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Mittwoch, 11. Dez. 19

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Jeep Wrangler Unlimited: Charakterkopf mit Ecken und Kanten

Hamburg - Manche Autos sind gegen die Strömungen der Zeit immun. Während die meisten Geländewagen immer runder, dynamischer und komfortabler werden und dann Sports Utility Vehicle (SUV) heißen, stemmen sich einige Klassiker gegen den Trend.

Wrangler_Straße

Der Wrang­ler ist ein paar Zen­time­ter gewach­sen, und in der „Unlimi­ted”-Vari­ante gibt es ihn erst­mals mit vier Türen. (Bild: Chrys­ler)

Die Serengeti liegt näher als das Sauerland

Einer davon ist der mittlerweile fast 70 Jahre alte Jeep Wrangler, der als Mutterschiff des amerikanischen Offroaders wie ein Denkmal auf dem Sockel steht. Dass der Wagen zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte gründlich überarbeitet worden ist, kann man ihm deshalb kaum ansehen: Das Design ist kantig wie eh und je, die Scheinwerfer sind noch immer kugelrund, und die Serengeti ist dem Wrangler näher als das Sauerland.

Wrangler_Gelände

Der Wrang­ler ist mit zuschalt­barem All­rad­antrieb, Gelän­deun­ter­set­zung, Lei­ter­rah­men und mehr Boden­frei­heit voll gelän­detaug­lich. (Bild: Chrys­ler)

Auch einsame Wölfe sind nicht immer allein

Doch spätestens beim zweiten Blick reiben sich Kenner die Augen. So ganz kann sich auch ein Dinosaurier der Evolution nicht verschließen. Deshalb ist der Wrangler nicht nur ein paar Zentimeter gewachsen. Es gibt ihn als „Unlimited” erstmals auch mit vier Türen. Schließlich bleibt auch der einsamste Wolf nicht immer alleine, und selbst Cowboys oder Großstadtindianer gründen Familien. Für einen Aufpreis von 3000 Euro gibt es gut 50 Zentimeter mehr Radstand und zwei weitere Türen. Auch dann ist er zwar noch kein Raumwunder: Doch während die Plätze in der zweiten Reihe beim Zweitürer bessere Notsitze sind, reist man nun auch im Fond ohne Blessuren und halbwegs so bequem wie vorn. Außerdem dürfen jetzt endlich drei Passagiere auf die Rückbank, und mit 1310 bis 2320 Litern Stauraum macht der Wrangler sogar den meisten Kombis etwas vor.

Wrangler_Innenleben

Das Innen­leben des Wrang­ler passt gut zu seinem Äußeren: Es ver­brei­tet einen eher rus­tika­len Charme. (Foto: Chrys­ler)

Keine Angst vor Schlamm und Schmutz

Das Interieur passt zum rustikalen Charme: In einem modernen SUV würde man vielleicht über eine triste Kunststofflandschaft, die vielen glatten Flächen und die scharfen Kanten klagen. Aber hier gehen die graue Plastikwüste und die ebenso farblosen Sitzpolster als praktisch durch, weil man sie flugs abwaschen und vorher wenigstens auch wirklich dreckig machen kann. Denn nicht nur außen gilt als oberste Maxime für das Design: „Ein Wrangler hat keine Angst vor Schmutz.” Ein paar mehr Ablagen allerdings und ein Handschuhfach, das mehr als die Handschuhe fasst, hätte man trotzdem erwarten dürfen. Dafür gibt es jetzt vier Airbags, und ein ESP ist auch an Bord.

Wrangler_Hardtop

Der Wrang­ler kommt in ver­schie­denen Aus­führun­gen - hier die Hardtop-Vari­ante. (Bild: Chrys­ler)

Zwischen Sonnenspaß und Regenzeit

Ob und wie man eine Fahrt im Wrangler genießt, hängt auch vom Wetter ab. Vor allem, wenn man sich statt des Hardtops oder Sunrider-Verdecks mit integriertem Schiebedach für das Softtop entschieden hat. Mit etwas handwerklichem Geschick verwandelt man den Wrangler damit bei Sonnenschein in ein paar Minuten zum einzigen viertürigen Cabrio am Markt - und spürt selbst in Wanne-Eickel einen Hauch von Wildnis. Doch wer an einem Regentag unterwegs ist, fühlt sich gerne an feuchtkalte Pfadfinderlager erinnert: Der Wind pfeift, die Planen flattern, und wenn man auf einem schrägen Parkplatz die Türen öffnet, geht auch innen mal ein Schwall Regenwasser nieder.

Wrangler_Softtop

Mit ein paar Hand­grif­fen ver­wan­delt sich die Softtop-Vari­ante des Wrang­lers in ein Cabrio­let. (Bild: Chrys­ler)

Gelassen wie ein Nilpferd und stark wie ein Elefant

Zwar gibt es für sparsame Europäer nun auch einen Diesel. Doch ein klassisches Auto braucht auch einen klassischen Motor wie den 3,8 Liter großen V6. Mit der Gelassenheit eines Nilpferdes und der Kraft eines Elefanten bringt er den Wrangler überall hin. 146 kW/199 PS und maximal 315 Newtonmeter Drehmoment sind schließlich allemal genug für eine Fahrt ans Ende der Welt. Nur eilig sollte man es dabei nicht haben. Denn für den Sprint von Null auf 100 braucht er mit der Automatik eine gefühlte Ewigkeit und für die Höchstgeschwindigkeit von 180 Stundenkilometer (km/h) viel Anlauf. Und sonderlich sparsam ist er mit einem Normwert von 11,9 Litern auch nicht. Aber wenigstens genügt ihm Normalbenzin.

Gut im Gelände, aber unruhig auf der Autobahn

Auch das Fahrverhalten erinnert ein wenig an einen afrikanischen Dickhäuter: Mit zuschaltbarem Allradantrieb, Geländeuntersetzung, Leiterrahmen und mehr Bodenfreiheit als die allermeisten anderen Geländewagen klettert der Wrangler ebenso mühelos über die Alpen wie Hannibals Elefanten. Doch auf der Autobahn braucht er eine starke Hand und in der Stadt geht ohne gute Augen und kräftige Arme gar nichts: In enge Parklücken passt er nur nach vielen Rangiermanövern.

Mit dem Charme des Klassikers über Kritik erhaben

Mit normalen Maßstäben gemessen ist der Wrangler auch als neues Modell ein altes Auto, das so gut ins Feld der Geländewagen passt wie eine Dampflok vor den Intercity. Doch gerade der rustikale Charme und der serienmäßige Gruß von gestern sind es, die seinen Reiz ausmachen. Während man für echte Oldtimer tief in die Tasche greifen muss, liegt er bei einem Grundpreis von knapp 26 000 Euro auf einem Niveau mit VW Tiguan & Co. Und wenn der Straßenbau weiterhin so stockt, sind ein paar echte Geländequalitäten vielleicht gar nicht so verkehrt.
Datenblatt
Jeep Wrangler Unlimited Sahara 3.8
Motor und Antrieb: V6-Benziner
Hubraum: 1390 ccm
Max. Leistung: 146 kW/199 PS bei 5000 U/min
Max. Drehmoment: 315 Nm bei 4000 U/min
Antrieb: Zuschaltbarer Allradantrieb
Getriebe: 4-Stufen-Automatik
Maße und Gewichte:
Länge: 4751 mm
Breite: 1877 mm
Höhe: 1800 mm
Radstand: 2947 mm
Leergewicht: 1970 kg
Zuladung: 480 kg
Kofferraumvolumen: 1310 Liter
Max. Ladevolumen: 2320 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
Durchschnittsverbrauch: 11,9 Liter/100 km
Reichweite: 600 km
CO2-Emission: 282 g/km
Kraftstoff: Normal
Schadstoffklasse: EU4
Kosten:
Basispreis der Modellreihe: 25 990 Euro
Grundpreis des 3.8 Unlimited Sahara: 36 650 Euro
Typklassen: KH 20/VK 16 /TK 21
Kfz-Steuer pro Jahr: 256 Euro/Jahr
Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: ESP, Front- und Seitenairbags, Allradantrieb
Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/01/02/service/auto/test/t/rzo390357.html
Mittwoch, 02. Januar 2008, 14:22 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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