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Freitag, 14. Juni 13
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Sekt­behält­nisse aus mehreren Jahr­hun­der­ten

Glas muss keinen Stiel, aber Stil haben

Mainz - In Mainz ist die welt­größte Sektglas­samm­lung zu sehen. Im Stammhaus des Unter­neh­mens Kup­fer­berg werden rund 200 aus­gefal­lene Exemplare gezeigt: vom Glas ohne Stiel über das selbst­leuch­tende Uranglas bis zur Kom­bina­tion aus Tasse und Sektflöte.

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In der Sektglas-Aus­stel­lung im Haus Kup­fer­berg in Mainz sind unter anderem diese drei ein­mali­gen Exemplare zu sehen (von links): Das Uranglas von Josef Riedel leuchtet durch die Zugabe des Elementes grellgelb, die Sekt-Tasse aus den 50ern ist mehr ein Scherz­glas und das Glas mit auf­wen­diger Emaille-Malerei besonders hübsch anzusehen.

Für den Sekt haben die Glas­her­stel­ler in der Ver­gan­gen­heit manch außer­gewöhn­liches Gefäß entworfen. Einer färbte das Sektglas mit Hilfe von Uran grellgelb, ein anderer ver­zich­tete wegen der Stand­fes­tig­keit auf den Stiel. Diese Exemplare und weitere aus­gefal­lene Gefäße gehören zur Sektglas­samm­lung der Sekt­kel­lerei Kup­fer­berg in Mainz, der nach Unter­neh­mens­anga­ben welt­größten Sammlung dieser Art. Dort findet sich auch eine Kaf­fee­tasse mit Sektstiel, eine soge­nannte Sekttasse aus den 50er-Jahren. "Das ist natürlich ein Scherz­glas. Mitt­ler­weile ist das aber wieder voll im Kommen", sagt Rosemarie Zöller von der Sekt­kel­lerei.

Zu der Sammlung, die im Stammhaus hoch über alten Wein­gewöl­ben gezeigt wird, gehören rund 200 his­tori­sche und neue Sekt­glä­ser. Neben üppig ver­zier­ten Gläsern aus dem Russland der Zarenzeit und robusten eng­lischen Blei­glas­flöten finden sich auch filigrane Kelche aus Öster­reich und deko­rative franzö­sische Jugend­stil­sekt­scha­len.

Die his­tori­schen Gläser haben teilweise einen Wert von bis zu mehreren Tausend Euro. "Wir können mit Fug und Recht sagen, dass dies eine weltweit einmalige Sektglas­samm­lung ist. Zwar gibt es andere Samm­lun­gen von Gla­sob­jek­ten allgemein, aber mit unseren Stücken haben wir eine Allein­stel­lung", erklärt Zöller. Wer die Aus­stel­lung besuchen möchte, kann sich kurz vorher bei Kup­fer­berg anmelden und wird durch die Räume geführt.

Älter als der Sekt selbst

Die Gläser sind nicht nur schön anzu­schauen, sondern erzählen auch die ein oder andere spannende Geschichte. Bei­spiels­weise stammt eines der deko­rativs­ten und teuersten Gläser aus dem Jahr 1583 und kommt damit aus einer Zeit, in der es noch gar keinen Sekt gab. "Die Sekt­glä­ser sind teilweise älter als der Sekt selbst. Sekt wurde erst ab Mitte des 19. Jahr­hun­derts her­gestellt. Das hier ver­meint­liche Sektglas hat zwar schon die richtige Form, aber mit Sicher­heit wurde Wein daraus getrunken", erzählt Zöller.

Seit den 80er-Jahren des 20. Jahr­hun­derts erstei­gerte die Firma Racke, die die Akti­enmehr­heit an Kup­fer­berg besitzt, seltene Exemplare und Ein­zelstü­cke aus ganz Europa und trug sie für die Sekt­kel­lerei zusammen. "Wir haben versucht, in der Chro­nolo­gie und bezüglich der Her­stel­lungs­län­der lückenlos zu bleiben, damit man die Ent­wick­lungs­sta­dien besser nach­voll­zie­hen kann, die das Sektglas durch­lau­fen hat."

Grell­gel­bes "Uranglas"

Zu den zahl­rei­chen Kurio­sitäten zählt auch das "Uranglas" des böh­mischen Glas­fabri­kan­ten Josef Riedel: Durch die Bei­mischung von Uran ist das Glas grellgelb gefärbt, oder, wie Riedel es nach seiner Frau Anna Maria nannte, "Annagelb". Zum Sektkelch ohne Stiel, der sich ebenfalls unter den wun­der­samen Glas­krea­tio­nen findet, erklärt Adelheid Moller-Racke von der Racke GmbH: "Stellen Sie sich vor, Sie sind in Ihrer Kutsche von Berlin nach Paris unterwegs. Ein Sektglas mit Stiel wäre da völlig unpassend gewesen."

Dass Sekt ursprüng­lich ein Getränk für besondere Anlässe und vornehme Leute war, zeigen unter anderem die mit Wappen ver­zier­ten Aus­stel­lungs­stü­cke. "Sekt war ein Luxusgut und nur den ganz Reichen vor­behal­ten. Daher sind diese Sekt­glä­ser auch etwas sehr Seltenes. Während die armen Leute aus Holz­bechern tranken, benutzten die Bürger Zinn­becher, die Wohl­haben­den Silber und Gold. Das geschmacks­freie Glas aber war den Adligen vor­behal­ten", erzählt Moller-Racke. "Da das Sekt­trin­ken eine vornehme Ange­legen­heit war, waren übrigens das geräusch­volle Anstoßen mit Gläsern, das Kor­ken­knal­len und das Trinken aus Flöten verpönt. Damals waren nämlich Schalen ,in', weil das schöner aussah", sagt sie.

Für Sekt­freunde, die sich nach dem Besuch der Sammlung fragen, ob sie das perlende Getränk aus Schale oder Flöte trinken sollen, hat Moller-Racke einen Tipp parat: "Aus der Schale muss man einfach schneller trinken, dann wird der Sekt auch nicht warm", sagt sie.

Arda Cankara


http://rhein-zeitung.de/on/07/12/31/rlp/r/regio-1.html
Montag, 31. Dezember 2007, 09:48 © RZ-Online (aj)
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