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Samstag, 25. Aug. 07
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Fiasko in Landau CDU fällt auf Lügner rein Landau - Seit einer halben Ewigkeit ist das Rathaus im südpfälzischen Landau fest in der Hand der Christdemokraten. Doch jetzt erlebt die dortige CDU ein Erdbeben: Ihr Kandidat für das Oberbürgermeisteramt entpuppt sich als Schwindler.
Die Landauer CDU ist von ihrem Oberbürgermeisterkandidaten gleich doppelt hinters Licht geführt worden. Der 35 Jahre alte Kai Schürholt räumte nun in einer Erklärung ein, sich zu Unrecht mit einem Doktortitel geschmückt zu haben. Außerdem hat er die schwere Krankheit nur erfunden, mit der er Anfang der Woche seinen Ausstieg aus dem Wahlkampf begründet hatte. Schürholt, der sich als promovierter Theologe ausgab, hatte seine Ambitionen auf den OB-Posten Anfang der Woche für erledigt erklärt und dies mit einem Gehirntumor begründet. Eine "Lüge", wie er nun zugab. Damit wollte er seine mit der Täuschung verbundenen psychischen Probleme kaschieren. Sein Promotionsverfahren hat er bislang nicht abgeschlossen. Dennoch hat man ihn immer wieder mit "Herr Doktor" angesprochen, sodass er sich schließlich selbst damit schmückte. "Erwartungshaltungen an mich und eigene Eitelkeit waren meine Motivation." Weiterhin erklärt er: "Die Ereignisse in Landau haben sich dann im Verlauf des Wahlkampfs so dramatisch für mich entwickelt, dass ich mir keinen anderen Rat wusste als den Ausstieg aus der Kandidatur über eine weitere Lüge." Titel überlebt auf dem Wahlzettel "Dr. Schürholt, Kai" wird dennoch am 2. September ganz oben auf dem Wahlzettel stehen, wenn in Landau ein neuer Oberbürgermeister gewählt wird. Die Zettel sind bereits gedruckt, und die Frist, um einen neuen Kandidaten zu benennen, ist längst verstrichen. Der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Ralf Göbel sagte, dass es eine "tiefe, tiefe Enttäuschung" gibt. Wenn er die Stimmung in der CDU betrachtet, kann man von einem "Super-GAU" sprechen. Göbel beantragte in einem Schreiben an die Bundesgeschäftsstelle der CDU den Ausschluss Kai Schürholts aus der Partei. Am Freitagabend trat zudem der Kreisvorstand der Landauer CDU als Konsequenz komplett zurück. Göbel ließ offen, ob er noch einmal für den Vorstand kandidieren wird, sagte aber, dass er sein Bundestagsmandat behält. Der Generalsekretär der CDU in Rheinland-Pfalz, Josef Rosenbauer, erklärte: "Ich bin erschüttert über dieses dreiste Täuschungsmanöver und enttäuscht von Kai Schürholt. Er hat seiner eigenen Partei aus niederen persönlichen Motiven heraus großen Schaden zugefügt." Der Vorgang müsse nun schnell und umfassend im Sinne der Wählerinnen und Wähler, der CDU und des Kreisvorsitzenden aufgeklärt werden. Oartei auf dem falschen Fuß erwischt Göbel hatte den in Landau weitgehend unbekannten Schürholt, der bis vor Kurzem als Pressesprecher beim Deutschen Brauer-Bund in Berlin arbeitete, als Kandidaten vorgeschlagen. Zuvor hatte sich die Partei mit der Suche nach einem aussichtsreichen Bewerber schwergetan. Im März hatte Oberbürgermeister Christof Wolff (CDU) für alle überraschend seinen vorzeitigen Rückzug zum Jahresende angekündigt - und damit auch seine Partei auf dem falschen Fuß erwischt. Schürholt sei ihm von vielen Seiten empfohlen worden, sagt Göbel - von Bundestagskollegen und Landespolitikern, die mit dem 35-Jährigen zusammengearbeitet hätten. Auch im Auswahlverfahren sei Schürholt als "kompetenter und zuverlässiger Mensch" eingestuft worden. OB-Posten geht der CDU verloren Die Landauer CDU trifft das Fiasko um ihren Kandidaten besonders hart. Seit Jahrzehnten hat im Rathaus der 43 000-Einwohner-Stadt ein Christdemokrat das Sagen. Amtsinhaber Wolff sitzt seit 1984 auf dem Chefsessel im Rathaus. Um seinem potenziellen Nachfolger Schürholt zu helfen, ließ sich der populäre Wolff auf dessen Wahlplakaten mit abbilden. In seiner Funktion als Wahlleiter teilt Wolff nun mit, dass die Wahl trotz der "aktuellen abenteuerlichen Ereignisse" wie geplant stattfinden wird. Bereits nachdem Schürholt seinen - angeblich - krankheitsbedingten Rückzug bekannt gegeben hatte, war der Wahlkampf für die CDU beendet. Als großer Favorit geht nun der Landauer Sozialbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer von der SPD in die Wahl. Marc Strehler; Foto: ddp Rhein-Zeitung vom 25.08.2007, Seite 3.
http://rhein-zeitung.de/on/07/08/25/rlp/r/landau.html |
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