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Freitag, 14. Juni 13
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Lügendetektion an der Uni Mainz

Schwindeln für die Wissenschaft

Mainz - Der Auftrag ist eindeutig: "Gehen Sie unbemerkt in das Mit­arbei­ter­büro 02-513, nehmen Sie dort den Schlüssel mit dem Main­zel­männ­chen-Anhänger aus dem Sakko, öffnen den Roll­con­tai­ner und stehlen Sie den Ordner mit den Prü­fungs­unter­lagen." Was nach einem perfiden Die­bes­plan aussieht, dient der Forschung. Der Diplom- Psy­cho­loge Matthias Gamer von der Mainzer Johannes-Gutenberg- Uni­ver­sität beschäf­tigt sich mit Lügen­detek­toren.

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Ein Proband sitzt im Mainzer Lügendetektor-Labor

Um deren Ein­satz­mög­lich­kei­ten möglichst lebensnah zu testen, werden Ver­suchs­per­sonen für eine fiktive Tat erst zu Lang­fin­gern gemacht, ansch­ließend in der Rolle von "Verdäch­tigen" an einen Lügen­detek­tor ange­schlos­sen und befragt.

Lügentest in zwei Varianten

Während in Deutsch­land das Ergebnis eines Lügen­detek­tor-Tests nach Urteilen des Bun­des­gerichts­hofs von 1998 und 2003 generell vor Gericht nicht als Beweis­mit­tel zuge­las­sen ist, nutzen weltweit rund 50 Länder diese Methode, schätzt Gamer. Dabei müsse jedoch grundsätz­lich zwischen dem soge­nann­ten "Kon­troll­fra­gen-Test", der vor allem in Nord­ame­rika prak­tiziert wird, und dem etwa in Japan ein­gesetz­ten "Tat­wis­sen­test" dif­feren­ziert werden. Bei vielen Experten stehe der Kon­troll­fra­gen-Test als unwis­sen­schaft­lich in der Kritik. Zudem seien Unschul­dige bei dem Verfahren benach­tei­ligt, sagt Gamer.

Beim Tat­wis­sen­test - um den es auch in dem psy­cho­logi­schen Expe­riment an der Uni Mainz geht - werden Verdäch­tigen zu den Fragen jeweils mehrere Antworten vor­gege­ben, die mit "Ja" oder "Nein" beant­wor­tet werden können. In diesen Varianten ist immer eine Infor­mation dabei, die nur der Täter wissen kann. Erkennt der Verdäch­tige bei­spiels­weise das Tat­werk­zeug oder den Tatort, ist dies nach den Aussagen von Gamer an kör­per­lichen Reak­tio­nen messbar. Bei Verdäch­tigen werden daher unter anderem Herz­schlag, die Aktivität der Schweißdrü­sen und Atem­fre­quenz beob­ach­tet. Diese Reak­tio­nen geschehen unwill­kür­lich.

Fragen vom Band

Die Mainzer Ver­suchs­per­son sitzt nach dem fin­gier­ten Diebstahl ebenfalls verkabelt in einem schall­dich­ten "Ver­hör­zim­mer": An der Hand und am Oberkör­per kleben fünf Elek­tro­den, der Daumen steckt in einer Man­schette, die den Puls misst. Zudem hat der angehende Diplom- Psy­cho­loge Ulrich Bestle zwei Gurte mit Klett­ver­schluss über Bauch und Brust befestigt, um die Atmung zu messen. "Bitte jede Frage mit "Nein" beant­wor­ten", lautet seine Anweisung.

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Matthias Gamer an seinen Geräten

Dann kommen die Fragen vom Band, etwa: "Welcher Anhänger hing an dem Schlüssel zum Roll­con­tai­ner? War es ein Herz?", "Nein", "War es ein Motorrad?", "Nein", "War es ein Main­zel­männ­chen?", "Nein". Bei der Aus­wer­tung wird sich zeigen, dass die Ver­suchs­per­son bei der dritten Ant­wort­vari­ante deutlich stärkere Reak­tio­nen zeigte - das Main­zel­männ­chen wurde erkannt. Zusammen mit den Ergeb­nis­sen der anderen Tat­wis­sen­fra­gen wäre der Dieb überführt worden.

"Im poli­zei­lichen Alltag wird die Lügen­detek­tion in Deutsch­land nicht ein­gesetzt", sagt Gamer. Gele­gent­lich hat sein Institut jedoch schon mit Staats­anwalt­schaf­ten zusam­men­gear­bei­tet. Der Psy­cho­loge würde sich wünschen, dass der Tat­wis­sen­test in der deutschen Justiz bei den Ermitt­lun­gen eine größere Rolle spielt - sofern der Fall geeignet ist. Bei aller Kritik an der Lügen­detek­tion müsse man bedenken, dass sie auch der Ent­las­tung von Verdäch­tigen dienen könne. Wichtig sei jedoch, den Tat­wis­sen­test sobald wie möglich nach einer Tat zu machen, damit Unbe­tei­ligte sich nicht aus Dritt­quel­len wie den Medien Täter­wis­sen aneig­neten.

Sei­ten­sprünge beschäf­tigen den Forscher

Von Fernseh-Talkshows, bei denen mut­maß­lichen Fremd­gän­gern oder Dieben mit einem angeb­lichen Lügen­detek­tor-Test auf den Zahn gefühlt und das Ergebnis ansch­ließend vor laufenden Kameras verkündet wird, hält Gamer rein gar nichts. "Dies entbehrt jeder Logik", sagt der Experte. Die Popu­larität solcher Sendungen bekommt er dennoch zu spüren: Als Miti­nitia­tor der Inter­netseite www.lue­gen­detek­tion.de riefen bei ihm häufiger Menschen an, die angeblich zu Unrecht eines Sei­ten­sprungs bezich­tigt werden oder sich betrogen fühlen. "Die möchten dann gerne einen Lügen­detek­tor-Test machen", erzählt Gamer. Dies muss er zwar ablehnen, kann aber mit gutem Rat helfen: "Manchmal empfehle ich den Besuch einer Paar­bera­tungs­stelle."

Andrea Löbbecke (dpa); Fotos: dpa


http://rhein-zeitung.de/on/07/12/26/rlp/r/luege.html
Mittwoch, 26. Dezember 2007, 15:35 © RZ-Online (jo)
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