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Montag, 17. Juni 13
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RZ-Kommentar

Die Ursachen liegen tiefer

Dietmar Brück zu den Folgen von Lud­wigs­hafen


Solingen, Mölln, Lud­wigs­hafen? Der Verdacht ist schreck­lich und noch nicht aus­geräumt. Waren es Rechts­radi­kale, die das von Türken bewohnte Haus ange­zün­det haben? Dieser Gedanke haftet der Debatte über die Feu­erka­tastro­phe wie Brand­geruch an. Argwohn macht sich breit. Nazi-Schmie­rereien an der vom Russ geschwärz­ten Ruine, ein erster, nie auf­geklär­ter Brand­anschlag - all das werden die Ermittler auf­arbei­ten müssen. Die Son­der­kom­mis­sion wird Motive ergründen, Trümmer und Schutt wegräumen. Im über­tra­genen Sinne kommt diese Aufgabe auch der Politik zu. Denn die Tragödie von Lud­wigs­hafen hat gezeigt, wie ange­spannt das deutsch-türkische Ver­hält­nis ist.

Die tür­kischen Boulevard-Zeitungen werfen eine Ver­schwörungs­theo­rie nach der anderen auf den Markt. Türkische Politiker ver­glei­chen Lud­wigs­hafen vor­schnell mit Solingen und Mölln, den jüngeren Symbolen rechts­radi­kaler Gewal­tex­zesse in Deutsch­land. Zweifel an der Unab­hän­gig­keit deutscher Ermittler werden genährt. Vieles davon ist innen­poli­tisch motiviert, ist verbales Mus­kel­spiel für die heimische Wäh­ler­schaft in der Türkei. Dennoch war Deutsch­land klug, der tür­kischen Forderung nach­zuge­ben, Ermittler vom Bosporus ein­zube­zie­hen. So wird den gröbsten Agi­tato­ren am leich­tes­ten der Wind aus den Segeln genommen. Ein unan­geneh­mer Nach­geschmack bleibt: Die Türkei hätte im umge­kehr­ten Fall ein ähnliches Drängen von deutscher Seite garan­tiert als Ein­mischung in ihre inneren Ange­legen­hei­ten zurück­gewie­sen.

Die Kata­stro­phe von Lud­wigs­hafen stellt nicht nur die Beziehung von Deutsch­land und der Türkei vor eine Belas­tungs­probe, die Linien dieses Konflikts verlaufen zugleich mitten durch die Bun­des­repu­blik. In Lud­wigs­hafen ist gestern ein Feu­erwehr­mann von einem tür­kischen Jugend­lichen ver­prü­gelt worden. Der Vorfall zeigt, wieviel Glut unter der Asche schwelt. Doch eigent­lich geht es um mehr - um die offene Frage der Inte­gra­tion. 2,7 Millionen tür­kischstäm­mige Menschen leben in Deutsch­land, knapp eine Million mit deutschem Pass. Viele von ihnen sind ver­unsi­chert, fürchten aus­län­der­feind­liche Stim­mungs­mache. Manche schotten sich ab, andere passen sich, so gut es eben geht, an, eine kleine Min­der­heit neigt aus unter­schied­lichen Gründen zur Gewalt.

Auch auf deutscher Seite lodert schnell Miss­trauen auf. Viele Menschen haben Angst, dass der Islam das kul­turelle Klima in aggres­siver Form verändert. Man muss nur an die kon­tro­ver­sen Dis­kus­sio­nen über die Höhe von Mina­ret­ten oder die Gefahren des Isla­mis­mus denken. Seien wir ehrlich: Deutsch­land ist noch weit davon entfernt, seine größte isla­mische Min­der­heit - die Türken - in der Mitte der Gesell­schaft will­kom­men zu heißen.

So gesehen ist die Tragödie von Lud­wigs­hafen auch eine Chance. Eine Chance, ehrlicher mit Miss­trauen und Vor­urtei­len umzugehen. In der Indus­trie­stadt am Rhein wird jetzt nach der Brand­ursa­che geforscht. Das ist der Job der Ermittler. Unser aller Aufgabe ist es, den ideo­logi­schen Brand­stif­tern keinen Zündstoff zu liefern.

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Donnerstag, 07. Februar 2008, 09:14 © RZ-Online (aj)
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