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Donnerstag, 21. Nov. 19

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Google: Porträt einer unkontrollierten Weltmacht

Hamburg - Google ist im deutsch­spra­chi­gen Europa noch populä­rer als in den USA. Im Hei­mat­land des Such­gigan­ten laufen zwei von drei Suchan­fra­gen über Google.

Google Logo

Allein in Deutsch­land suchen rund 90 Prozent aller Inter­net-Anwen­der im Web Infos mit Hilfe von Google. (Bild: dpa)

In Deutsch­land „googlen” rund 90 Prozent aller Inter­net-Anwen­der, in Öster­reich sind es immer­hin rund 80 Prozent.

Unzählige Informatiker und Werbe-Fach­leute würden liebend gern für Google arbei­ten. Rund 1,4 Mil­lio­nen Bewer­bungs­schrei­ben sollen im ver­gan­genen Jahr die Fir­men­zen­trale im kali­for­nischen Moun­tain View erreicht haben.

In den Augen des öster­rei­chi­schen Jour­nalis­ten Gerald Reischl sind die welt­weit 17 000 „Googler”, die das auf­wen­dige Bewer­bungs­ver­fah­ren über­stan­den haben, in einer Art „Villa Kun­ter­bunt” gelan­det, in der die Bewoh­ner mit kuli­nari­schen Spe­zia­litäten, Mas­sage­ses­seln oder einem Wäsche- und Bügel­ser­vice ver­wöhnt werden. „Google gilt als hipp, cool, bunt freund­lich und als der beste Arbeit­geber.” Reischl fällt in seinem Buch „Die Google-Falle” jedoch ein völlig anderes Urteil: „Hinter Googles buntem Lego­far­benen-Logo ver­steckt sich ein Unter­neh­men, das gefähr­lich ist.”

Reischl kommt zu diesem Schluss , nachdem er neun Monate lang über Google recher­chiert und etliche hoch­ran­gige Google-Manager inter­viewt hatte, dar­unter den For­schungs­chef Peter Norvig, den Daten­schutz-Beauf­trag­ten Peter Flei­scher sowie Google-Maps-Chef John Hanke. Die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin sowie Google-Chef Eric Schmidt konnte der Tech­nolo­gie-Res­sort­lei­ter der öster­rei­chi­schen Tages­zei­tung „Kurier” aller­dings nicht per­sön­lich spre­chen.

In dem 192 Seiten starken Buch beschreibt Reischl die ver­schie­denen Dienste und Anwen­dun­gen von Google, die aus seiner Sicht vor allem ein Ziel haben, nämlich mög­lichst viele Daten der Anwen­der ein­zusam­meln. Google ver­teile „neben der kos­ten­losen Such­funk­tion auch noch Gra­tis­pro­gramme - und nimmt sich im Gegen­zug Infor­matio­nen. Ohne uns wirk­lich zu fragen. Gratis gegen Pri­vats­phäre.” Auf der Basis der ein­gesam­mel­ten Daten könne dann Google seine Wer­beein­nah­men und Profite erhöhen.

Das von Reischl beschriebene Geschäfts­modell treibt aller­dings nicht nur die welt­größte Inter­net-Such­maschine an, sondern liefert quasi für jedes Web-2.0-Unter­neh­men den öko­nomi­schen Treib­stoff. Vor diesem Hin­ter­grund kann man auch den im dem Buch erwähn­ten Rat der Inter­net-Exper­tin Esther Dyson an den Autor Reischl ver­ste­hen, er solle doch mal ein Buch über die „soziale Platt­form” Face­book schrei­ben.

Genauer unter die Lupe genom­men hat sich Reischl den Algo­rith­mus der Google-Such­maschine. Dieser funk­tio­niert nach dem „PageRank”, also der Popu­larität einer Web­seite, die auf der Basis der Ver­lin­kung im Web ermit­telt wird. Es sei aber ein Mythos, dass dieser Suchal­gorith­mus nicht wil­lent­lich beein­flusst werden könne. Reischl liefert für diese These Beweise. Beim Such­begriff „Turkey” zeige Google bei­spiels­weise zehn Monate im Jahr Seiten über die Türkei (engl. Turkey) auf den vor­deren Plätzen der Tref­fer­liste. In den beiden anderen Monaten rund um das ame­rika­nische Ern­tedank­fest („Thanks­giving”) würden dagegen Trut­hahn­rezepte (engl. turkey) nach vorne gestellt. Und es sei sicher­lich auch kein Zufall, dass Google zeit­gleich zu einer Aus­ein­ander­set­zung mit dem Inter­net-Auk­tions­haus über Online-Bezahl­sys­teme die eBay-Auk­tio­nen nicht mehr so weit vorne gelis­tet habe wie die Monate zuvor.

In der Zukunft, schreibt Reischl , werde Google das „PageRank”-Prinzip durch eine pro­gram­mier­bare Such­maschine (PSE) ablösen, „die alles weiß, was ich bislang mit ihr gesucht habe und dement­spre­chend eine per­sona­lisierte Ergeb­nis­liste erstellt”. Diese Vision, die Reischl spür­bares Unbe­hagen berei­tet, werde nur noch über­boten von dem Zukunfts­sze­nario, dass Google alles daran setze, die in der DNA fest­geleg­ten Erb­anla­gen eines Men­schen digital zu erfas­sen und für eine Google-Suche auf­zube­rei­ten.

Google selbst arbeite im Rahmen des Human Genome Pro­jects der USA an diesem Thema. Außer­dem habe sich das Unter­neh­men 23andMe der Genom-Suche ver­schrie­ben. Zu den drei Mit­grün­derin­nen von 23andMe gehört Anne Wojl­ciki, die Frau von Google-Mit­begrün­der Sergej Brin, die von ihrem Mann „quasi als nachträg­liches Hoch­zeits­geschenk einen 3,9-Mil­lio­nen-Dollar-Kredit” zur Finan­zie­rung des Startup-Unter­neh­mens erhal­ten habe. Google und 23andMe würden die unter Exper­ten höchst umstrit­tene DNA-Analyse salon­fähig machen.

Literatur: Gerald Reischl , Die Google-Falle - Die unkon­trol­lierte Welt­macht im Inter­net, Verlag Carl Ueber­reu­ter, ISBN: 978-3-8000-7323-8, 19,95 Euro Von Chri­stoph Dern­bach, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/14/service/computer/t/rzo417354.html
Montag, 14. April 2008, 13:21 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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