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Freitag, 10. Feb. 12

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Gichtanfälle - Wenn das Festmahl auf die Gelenke geht

Aachen/Bad Nenn­dorf - Ein Fest­mahl am Abend mit viel Braten und Unmen­gen Bier - und am fol­gen­den Morgen schmerzt der große Zeh und ist geschwol­len. Dia­gnose: Gicht.

Gichtanfällen vorbeugen

Schmerzende Gelenke - Gicht betrifft oft den Ellen­bogen oder das Knie. (Bild: ABDA/dpa/tmn)

„Bei zwei Drit­teln aller Gicht­anfälle sind die Groß­zehen­grund­gelenke betrof­fen”, erklärt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diäte­tik (VFED) in Aachen. Über­gewich­tige und Men­schen mit ent­spre­chen­der Ver­anla­gung sollten zur Vor­beu­gung auf ihren Harnsäu­respie­gel achten.

„Typischerweise ist der Gichtanfall sehr heftig und sehr schmerz­haft, so dass das betrof­fene Gelenk nicht benutzt werden kann”, erklärt Wolf­gang Brückle, Rheu­mato­loge aus Bad Nenn­dorf in Nie­der­sach­sen. Auch die Knie oder Ellen­bogen können betrof­fen sein. „Beglei­tend können Sym­ptome wie all­gemei­nes Krank­heits­gefühl, Fieber, erhöh­ter Puls, Kopf­schmer­zen und Erbre­chen auf­tre­ten”, sagt Morlo.

Auslöser für einen Gicht­anfall ist eine zu hohe Kon­zen­tra­tion von Harnsäure im Blut. Sie wird beim Abbau kör­perei­gener Zellen, aber auch beim Abbau purin­rei­cher Nah­rungs­mit­tel gebil­det. „Bei zuviel Harnsäure im Blut bilden sich kleine Harnsäu­rekris­talle in den Gelen­ken”, erläu­tert Bertil Kluthe, Vor­stands­mit­glied des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Ernährungs­medi­ziner in Frei­burg.

Körpereigene Fresszellen versuchen , die Harnsäu­rekris­talle abzu­bauen. „Die Kris­talle hin­gegen bilden lange Nadeln, wie Dolche, an denen die Fress­zel­len zer­plat­zen. So kommt es zu der Ent­zün­dung im Gelenk”, erklärt Prof. Ulf Müller-Ladner vom Vor­stand der Deut­schen Gesell­schaft für Rheu­mato­logie (DGRh) in Berlin.

Der Arzt ver­ord­net ent­zün­dungs­hem­mende Medi­kamente, Schmerz­mit­tel und eine gestei­gerte Flüs­sig­keits­zufuhr. Obwohl der Anfall von allein wieder abklingt, ist der Gang zum Arzt unab­ding­bar: „Jede Ent­zün­dung zer­stört das Gelenk und sollte daher schnellst­mög­lich behan­delt werden”, sagt Prof. Müller-Ladner. Auch bestehe sonst die Gefahr einer chro­nischen Gicht.

Übergewichtige Männer im mittleren und höheren Alter sind die typi­schen Gicht­pati­enten. „Die Gicht ist eine Wohl­stands­krank­heit”, sagt Margret Morlo. „Wer sich über­mäßig fleisch­reich ernährt und alko­holi­sche Getränke bevor­zugt, der bekommt leich­ter einen Gicht­anfall als Nor­mal­gewich­tige.” Oft liegt auch eine Ver­anla­gung in der Familie vor. „Bei ange­bore­nen Stoff­wech­selstörun­gen oder ver­min­der­ter Nie­ren­funk­tion wird die Harnsäure nicht in aus­rei­chen­dem Maße vom Körper aus­geschie­den”, erläu­tert Brückle.

Menschen, in deren Familie Gicht­fälle vor­gekom­men sind, sollten einmal im Jahr ihren Harnsäu­rewert messen lassen. „Ein Blut-Check ist nicht auf­wen­dig und schnell gemacht”, sagt Müller-Ladner. Auch wer länger fastet, muss auf seinen Harnsäu­respie­gel achten, da dieser durch kör­perei­gene Abbau­pro­dukte eben­falls steigt.

Bei erhöhter Harnsäure sollten zu viel Fleisch und beson­ders Inne­reien gemie­den werden. „Auch Hül­sen­früchte sind nicht gut. Reis, Kaffee und Tee sowie Mar­melade hin­gegen ent­hal­ten gar keine Purine”, erklärt Wolf­gang Brückle. Auch Milch, Milch­pro­dukte und Eier sind sehr purin­arm. „Sie eignen sich beson­ders als Eiweiß­lie­ferant, da anderes tie­risches Eiweiß die Harnsäure erhöht”, erklärt Margret Morlo. Alkohol sollte dagegen gemie­den werden.

„Bei Fischen ist zu unter­schei­den. Bei­spiels­weise Ölsar­dinen ent­hal­ten viel Purin, andere Arten wenig”, erklärt Müller-Ladner. Wenig Purine sind in Äpfeln, Gurken, Kar­tof­feln, Tomaten, Brot und Nudeln ent­hal­ten. Reich­lich Trinken spült die Niere und erhöht den Abtrans­port der Harnsäure.

Deutsches Ernährungs­bera­tungs- und Infor­mati­ons­netz: www.ernaeh­rung.de/tipps/gicht/ Von Miriam Braun, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/03/12/service/gesundheit/t/rzo408997.html
Mittwoch, 12. März 2008, 10:22 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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