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Freitag, 05. Oktober 07

Oliver Kemmann (links) und HermaMainz - Zwei Mainzer ver­lei­hen Johann Wolf­gang von Goethes Klas­siker über die Bela­gerung von Mainz ein neues Gewand: Oliver Kemmann und Hermann Kurzke schufen ein präch­tiges Buch rund um den kleinen Text.

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Brennendes Mainz lockte Touristen an

Mainz - Zwei Mainzer ver­lei­hen Johann Wolf­gang von Goethes Klas­siker über die Bela­gerung von Mainz ein neues Gewand: Oliver Kemmann und Hermann Kurzke schufen ein präch­tiges Buch rund um den kleinen Text.

Oliver Kemmann (links) und Herma

Oliver Kemmann (links) und Hermann Kurzke im Lan­des­museum, wo viele Bilder hängen, die für ihr Buch wichtig sind - auch Georg Schnei­ders "Blick auf das bren­nende Kost­heim".

Die Tou­ris­ten - jene Schlach­ten­bumm­ler im sehr ursprüng­lichen Wort­sinn - ström­ten 1793 nach Mainz, um zu schauen, wie deut­sche Truppen die Stadt bom­bar­dier­ten. Gerade den Frank­fur­tern waren die bren­nen­den Gebäude einen Ausflug wert. Während sie in der Deckung Wein tranken, flogen die Kano­nen­kugeln der franzö­sischen Ver­tei­diger über ihre Köpfe hinweg. "Land­kar­ten und Stadt­bil­der waren echte Kas­sen­schla­ger", erzählt Hermann Kurzke, "schon die Zeit­genos­sen haben die Bela­gerung als Medie­ner­eig­nis betrach­tet. Des­wegen ist sie so vor­züg­lich doku­men­tiert."

Johann Wolfgang von Goethe widmete dem Ereig­nis eine kleine Schrift, ein fik­tives Tage­buch, das er um 1820 nie­der­schrieb: "Bela­gerung von Mainz." Nun haben Kurzke, der pen­sio­nierte Pro­fes­sor für Neuere deut­sche Lite­ratur­geschichte, und der pro­movierte Inge­nieur Oliver Kemmann den Text genom­men und ein präch­tiges Buch daraus gemacht: "Unter­gang einer Reichs­haupt­stadt - Ein Bil­der­bogen" mit 155 Illus­tra­tio­nen, 167 Fußno­ten und zahl­rei­chen Zitaten pro­minen­ter wie weniger pro­minen­ter Beo­bach­ter.

Kemmann ist Unter­neh­mer und seit 30 Jahren Wahl-Mainzer, Kurzke schaut auf bedeu­tende Pub­lika­tio­nen zu Thomas Mann und eine erfolg­rei­che Zeit an der Mainzer Uni zurück. Die beiden trafen sich vor zwei Jahren anläss­lich einer Ver­anstal­tung der Wirt­schafts­junio­ren, bei der Kurzkes Thomas-Mann-Bio­gra­fie Thema war. Kemmann sam­melte sei­ner­zeit schon mit Lei­den­schaft Doku­mente rund um die Bela­gerung. Die recht unter­schied­lichen Männer kamen ins Gespräch, und eine Idee ent­wickelte sich.

"Ich arbeite nicht gern mit Ger­manis­ten", sagt der Ger­manist Kurzke, "die sind so geschwät­zig." Er ist mit Kemmann im Lan­des­museum zu Besuch, einem pas­sen­den Ort, um sich über das Buch zu unter­hal­ten, denn hier hängen viele Gemälde, die für das Projekt unent­behr­lich waren. Unter­neh­mer Kemmann schaut sich unter­neh­mungs­lus­tig um: "Das wäre die ideale Umge­bung für eine Lesung." Es ist wohl dieser Taten­drang, den Kurzke schätzt.

"Wir wussten am Anfang ganz vieles nicht", gibt Kemmann zu. "Das Projekt war wie eine Lawine." Ständig fanden die beiden neue Illus­tra­tio­nen und zum Teil unver­öffent­lichte Quellen. "Mein Vorwort schickte ich im Januar", ergänzt Kurzke, "ich habe es aber noch sechs Mal über­arbei­tet. Der Verlag hatte bestimmt viel Spaß mit uns."

In jenem Vorwort charakterisiert Kurzke die Bela­gerung als Para­dig­men­wech­sel. "Die alten Mächte geben sich auf. Kur­fürst von Erthal bleibt in Aschaf­fen­burg, auch als seine Stadt zurückero­bert ist." Die Sol­daten behan­deln sich mit Respekt, auf beiden Seiten erklingt die Mar­seil­laise. Die Bela­gerung durch preußi­sche, hes­sische, säch­sische und öster­rei­chi­sche Sol­daten gerät welt­anschau­lich gesehen zur Farce, prak­tisch gesehen kostet sie ein Drittel der Mainzer Bau­sub­stanz. Dom und Lieb­frau­enkir­che brennen, die Fran­zosen haben das Lust­schloss Favo­rite geschleift: Es lag vor dem Fes­tungs­ring und hätte die Sicht ver­deckt.

Goethe berich­tet mit Distanz und Vor­sicht von den Ereig­nis­sen, doch dem Leser erschließen sich Schich­ten der Ironie und Bit­ter­keit. "Je länger man den Text anschaut, desto leuch­ten­der wird er", sagt Kurzke, "das macht gute Lite­ratur aus: Die Sachen erschei­nen immer raf­finier­ter."

Kemmann und Kurzke polierten das Leuch­ten noch mal auf. Ihr Buch ist nicht nur ein Augen­schmaus. Mit den Fußno­ten liefern sie viel mehr als tro­ckene Erläu­terun­gen: "Text­lich hatten wir den Anspruch, dass alles stimmt", so Kurzke. "Aber wir haben einen feuil­leto­nis­tischen Ton gewählt." Es finden sich Bemer­kun­gen über das rege Bor­dell­leben oder des Dich­ters Stolz auf seinen rüs­tigen Körper. Daneben kommt ein Soldat zu Wort, dem Goethes über­heb­liches Gehabe tüchtig auf den Wecker geht, und auch Hein­rich von Kleist tritt auf: Er nahm mit 15 Jahren an der Bela­gerung teil.

So lädt der Bil­der­bogen auf vielen Ebenen zur Neu­ent­deckung ein - und ein Goethe-Zitat scheint den Leser direkt anzu­spre­chen: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Welt­geschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei­gewe­sen." (Gerd Blase)

Oliver Kemmann/Hermann Kurzke (Hrsg.): "Unter­gang einer Reichs­haupt­stadt - Ein Bil­der­bogen", Societäts-Verlag, 176 S., 24,90 Euro

RZO


http://rhein-zeitung.de/on/07/10/05/magazin/szeneregional/t/rzo368345.html
Freitag, 05. Oktober 2007, 12:12 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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