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Montag, 21. Mai 07

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Reizthema String-Tanga - Experten prophezeien mehr Textil

Berlin - Man kann auch mit 87 noch eine sehr deutliche Meinung zum Thema Unterwäsche, Sexismus und Frauen als Objekt haben. „Mögen Sie etwa Strings? Ich finde diese Dinger total unbequem.”

Tanga

Statt String sind häufiger immer textilreichere Varianten gefragt. (Bild: dpa)

So schimpfte die Schriftstellerin Benoite Groult („Salz auf unserer Haut”) kürzlich in einem „Tagesspiegel”-Interview. Wer ähnlich denkt wie die Französin, wird sich über eine Prophezeiung von Mode-Experten freuen: Der String-Tanga, also die Unterhose, die hinten mit einem Faden und ohne Rückseite auskommt, erhält wieder mehr Konkurrenz in den Wäscheregalen.

Frauen mit Rettungsring, enger Hüfthose, dazu der schmale, gemusterte Hosen-Faden über dem als „Steißgeweih” geschmähten Tattoo: Dieses sommerliche Bild, das nicht nur bei den Radlerinnen auf den Straßen Berlins keine Seltenheit ist, könnte bald der Vergangenheit angehören. „Der Markt der String-Tangas entwickelt sich rückläufig”, weiß Alexandra von Richthofen vom Fachblatt „TextilWirtschaft”. Der „totale Hype” um Tangas wie vor etwa drei Jahren mit dem oben beschriebenen Look sei vorbei.

Die textilreicheren Varianten in der Lingerie-Abteilung heißen „Panty” oder „Hipster”, hauchdünne, knackig sitzende Mini-Shorts. Auch den guten alten Schlüpfer hat die Retrowelle wieder in die Regale gespült. Von „Dolce & Gabbana” gibt es für Frauen sogar knallig bunte, Po-verdeckende Liebestöter mit - angetäuschtem - Eingriff wie bei den Männern.

Die schwedische Modekette „Hennes & Mauritz” hat, wie viele Geschäfte, nach wie vor reichlich Strings im Angebot, die gut laufen. „H & M” ist aber in der Wäscheabteilung ein möglicher Indikator für künftig andere Vorlieben von Teenagern und erwachsenen Frauen. „Der Trend geht eigentlich wieder zum klassischen Slip”, sagt „H & M”-Sprecher Mathias Geduhn. „Der fliegt nur so raus.”

Modedesigner Niels Holger Wien, der die Düsseldorfer Wäsche-Messe „Body Look” berät, schätzt, dass der Marktanteil der Tangas in den vergangenen zwei, drei Jahren von einem Drittel auf unter ein Fünftel gesunken ist. Der String verschwinde sichtbar aus der „Tagwäsche”, wie die Textilien für den Alltag genannt werden. Das „demonstrative Sex-zeigen” sei für Frauen kein Muss mehr, meint Wien. „Man will auch insgesamt wieder angezogener und perfekter aussehen.” Die Hüfthose ist demnach auf dem Rückzug, das Bündchen wandert wieder Richtung Bauchnabel.

Der Tanga, der von den Stränden Brasiliens aus nach Europa kam und dort die Wäschekommoden eroberte, polarisiert bei Männern wie bei Frauen. Kinoheld Borat bewies mit seiner abenteuerlichen Kreation, dass Männer besser die Finger von jener Hose lassen sollten, die auf Englisch als „Hinternzahnseide” („buttfloss”) bespöttelt wird. Bei den Frauen reichen die Attribute von „unbequem und billig aussehend” bis „erotisch und praktisch”: letzteres, weil sich unter der Hose kein Rand abzeichnet.

Schauspielerin Eva Longoria aus der TV-Serie „Desperate Housewives” verriet kürzlich dem Magazin „InTouch”, sie trage ausschließlich String-Tangas, um für ihren Zukünftigen sexy zu bleiben. „Ich besitze keine einzige Unterhose mit Rückseite.” Wer einen anderen Geschmack hat als die Latina, findet in den Geschäften reichlich Auswahl. Denn: Auch die 87 Jahre alte Benoite Groult hat natürlich keine Lust auf einen „Riesen-Nonnen-Schlüpfer”, wie sie sagt. Von Caroline Bock, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/07/05/21/magazin/szene/t/rzo335013.html
Montag, 14. Mai 2007, 12:20 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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