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Mittwoch, 26. März 08

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Spanier wollen Grand Prix verulken

Madrid - Jahrein, jahraus hatte Spanien beim Euro­vision Song Contest nichts zu bestel­len.

Rodolfo Chikilicuatre

Der spa­nische Komiker Rodolfo Chi­kili­cua­tre fährt nacj Belgrad.

Der letzte Sieg liegt genau 40 Jahre zurück. Nun nehmen die Spanier bittere „Rache” am Grand Prix.

Bei der Auswahl des spanischen Kan­dida­ten ent­schie­den sie sich dafür, sich über das Fes­tival lustig zu machen und einen Komiker zum Finale am 24. Mai nach Belgrad zu schi­cken. Die spa­nischen TV-Zuschauer stimm­ten für die Spaß­figur Rodolfo Chi­kili­cua­tre und dessen Ulk­num­mer „Baila el Chiki-chiki” (Tanz den Chiki-chiki).

Die Ent­schei­dung sorgte in Spanien für gehö­rigen Wirbel und löste knapp zwei Monate vor dem Grand Prix eine heftige Debatte aus. Die einen finden die Wahl lustig und beschei­nigen dem TV-Pub­likum, Humor bewie­sen zu haben. Die anderen spre­chen von einer „Schande” und empören sich darüber, dass ihr Land bei dem Fes­tival durch einen „unwür­digen” Beitrag ver­tre­ten sein wird.

Chikilicuatre trägt eine über­dimen­sio­nale Elvis-Presley-Tolle, 50er-Jahre-Kote­let­ten und vor der Brust eine Spiel­zeug­gitarre aus Plastik. Das Stück des Komi­kers, hinter dem sich der Schau­spie­ler David Fernán­dez ver­birgt, ist eine Parodie auf die Reg­gae­ton-Musik und hört sich an wie eine Mischung von Hip-Hop und Kin­der­lied. Der Text enthält neben sprach­lichen Gags eine Auf­zäh­lung von Pro­minen­ten, die angeb­lich bereits den „Chiki-chiki” tanzen.

Für den Grand Prix werden die Namen von Poli­tikern gestri­chen, damit es keinen Ärger mit den Ver­anstal­tern gibt. Dafür wird zusätz­lich eine Strophe auf Eng­lisch ein­gefügt, in der inter­natio­nal bekannte Spanier wie der Renn­fah­rer Fer­nando Alonso oder die Hol­lywood­stars Javier Bardem und Antonio Ban­deras genannt werden.

Mit seinem Ulk-Stück tritt der Komiker in die Fuß­stap­fen ehe­mali­ger deut­scher Grand-Prix-Teil­neh­mer wie Guildo Horn („Guildo hat euch lieb”/1998) oder Stefan Raab („Wadde Hadde Dudde Da?”/2000). Bei einem Teil des spa­nischen Pub­likums löste die Wahl heftige Pro­teste aus. „Es ist nicht hin­nehm­bar, dass das staat­liche Fern­sehen TVE einer solchen Clow­nerie zu einer Bühne ver­hilft”, empörte sich die Zeitung „El Mundo”. „Man macht sich nicht nur über das Fes­tival lustig, sondern bla­miert neben­bei ganz Spanien vor 300 Mil­lio­nen TV-Zuschau­ern in Europa.”

Die Sän­gerin Massiel, die 1968 für Spanien den Wett­bewerb gewann, sagte pikiert: „Was da gewählt wurde, kann man nicht einmal als ein Lied bezeich­nen.” Den Erfolg von Massiel konnte niemand wie­der­holen. Selbst ein Julio Igle­sias errang 1970 nur den vierten Platz. Seit 2005 kamen die Spanier über Rang 20 nicht mehr hinaus. Das Inter­esse am Grand Prix ging rapide zurück. Da ent­schloss sich das TVE, nur noch das Pub­likum über den spa­nischen Teil­neh­mer ent­schei­den zu lassen. Damit öffnete es den Blö­del­bar­den Tür und Tor.

Die Zeitung „El País” konnte die Wahl des Komi­kers nach­voll­zie­hen: „Chi­kili­cua­tre über­nimmt die Funk­tion eines Rächers. Er begleicht eine alte Rech­nung der spa­nischen TV-Zuschauer mit dem geschmack­loses­ten Fes­tival der Welt. Das Kalkül sieht so aus: Wenn wir mit Schnul­zen, kraft­vol­len Stimmen oder Fla­menco-Anlei­hen schon nicht gewin­nen können, wollen wir wenigs­tens dazu bei­tra­gen, den Wett­bewerb zu spren­gen.” Von Hubert Kahl, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/03/26/magazin/musik/t/rzo412264.html
Mittwoch, 26. März 2008, 9:14 © RZ-Online (NewsDesk)
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