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Mittwoch, 26. März 08

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Udo Lindenberg startet „endlich wieder das ganz große Ding!”

Hamburg - Deut­schro­cker Udo Lin­den­berg (61) will es allen zeigen - Fans, Kri­tikern und nicht zuletzt sich selbst.

Udo Lindenberg

Udo Lin­den­berg mit Zigarre und gol­denem Trabant vor dem Hotel "Atlan­tic", in dem der Deut­schro­cker wohnt (Archiv).

„Ich wohne nicht nur gern im Hotel, ich wohne auch gern in den Charts”, hat er als Parole aus der Panik­zen­trale aus­gege­ben.

Mit dem Album „Stark wie Zwei” startet der Musiker in dieser Woche sein Come­back. Inter­views, TV-Auf­tritte, Videos - „endlich wieder das ganz große Ding!”, sagt er stolz, aber auch erleich­tert. Seit acht Jahren ist es die erste CD mit durch­weg neuen Songs des Künst­lers, den viele schon abge­schrie­ben hatten.

Große Erfolge in den 70ern, Hits wie „Son­der­zug nach Pankow” in den 80ern, nicht viel Spek­takuläres seit Mitte der 90er - der Pani­kro­cker erlebte Höhen und durch­litt Tiefen. „Zweifel und Skepsis, hohe Erwar­tun­gen von außen und von mir selbst - der Druck war groß”, sagt er. „Doch einer wie ich steht immer wieder auf!”

Udo - wie ihn alle nur nennen - spielt seine Stärken auf dem Album voll aus. Mit rau­chi­ger Stimme erweist er sich erneut als Meister von Bal­laden, die unter die Haut gehen. Als Rocker lässt er es krachen und bleibt dabei auf char­mante Art dem Ur-Udo treu, der seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne steht. Ihm war es als Erstem gelun­gen, aus Straßen­lyrik und Rock­musik Hits zu landen. Mit dem Pani­kor­che­ster feierte er Erfolge in den Charts und auf Tour.

„Die Frage, wie man solch eine Ver­gan­gen­heit noch toppen kann, sollte man sich nicht stellen”, sagt er heute und war doch selbst nicht frei von Zwei­feln: „Meine Jahre zwi­schen dem 50. und dem 60. waren für mich die schwie­rigs­ten. In meinen wilden Zeiten als Rock'n'Roller früher hätte ich doch nie gedacht, dass ich über­haupt so alt werde.”

Die Achterbahnfahrt seines Lebens hat Udo, der inzwi­schen etwa 700 Texte geschrie­ben hat, für das am 28. März erschei­nende Album wieder im „lin­divi­duel­len” Sprach­stil zu Papier gebracht. „Ein Psy­cho­gramm in Panik-Poesie”, nennt er die sehr per­sön­lichen Stücke. Nach Jahren der „pani­schen Malerei” und mit der Aus­wan­derer-Revue „Atlan­tic Affairs” zeigt er nun wieder als Rock­poet seinen eigenen „Blick auf die Welt”.

Es sind nach­denk­liche Zeilen über Tod, Trauer, Verzweif­lung und Hoff­nung wie im berühren­den Titelstück „Stark wie Zwei”. „Ich habe geliebte Kom­pli­zen ver­loren. Ihr Tod hat mich in schwere Krisen gestürzt”, erzählt er. Als 1986 seine enge Weg­beglei­terin Gaby Blitz starb, ver­arbei­tete Udo den schwe­ren Schlag in der Ballade „Hori­zont”, die zu einem seiner größten Hits wurde.

Der aus dem westfälischen Gronau stam­mende Dau­erbe­woh­ner des Ham­bur­ger Hotels „Atlan­tic”, der sich keine Klein-Familie, sondern einen „Lin­dia­ner”-Clan geschaf­fen hat, beschwört in Liedern wie „Wenn Du durch­hängst” oder „Ich zieh meinen Hut” wahre Freund­schaft. Dass und warum der Alkohol ebenso zu seinem Leben gehört, erklärt er in „Nasses Gold”: „Ich sehe mich als Mär­tyrer, der im Dienst der Kunst mit Wein oder Whisky in die Tiefsee der Erkennt­nis abtaucht, das Unter­bewusste aus­lotet und das nasse Gold hebt”, sagt der Mann, der mal mit 4,7 Pro­mille ins Kran­ken­haus gebracht wurde. „So manches Werk wäre nicht ent­stan­den, wenn die Kol­legen auf der Suche nach dem Gin des Lebens immer nur nüch­tern geblie­ben wären.” Auch in „Woddy Woddy Wodka” besingt er seinen „gele­gent­lichen Treib­stoff”.

Zwei Jahre lang hat der Deut­schro­cker am jüngs­ten Werk gefeilt - schon vor dem Abschluss kon­kur­rier­ten die Plat­ten­fir­men darum. Er holte Rapper Jan Delay, Sil­ber­mond-Sän­gerin Ste­fanie Kloß und Jazz-Trom­peter Till Brönner ins Studio und ließ sich von Annette Humpe sowie Pro­duzent Andreas Herbig (Ich+Ich) beraten. Mit Komiker Helge Schnei­der mimt er den Hotel­detek­tiv „Chubby Checker” samt Dro­gen­hund. Auch sein Alter nimmt Udo mit Humor: „Der Greis ist high, der Greis ist heiß”. Manch Verän­derung bedau­ert er („Was hat die Zeit mit uns gemacht”), ist sich aber in wesent­lichen Punkten treu­geblie­ben. „Ich mach' mein Ding, egal, was die andern labern. Was die Schwach­maten einem so raten, das ist egal.” Im Herbst soll eine Tour folgen - ans Auf­hören kein Gedanke. Udo: „Kunst kennt keine Rente.” Von Dorit Koch, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/03/24/magazin/musik/t/rzo411818.html
Montag, 24. März 2008, 12:06 © RZ-Online (NewsDesk)
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