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Freitag, 15. Februar 08

Die neue Herrin über die TechnikKoblenz - Gerade hat der Rech­nungs­hof auch die Auf­gaben­auf­tei­lung im Koblen­zer Lan­des­museum kri­tisiert - was jedoch durch die Ein­rich­tung der Gene­ral­direk­tion Kul­turel­les Erbe (GDKE) als über­geord­nete Steue­rungs­instanz...

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Mit seinen Sonder- Aus­stel­lun­gen - wie derzeit mit Robert Combas" Werken - sorgt das Ludwig Museum regel­mäßig für Auf­sehen. Die Samm­lung der muse­ums­eige­nen Werke steht hin­gegen zumeist ein wenig im Schat­ten.

Schmutzler zwischen Buga und Depot

Koblenz - Gerade hat der Rech­nungs­hof auch die Auf­gaben­auf­tei­lung im Koblen­zer Lan­des­museum kri­tisiert - was jedoch durch die Ein­rich­tung der Gene­ral­direk­tion Kul­turel­les Erbe (GDKE) als über­geord­nete Steue­rungs­instanz berei­nigt werden soll.

Die neue Herrin über die Technik

Die neue Herrin über die Tech­nik­geschichte der Region, hier zu sehen mit der im Ori­ginal auf­gebau­ten Anlage der Destil­lerie Busch­mann: Bri­gitte Schmutz­ler ist Thomas Metz" Nach­fol­gerin an der Spitze des Lan­des­muse­ums Koblenz. Foto: Sauer-Kaul­bach

Ein Ergeb­nis der Neu­ord­nung durch die GDKE ist bereits die neue Beset­zung der Lei­tungs­posi­tion: Bri­gitte Schmutz­ler ist Nach­fol­gerin vonTho­mas Metz an der Spitze des Lan­des­muse­ums.

Belagerungen sind für eine Festung nichts Unge­wöhn­liches. Unge­wöhn­lich ist eher schon die Art der Bela­gerung, der sich die Festung Ehren­breit­stein gegen­wär­tig gegenü­ber­sieht: die Bela­gerung durch Bagger und Bau­maschi­nen, im Einsatz für die Bun­des­gar­ten­schau 2011. Statt Grün emp­fängt den Besu­cher auf der Land­seite vorerst eine Mond­land­schaft.

"Mit Beein­träch­tigun­gen der unter­schied­lichs­ten Art werden wir in den nächs­ten Jahren halt leben müssen", erklärt Bri­gitte Schmutz­ler, in der Gene­ral­direk­tion Kul­turel­les Erbe jüngst zur neuen Lei­terin des Lan­des­muse­ums in der Festung gekürt, rea­lis­tisch. Viel­leicht auch ein wenig fata­lis­tisch.

In diesem Jahr zumindest, meint die Lite­ratur- und Kul­tur­wis­sen­schaft­lerin, die seit 20 Jahren im Museum arbei­tet, werde der freie Zugang zur Festung noch gewähr­leis­tet sein. "Deshalb können wir 2008 noch ein kom­plet­tes Pro­gramm inklu­sive aller geplan­ten Wech­selaus­stel­lun­gen fahren. Aber wie es dann aus­sieht, wissen wir nicht." Und deshalb kommt das Thema "Buga" während unseres Gesprächs immer wieder aufs Tapet. Es wird klar, dass sich selbst die Arbeits­schwer­punkte der frisch­geba­cke­nen Muse­ums­lei­terin in den nächs­ten zwei, drei Jahren daran ori­entie­ren werden und müssen. Wir sitzen in ihrem Arbeits­zim­mer, sti­lecht auf einer schönen, beinahe jugend­sti­ligen Thonet-Gar­nitur. Schon als ganz junge Frau, erzählt Bri­gitte Schmutz­ler, habe sie sich in Thonet-Möbel ver­liebt und ein ganzes Spei­sezim­mer aus der Fabrik des Boppar­der Möbel­tisch­lers gekauft. Ein pas­sen­des Omen, denn jetzt ist sie Herrin gleich über eine ganze Kol­lek­tion der elegant gebo­genen und gekurv­ten Stücke. Die kann bei weitem nicht vollstän­dig gezeigt werden. "Das Schönste findet man auch bei uns oft im Depot", sagt Schmutz­ler.

Dauerausstellung ordnen

Damit dies nicht so bleibt, nennt sie als wich­tigste Aufgabe der nächs­ten Jahre die Neu­ord­nung und -prä­sen­tation der Dau­eraus­stel­lun­gen zur regio­nalen Technik- und Wirt­schafts­geschichte. Deren Betreu­ung gehörte auch bisher zu ihrem Tätig­keits­bereich, und in die technik- und wirt­schafts­geschicht­liche Rich­tung ging bereits ihre erste eigenstän­dig betreute Aus­stel­lung 1989: "Made in Koblenz". "Das gab mir die beste Gele­gen­heit, mich inten­siv mit der Geschichte der Stadt aus­ein­ander­zuset­zen, die so span­nend ist, wie sie nur in einer Region sein kann, die ein wech­sel­vol­les Schick­sal hinter sich hat." Ein stadt­geschicht­liches Museum sei da eigent­lich ange­sagt, kom­men­tiert sie, "aber das ist ja nicht unser Thema".

Eher schon die His­torie regio­naler Tech­nik­tüft­ler wie Michael Thonet, August Horch, Franz Xaver Weiß (der Erfin­der des Typen­hebels an der Schreib­maschine), Niko­laus August Otto, Georg Michael Pfaff, der erst Blech­instru­mente und dann Näh­maschi­nen baute, oder der Flug­zeug­kon­struk­teur Carl Clemens Bücker. Diese Geschichte soll künftig im Lan­des­museum eine noch wich­tigere und glanz­vol­lere Rolle spielen, dann, wenn die ent­spre­chen­den Abtei­lun­gen der Dau­eraus­stel­lung neu gestal­tet werden. "Den Anfang haben wir mit der archäo­logi­schen Abtei­lung schon gemacht, in enger Abstim­mung mit den Kol­legen aus der Archäo­logie, das hat ganz fan­tas­tisch funk­tio­niert." Da hänge einiges Herz­blut drin, gesteht sie, berech­tigt stolz auf die Kom­pli­mente, die das Museum bisher von allen Seiten dafür ein­heimste.

Ähnlich stellt sich Schmutzler auch die Neu­gestal­tung der anderen Abtei­lun­gen vor. "Bei einer Dau­eraus­stel­lung muss man anders, zurück­hal­ten­der arbei­ten als bei einer Wech­selaus­stel­lung. Eine Dau­eraus­stel­lung sollte nach fünf oder sieben Jahren immer noch Bestand haben und inter­essant sein." Sch­ließ­lich prägt sie erheb­lich das Profil eines größen­mäßig in der musea­len Mit­tel­klasse antre­ten­den Hauses wie das Lan­des­museum, zusam­men mit einem strin­gen­ten und darauf abge­stimm­ten Samm­lungs­kon­zept. "Um ein solches erstel­len zu können, werden wir in den nächs­ten Jahren inten­siv unsere Bestände sichten und inven­tari­sie­ren."

Exakte Infor­matio­nen über die eigenen Bestände sollen nicht nur die Arbeit im eigenen Hause, sondern die Koope­ration mit anderen Ein­rich­tun­gen erleich­tern. Genau deren Inten­sivie­rung zeichne sich, meint Bri­gitte Schmutz­ler, schon jetzt als ein Vorteil der jungen Gene­ral­direk­tion Kul­turel­les Erbe ab. "Der Aus­tausch mit den Kol­legen wird unter ihrem Dach insti­tutio­nali­siert und ver­stärkt, und wenn sich das noch besser ein­spielt, pro­fitie­ren alle davon." Die Arbeit mit den Bestän­den sei einfach auch unter dem Aspekt wichtig, "dass wir uns als Dienst­leis­ter ver­ste­hen müssen, als Dienst­leis­ter der Bürger, die ja die eigent­lichen Besit­zer dieses Erbes sind".

Das dem Besucher immer wieder nahe­zubrin­gen, gehöre zum Bil­dungs­auf­trag eines Museums. Damit sind wir bei einem Punkt ange­langt, an dem gleich­falls das Herz der Lei­terin hängt. Die Muse­umspäd­ago­gik ist ihr seit langem wichtig, "und glück­licher­weise sind wir hier sehr gut besetzt und haben mit Herrn Hahn, einem für diesen Posten abge­stell­ten Lehrer, einen kom­petenten Partner".

"Bilder machen Leute"

Einen Partner, der in diesem Jahr auch bei der Som­meraus­stel­lung zum "Mythos Ritter" oder bei der im März star­ten­den, teil­weise aus dem eigenen Bestand (aus der Lan­des­samm­lung zur Geschichte der Foto­gra­fie) bestück­ten Foto­aus­stel­lung "Bilder machen Leute - Die Ins­zenie­rung des Men­schen in der Foto­gra­fie" gefragt ist. "Diese Samm­lung gewinnt zuneh­mend an Bedeu­tung und muss deshalb auch unbe­dingt in der Dau­eraus­stel­lung präsent sein."

Gibt es ein spe­ziel­les Thema, das sie selbst gerne einmal als Aus­stel­lung insze­nie­ren würde? Die Antwort kommt prompt: "Als ich im ver­gan­genen Jahr die Limes-Schau vor­berei­tet habe, hat sich die Idee in mir fest­gesetzt, mal eine Aus­stel­lung über Ver­mes­sung zu machen. Das ist ein fas­zinie­ren­des Thema, von der Antike bis in die Neuzeit." Daniel Kehl­manns Longsel­ler also dem­nächst viel­leicht auch im Lan­des­museum Koblenz.

Lie­selotte Sauer-Kaul­bach

RZO


http://rhein-zeitung.de/on/08/02/15/magazin/szeneregional/t/rzo401834.html
Freitag, 15. Februar 2008, 9:24 © RZ-Online (NewsDesk)
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