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Mittwoch, 26. März 08

Die Vielfalt der Computerspiele Koblenz - Com­puter­spiele sind ein Kul­tur­gut - und ver­lie­ren langsam auch ihr Schmud­deli­mage. Einen Teil trägt dazu die Koblen­zerin Linda Breit­lauch bei: Sie ist Europas erste Pro­fes­sorin für Game-Design.

-Koblenz - Vom Kor­rek­tur­leser zum bekann­tes­ten Sprach­pfle­ger der Repu­blik: Das ist die Kar­riere von Bastian Sick. Am Montag, 31. März, 20 Uhr, gas­tiert er mit seiner Büh­nens­how in der Rhein-Mosel-Halle.

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Koblenz - Aus der "Samm­lung Sie­ben­gebirge" wird die "Samm­lung RheinRo­man­tik" - und mit der Namensän­derung ver­ein­bart die Pri­vat­samm­lung auch eine stra­tegi­sche Part­ner­schaft mit Mit­tel­rhein- und Roent­gen-Museum.

Bastian Sick und der Wemsing-Fall

Koblenz - Vom Kor­rek­tur­leser zum bekann­tes­ten Sprach­pfle­ger der Repu­blik: Das ist die Kar­riere von Bastian Sick.

"Ich bin ein Freund der Sprache

"Ich bin ein Freund der Sprache": Bastian Sick gas­tiert Ende März in der Rhein-Mosel-Halle. Foto: www.zitzlaff.com

Am Montag, 31. März, 20 Uhr, gas­tiert er mit seiner Büh­nens­how in der Rhein-Mosel-Halle. Ein Inter­view über die Sprache. Das Gespräch im Wort­laut:.

Herr Sick, muss ich im Gespräch mit Ihnen beson­ders vor­sich­tig sein - weil ich sonst Gefahr laufe, mit einer Unacht­sam­keit Gegen­stand Ihrer Arbeit zu werden?

Sie müssen natür­lich Sorg­falt walten lassen - wie mit jedem Gespräch­spart­ner. Das gehört zu dem Beruf schließ­lich dazu.

Merken Sie denn, dass die Men­schen Ihnen mit beson­derer Vor­sicht begeg­nen?

Ja, ich merke schon, dass manche etwas befan­gen sind. Aber das gibt sich schnell. Dann nämlich, wenn sie merken, dass ich gar nicht so bin, wie ich manch­mal dar­gestellt werde. Ich bin kein Nörgler und kein Bes­ser­wis­ser. Ich sehe mich auch nicht als Bekämp­fer von Fehlern, sondern als Freund der Sprache. Und wenn Sie jetzt mit mir spre­chen - natür­lich gibt es Unter­schiede zwi­schen Schrift­spra­che und gespro­che­ner Sprache. Jemand, der immer nur druck­reif spricht, der muss ein sehr unent­spann­ter Mensch sein. Ich bin nicht so, ich bin sehr lebens­lus­tig.

Wie ist es denn anders­herum - werden Sie in Ihren Äuße­run­gen, ob schrift­lich oder münd­lich, beson­ders auf­merk­sam beäugt?

Das pas­siert sicher­lich, ja. Ich habe ein sehr stren­ges Audi­torium und eine sehr auf­merk­same Leser­schaft. Deshalb bin ich ja so froh, dass meine Texte zunächst einmal im Inter­net bei "Spiegel Online" erschei­nen, bevor sie als Buch ver­öffent­licht werden. Den "Spiegel"-Lesern entgeht nichts - da werde ich dann auch schon mal auf Fehler hin­gewie­sen, die ich noch kor­rigie­ren kann. Manch­mal ent­spin­nen sich auch rich­tige Dis­kus­sio­nen.

Ist es nicht erstaunlich, dass in einer Zeit des all­gemei­nen Kul­tur­pes­simis­mus in einem moder­nen Medium, wie es das Inter­net ist, Dis­kus­sio­nen über so etwas ver­meint­lich Alt­modi­sches wie Recht­schrei­bung geführt werden?

Ich bin auch erstaunt über die Lawine, die ich los­getre­ten habe. Ich war mir dessen gar nicht bewusst. Ich habe ja zunächst als Schluss­redak­teur gear­bei­tet, also im zweiten Glied des Jour­nalis­mus.

Sie sprechen von der Doku­men­tati­ons­abtei­lung des "Spie­gels" - so etwas wie die Kon­trol­lin­stanz, die Texte prüft, bevor sie raus­gehen.

Ja, ich habe gerade eben noch mit einer frühe­ren Kol­legin gespro­chen, einer Doku­men­tati­ons­jour­nalis­tin des "Spie­gels". Sie hat einen Text von mir über Schwy­zerdütsch geprüft und auch zwei, drei klei­nere Kor­rek­turen mit mir bespro­chen. Für einen Fall hat sie sogar einen echt Schwy­zerdütsch spre­chen­den Men­schen gefragt. Da ging es ums Plural von Camion, was in der Schweiz für Lkw benutzt wird. Ist es Camions oder Camione? Es ist Camions.

Wie sind Sie vom Doku­men­tati­ons­jour­nalis­ten über den Kolum­nis­ten zum Büh­nen­star gewor­den?

Das fing so an, dass ich, als das Buch erschie­nen war, zu Lesun­gen ein­gela­den wurde - wie man das als Autor so macht, man reist von Buch­hand­lung zu Buch­hand­lung. Und damals zeigte sich, dass es ein unge­heuer großes Inter­esse gab - die Lesun­gen waren stets sehr gut besucht.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das so war?

Tja ... Ich glaube, das Inter­esse an Sprache war immer sehr groß, nur wurde das lange Zeit von den Medien igno­riert. Seit den 80er-Jahren gab es ja eine Abkehr von der Qua­lität. Das ging mit der Ein­führung der pri­vaten Medien einher. Plötz­lich ging es nur noch um Quote, und da wurde jede Menge Trash pro­duziert. Auf die sprach­liche Qua­lität wurde dann kein Gewicht mehr gelegt. Das färbte dann auch auf andere Medien ab.

Erken­nen Sie denn mitt­ler­weile, nach fünf Jahren "Zwie­bel­fisch"-Kolumne, die Anzei­chen einer Trend­wende?

Ich denke, an der starken Dis­kus­sion, die heute über Sprache geführt wird, erkennt man so etwas wie eine Trend­wende. Verlage, die ihre Schluss­redak­tio­nen abge­schafft haben, denken zum Bei­spiel darüber nach, so etwas wieder ein­zuführen. Es geht wieder ver­stärkt um Qua­lität.

Von der Lesung zur Büh­nens­how - wie ist das pas­siert?

Das kam durch die Lit. Cologne vor ein paar Jahren. Deren Orga­nisa­tor, Rainer Osnow­ski, wollte zur Eröff­nung eine richtig große Ver­anstal­tung. Und weil er wusste, dass meine Lesun­gen ein großes Pub­likum errei­chen, kam er auf mich zu. So ent­stand die Idee der "größten Deutsch­stunde der Welt" vor 15 000 Zuschau­ern in der Köl­narena. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Und das war auch gut so, denn sonst hätte ich viel­leicht abge­sagt. Aber: Ich bin da raus in die Arena und habe fest­gestellt - ich kann das. Ich bekam keine weichen Knie, die Stimme ver­sagte mir nicht. Ich bin förm­lich auf­geblüht. Und am nächs­ten Tag habe ich bei einem Agenten einen Vertrag für eine Büh­nen­schau unter­schrie­ben, mit der ich durch Deutsch­land tourte. Inzwi­schen gibt es nun das zweite Pro­gramm.

Und mit dem gas­tie­ren Sie am 31. März auch in Koblenz. Was wird auf der Bühne pas­sie­ren?

Das Pro­gramm ist eine bunte Mischung. Ich erzähle Anek­doten, Geschich­ten. Die Lesung ist natür­lich immer noch ein Haupt­bestand­teil, auch wenn ich die Texte inzwi­schen so gut kenne, dass ich das sehr frei machen kann. Dazu gibt es eine Dia-Schau. Ich habe Bilder von sprach­lichen Fehl­leis­tun­gen, die auch in meinem neuen Buch "Happy Aua" abge­druckt sind, zu Kapi­teln zusam­men­gefasst. Ich gehe dann zum Bei­spiel in den Super­markt ...

... und Sie kaufen "frische Kalbs­brust von der Schwei­nelende" ...

... oder "zwei Ananäs­ser" oder auch "Wasser ohne HxO". Das zeigt auch ganz gut meinen Umgang mit Fehlern. Ich lache über die Fehler, beson­ders natür­lich, wenn durch sie ein neuer Sinn ent­steht. Es gibt auch Fehler, die sind lästig, ein falsches Komma etwa. Mich inter­essie­ren aber nur die lus­tigen. Und es geht mir dabei nicht darum, Men­schen vor­zuführen. Die Ver­ursa­cher der Fehler kommen bei mir gar nicht vor, nur die Fehler selbst. Und da wissen wir doch alle, dass die uns auch pas­sie­ren können. Das ist wie mit diesen Clips­hows im Fern­sehen, wo man sehen kann, wenn einer aus­rutscht. Niemand ist davor sicher. Und so ist das auch mit den Fehlern.

Hin und wieder beschäf­tigen Sie sich auch mit Dia­lek­ten. Fällt Ihnen zum Rhei­nischen etwas Spe­zifi­sches ein?

Zunächst muss ich fest­stel­len, dass ich bei Dia­lek­ten nicht von Fehlern spreche. Ich bin ja nicht auf einem Feldzug gegen Dia­lekte, wie mir gele­gent­lich unter­stellt wird. Im Gegen­teil: Dia­lekte sind eine wun­der­bare Berei­che­rung unserer Sprache. Ich sehe meine Aufgabe viel­mehr darin, das Funk­tio­nie­ren der Hoch­spra­che zu erklären. Zu den Dia­lek­ten mache ich nur einen Abste­cher, einen Ausflug. Und zwar mit einem Augen­zwin­kern.

Wo zwin­kert das Auge im Rhei­nischen?

Da gibt es ja zum Bei­spiel die rhei­nische Ver­laufs­form: Ich bin etwas am Machen. Oder Sie sind gleich den Artikel am Schrei­ben. In meiner Auf­takt­geschichte beim Büh­nen­pro­gramm gehe ich auf den besitz­anzei­gen­den Dativ ein, der im Rhein­land sehr ver­brei­tet ist: den "Wemsing-Fall": Wem sing Täsch is det?

Andere Sprach­phäno­mene, die in Ihrer Büh­nen­schau vor­kom­men?

Ich habe zum Bei­spiel eine rotz­fre­che Hand­puppe, die Jugend­spra­che spricht. Die ist dann "voll geflasht" und findet alles "total krass".

Jugend­spra­che - da steht man doch auf schwan­ken­dem Boden. Spricht die Jugend über­haupt noch so?

Sie ist wie jeder Jargon vielen Ände­run­gen unter­wor­fen. Das merkt man bei den Kraft­aus­drü­cken. Ich komme aus der "Geil"-Gene­ration. Das sagt man heute ent­weder total infla­tionär oder gar nicht mehr. "Krass" und "fett" sind heute wohl ange­sagt.

Ich glaube, man sagt auch "Porno", wenn man etwas "geil" oder "cool" findet.

Ja, das hat neulich sogar einer meiner Neffen gesagt. Da war ich dann auch voll geflasht.

Das Gespräch führte Tim Kos­metschke

RZO


http://rhein-zeitung.de/on/08/03/25/magazin/szeneregional/t/rzo411988.html
Dienstag, 25. März 2008, 8:58 © RZ-Online (NewsDesk)
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