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Mittwoch, 20. Nov. 19

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Instrumente lernen über das Netz

Münster/London - Beim Lernen eines Instru­ments gibt es übli­cher­weise zwei Wege: Ent­weder sitzt man zu Hause und pro­biert so lange herum, bis passa­ble Töne erklin­gen.

Instrumente lernen über das Netz

„Smoke On The Water” oder Mozart - Musiker können ihr Instru­ment bei zahl­rei­chen Onli­nekur­sen lernen. (Bild: Schie­ren­beck/dpa/tmn)

Oder man geht zu einem Musik­leh­rer, der Griffe und Ton­fol­gen erklärt, Haus­auf­gaben aufgibt und sich das Geübte anhört. Das Inter­net ermög­licht einen dritten Weg, sozu­sagen einen Zwitter. Auf eigenen Por­talen oder über die Platt­form Youtube geben Profis und Laien per Kurz­film Unter­richt. Das hat Vor­teile, auf Kor­rek­turen muss aber weit­gehend ver­zich­tet werden.

„Hallo Leute, ich bin Siggi aus Münster und spiel schon ein paar Tage Gitarre.” So startet Siggi Mertens Unter­richts­video auf Youtube. Mehr als 100 dieser Filme hat er ins Netz gestellt: Mal erklärt er Tech­niken wie das Spiel mit dem Plek­tron, mal gibt er Anlei­tun­gen für bestimmte Songs - Johnny Cashs „Folsom Prison Blues” etwa. Ähnlich aktiv ist Justin Sun­der­coe. In mehr als 90 Videos zeigt der Gitar­ren­leh­rer aus London Zupf­tech­niken und Barré-Griffe, gibt Tipps zum Gitar­ren­kauf und zu Lite­ratur - völlig kos­ten­los.

Die Auswahl an solchen Lehr­videos ist riesig - vor­aus­gesetzt, ange­hende Musiker scheuen keine eng­lischen Erklärun­gen. Allein die Suche nach „Guitar Lessons” führt auf Youtube zu 138 000 Tref­fern - in mehr oder minder guter Qua­lität. Denn der große Vorteil des Portals ist gleich­zei­tig sein Nach­teil: Jeder kann sich zum Lehrer berufen fühlen, und so schwankt die Qua­lität enorm.

Hochprofessionell sind beispielsweise die „vGuitar Lessons”. Lehrer Ben Lowrey gibt seit Jahren Gitar­ren­unter­richt und ent­schied sich irgend­wann, seine Anlei­tun­gen ins Inter­net zu stellen. Da Erklärun­gen allein meist schwer zu ver­ste­hen sind und Vor­machen auch nicht immer hilft, ergänzt er seine Videos durch gra­fische Dar­stel­lun­gen, die ein­geblen­det werden. In einer wei­teren Sequenz teilt sich das Bild - der Schüler sieht Lowreys rechte und linke Hand gleich­zei­tig. Soviel Aufwand hat jedoch seinen Preis. Zwölf Unter­richts­stun­den gibt es gratis, für alle wei­teren müssen die Schüler zahlen: Zwi­schen 3,95 und 12,95 US-Dollar (etwa 2,50 bis 8,20 Euro) kosten die Filme.

Wer sicher gehen möchte, einen her­aus­ragen­den Musiker vor sich zu haben, ist bei „Mucony.com” richtig - einen Ein­blick in die dort ange­bote­nen Filme gibt es wie­derum bei Youtube. „Mucony.com” bietet „pri­vaten Musik­unter­richt zum Anschauen, gelehrt von den welt­bes­ten klas­sischen und Jazz-Musi­kern”, heißt es auf der Seite.

Tatsächlich geben hochkarätige Musiker ihr Wissen weiter: Liang Wang ist Erster Oboist der New Yorker Phil­har­moni­ker, Timothy Cobb Erster Bassist am Metro­poli­tan Opera Orche­stra, und Jazz Saxo­pho­nist Steve Slagle arbei­tet an der Man­hat­tan School of Music. Die Profis lehren Tech­niken oder geben Anlei­tun­gen zu Stücken - einem Mozart-Quar­tett oder einer Schu­mann-Sonate etwa. Die Unter­richts­filme sind rund eine halbe Stunde lang und kosten fünf Dollar (etwa 3,20 Euro).

Der große Vorteil der Videos ist, dass der Schüler sie immer und immer wieder anschauen und dazu üben kann. Der Nach­teil: Gewöhnt man sich falsche Tech­niken an, kor­rigiert sie niemand. Diese Lücke ver­sucht Ernst Jochmus aus Bonn auf seinem Portal „Gitar­ren­links.de” zu schließen. Er bietet einen zwölf­wöchi­gen Musik­kurs an, bei dem die Schüler jeden Montag einen rund 20-minüti­gen Lehr­film her­unter­laden können. Für Nach­fra­gen gibt es ein Forum. Der Kurs kostet 52 Euro.

Daneben gibt Jochmus sogenannten Video-Response-Unter­richt. Das heißt: Gitar­ren­spie­ler filmen sich selbst, schi­cken das Video ein und lassen Fehler ana­lysie­ren. Je nach Zah­lungs­bereit­schaft schickt Ernst Jochmus ein 5- bis 20-minüti­ges Ant­wort­video - das kostet zwi­schen 20 und 72 Euro.

Für Michael Pabst-Krueger, Dozent an der Musik­hoch­schule Lübeck, hat der Unter­richt über das Netz aller­dings klare Grenzen. Wie man ein Instru­ment hält und erste Übungen könnten dort zwar ver­mit­telt werden. Die künst­leri­sche Arbeit bezüg­lich Klang­gestal­tung, Inter­pre­tation oder Aus­druck lasse sich aber nur im direk­ten Kontakt von Schüler und Lehrer ver­mit­teln.

Hinzu kommt ein eher organisatorisches Problem: Mit Instru­men­ten wie Gitarre oder Bass ist der Unter­richt am Rechner ohne viel Aufwand möglich, der Schüler setzt sich mit dem Instru­ment vor den Monitor. Schwie­riger wird das bei Klavier oder Schlag­zeug - das Zuschauen und gleich­zei­tige Üben kann hier zum Problem werden. Doch das hält selbs­ter­nannte Musik­leh­rer nicht davon ab, ihre Unter­richts­videos ins Netz zu stellen. Dass die auch tech­nische Grenzen haben, zeigt der Youtube-Film „Klavier II”. Um den Händen auf der Kla­via­tur zu folgen, schwenkt die Kamera so schnell hin und her, dass dem Zuschauer fast schwin­delig wird.

Youtube: www.youtube.com

Mucony: www.mucony.com

vGuitar Lessons: www.vgui­tarles­sons.com Von Carina Frey, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/09/service/computer/t/rzo415988.html
Mittwoch, 09. April 2008, 9:22 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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