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Mittwoch, 2. April 08
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Mehr als 200 000 Ausbildungsplätze fehlen Berlin - Im laufenden Ausbildungsjahr droht nach Ansicht der Bundesregierung eine Lücke von mehr als 200 000 Lehrstellen: Für rund 832 400 Schulabgänger stehen voraussichtlich nur 623 000 Ausbildungsplätze bereit.
Dies geht aus dem am Mittwoch vom Kabinett beschlossenen „Berufsbildungsbericht 2008” hervor. Die Regierung will nun Firmen Prämien bis zu 6000 Euro zahlen, wenn sie schwer vermittelbare Bewerber als Azubis einstellen. Gewerkschaften und Opposition erklärten den Ausbildungspakt von Politik und Wirtschaft für gescheitert. Dem Bericht zufolge gibt es etwa eine Million Jugendliche, die auf dem Lehrstellenmarkt versorgt werden müssen. Wie viele Plätze zum Stichtag Ende September tatsächlich vorhanden seien, hänge von der Entwicklung der Konjunktur ab. Das Ausbildungspotenzial der Wirtschaft wird auf etwa 750 000 Plätze geschätzt. Erfahrungsgemäß verkleinert sich die Lücke im Herbst, wenn unvermittelte Bewerber nachträglich noch eine Lehrstelle oder ein Praktikum bekommen. Vergangenes Jahr wurden 626 000 neue Verträge unterschrieben - der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung. Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer, forderte bessere Chancen für junge Menschen aus Einwandererfamilien. „Der Aufschwung am Ausbildungsmarkt muss auch bei den Jugendlichen aus Zuwandererfamilien ankommen.” CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla rief die Unternehmen auf, das Bonusmodell zu nutzen: „Jetzt ist es an den Betrieben, diese Möglichkeiten auszuschöpfen.” Die Linke forderte eine gesetzliche Ausbildungsplatz-Umlage. So sollen Firmen zur Kasse gebeten werden, die keine Lehrlinge ausbilden. Ein unverändert großes Problem sind die Altbewerber. 385 000 Jugendliche drehen Warteschleifen, weil sie schon vor einem Jahr oder noch früher die Schule verlassen haben. Bis zu 100 000 von ihnen will die Regierung mit dem neuen Ausbildungsbonus eine Lehrstelle verschaffen. Dafür gibt es eine Prämie von 4000 bis 6000 Euro. Kritik kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Trotz des konjunkturellen Aufschwungs ist die Trendwende in der Ausbildung nicht geschafft worden”, sagte die stellvertretende DGB-Chefin Ingrid Sehrbrock. Die Leistungen deutscher Azubis sollen nach dem Willen von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bald international in PISA-Tests überprüft werden. „Das deutsche Berufsbildungssystem kann und muss sich mit seinen Leistungen messen lassen.” Die PISA-Studien vergleichen Schüler-Leistungen in den wichtigsten Industriestaaten und hatten erhebliche Defizite in Deutschland aufgezeigt. Über den drohenden Fachkräftemangel wollen Bund und Länder im Herbst bei einem Qualifizierungsgipfel beraten. Bereits in diesem Jahr wird die Zahl der Absolventen an allgemeinbildenden Schulen um über 30 000 schrumpfen. Allein in Ostdeutschland wird sich die Absolventenzahl bis 2013 gegenüber 2000 etwa halbieren. Die Zahl der Schüler mit Abitur wird jedoch leicht steigen. Zwischen 2011 und 2013 wird es laut Bericht starke Zuwächse wegen der doppelten Abiturjahrgänge geben. Diese ergeben sich aus dem verkürzten Gymnasium von 13 auf 12 Jahre. Die SPD wies Klagen der Unternehmen über mangelnden Nachwuchs zurück. „Hier hat die Wirtschaft ihre Hausaufgaben zu lange nicht gemacht und die eigene Personalentwicklung verschlafen”, sagte SPD-Bildungsexperte Jörg Tauss. dpa-infocom
http://rhein-zeitung.de/on/08/04/02/news/t/rzo414090.html |
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