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Montag, 21. April 08

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Die Handtasche für den Mann

München/Düs­sel­dorf - Auf den Lauf­ste­gen der inter­natio­nalen Mode­schauen und in den Anzei­gen der Hoch­glanz­maga­zine sind sie schon seit einigen Saisons zu sehen: Kaum ein männ­liches Model trägt derzeit nicht zum smarten Look eine große Tasche an der Hand.

Y-3

Der „Wee­ken­der” sollen die neue Tasche für den Mann werden. (Bild: Y-3/dpa/tmn)

Denn Acces­soires werden zur Gestal­tung eines indi­vidu­ellen Outfits immer wich­tiger, und auch Männer sollen dazu jetzt den soge­nann­ten Wee­ken­der - eine große Hen­kel­tasche - für sich ent­decken. Die Hand­tasche für den Mann - vielen ist das zu unprak­tisch, zu feminin, zu modisch, zu gewagt. Der Weg vom Lauf­steg in die Fußgän­ger­zone ist noch weit.

So hat der Trend zur Handtasche für den Mann inter­natio­nal zwar großes Auf­sehen erregt. Auf der Straße aller­dings gibt es noch recht wenige Männer, die sie tragen, hat Georg Stiels, Image Con­sul­tant aus München, beob­ach­tet. „Bisher beschränkt sich die Käu­fer­schicht auf die abso­luten 'Fashion Victims', die jeder Neue­rung gegenü­ber auf­geschlos­sen sind.”

Marc O

Sommerausflug: Für die Tour am Woche­nende kann ein Wee­ken­der prak­tisch sein - im Alltag eher nicht. (Bild: Marc O'Polo/dpa/tmn)

„Die Her­ren­hand­tasche war lange verpönt”, sagt René Lang, Mode­desi­gner aus Düs­sel­dorf und Mit­glied im Verband Deut­scher Mode- und Textil-Desi­gner (VDMD) in Würz­burg. Er glaubt, dass es noch einige Zeit braucht, bis Männer das Acces­soire akzep­tiert haben. Heute sei es zwar wichtig, dass „urbane Men­schen alles mit­neh­men können”, sagt Lang. Das gelte auch für den moder­nen Mann: Ob Laptop, Ordner oder andere Unter­lagen - wichtig ist, dass die Tasche ihren Zweck erfüllt. Aber beim Wee­ken­der geht es an erster Stelle um etwas Anderes: Er erwei­tert die klas­sischen Männer-Acces­soires um ein aus­gefal­lenes Produkt, das vor allem dem Stil gewid­met ist.

„Die Hersteller haben damit einen neuen Markt für sich ent­deckt”, erläu­tert Georg Stiels. Sie erhof­fen sich von dem Verkauf der Taschen ein Umsatz­plus. Für die eigene Gar­derobe sollte das erst einmal nichts bedeu­ten. Aber der Trend halte eine weitere Bot­schaft an den moder­nen Mann bereit: „Er sollte auf diesen Teil seiner Gar­derobe mehr Wert legen”, sagt Stiels. Bislang sei es ja doch eher der Ruck­sack oder die abge­wetzte Kurier­tasche, die in der Stadt zum Einsatz kommt.

Jil Sander

Groß und meist aus edlem Leder - so ist die neue Tasche für den Mann. (Bild: Jil Sander/dpa/tmn)

Schwer zu tragen sei der neue Trend nicht, findet Polina Kazar­novs­kaia vom Mode­haus Gale­ries Lafa­yette in Berlin: „Einen Wee­ken­der kann man sowohl zum Anzug als auch zu sport­licher Klei­dung tragen. Viele benut­zen ihn auch als Sport­tasche.” Ob Student oder Geschäfts­mann, Alltag oder Reise: Für Kazar­novs­kaia ist die Tasche im XL-Format viel­sei­tig ein­setz­bar - ob von Calvin Klein, Bur­berry Prorsum, Giorgio Armani oder Jil Sander. Denn es sind bislang vor allem die Luxus­mar­ken, die die Taschen im Pro­gramm haben. Spor­tive Marken mit mitt­leren Preise wie Marc O'Polo und Y-3 ziehen aber bereits nach.

Die Stilexperten favorisieren bislang aller­dings eher die sport­liche Umhän­geta­sche. Denn der Wee­ken­der wirke immer noch exo­tisch. Auch wenn in so einer Tasche vieles seinen Platz findet, ist sie eher etwas für Frauen, findet René Lang. Die Umhän­geta­sche dagegen - schräg über den Körper getra­gen, groß genug und ohne Sch­nick­schnack - sei genau das Rich­tige für Männer von heute. Auch Georg Stiels hält die Größe der neuen „It-Bags” für pro­ble­matisch. Seiner Meinung nach eignen sich Wee­ken­der zum Reisen, nicht aber für den Stadt­bum­mel oder ein Treffen mit den Kumpels.

Burberry Prorsum

Den „Wee­ken­der” gibt es in vielen Mate­ria­lien und auch in den aktu­ellen Som­mer­tönen. (Bild: Bur­berry Prorsum/dpa/tmn)

Wichtig ist laut Stiels vor allem, dass Männer lernen, auf die Qua­lität ihrer Taschen mehr Wert zu legen. Gerade bei Rucksä­cken, Kurier­taschen oder Umhän­geta­schen sei die Auswahl groß. Ein wei­terer Plus­punkt ist nach Angaben des Exper­ten, dass Umhän­geta­schen im Gegen­satz zum Wee­ken­der genau das rich­tige Format haben und prak­tisch in der Hand­habung sind.

INFO: Statt Hen­kel­tasche lieber Umhän­geta­sche

Calvin Klein

Nichts für den Gang ins Büro: Meist wirken die Taschen ein wenig so, als sei man auf dem Weg zum Sport. (Bild: Calvin Klein/dpa/tmn)

So weit sind die meisten einfach noch nicht: Nur ganz Trend­bewusste greifen zum soge­nann­ten Wee­ken­der. Die Mehr­zahl der Männer ist mit einer Umhän­geta­sche statt einer Hen­kel­tasche besser bedient. Denn auch mit der prak­tischen Vari­ante zum Über­wer­fen lässt sich modisch daher­kom­men. Stil­bera­ter Georg Stiels aus München emp­fiehlt, ruhig aus dem Vollen zu schöp­fen: Vom schlich­ten Leder über Kro­koprä­gung bis hin zum typi­schen Flecht-Look kommen viele Mate­ria­lien infrage. Desi­gner René Lang aus Düs­sel­dorf rät für einen sport­lichen Auf­tritt zu Taschen mit struk­turier­ten Ober­flächen. Für feinere Anlässe seien gepflegte, glatte Leder ange­bracht. Von Sascha Abel, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/15/magazin/szene/t/rzo417556.html
Dienstag, 15. April 2008, 9:22 © RZ-Online (NewsDesk)
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