der zwei Paraboote, die ab sofort über den Seeburger See fahren, ermöglicht. Das neue Angebot auf jeden Fall nutzen will Eduard Monzen. Der 76- Jährige aus dem Eichsfeld kennt das Gewässer aus früheren Zeiten sehr gut. Doch seit er im Rollstuhl sitzt, musste er auf seine geliebten Ausflüge in dem Biotop für Zug- und Brutvögel verzichten. „Das ist eine tolle Sache mit den Booten. Ich werde ganz oft auf den See fahren”, sagt der Senior und strahlt. Von Martina Steffen, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/21/magazin/reise/t/rzo331764.html
Montag, 30. April 2007, 11:20 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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