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Freitag, 25. April 08

Zieht vor Mozart den Hut und fänMeudt - Mal ehrlich: Vogel­kunde gehört nicht gerade zu den Hobbys, die Jungs für Mädchen attrak­tiver machen. Schon gar nicht in einer Szene, in der beson­ders Kecke sich mit T-Shirt-Auf­dru­cken wie "Ich kenn den DJ" am...

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DJ findet den Weltklang im Westerwald

Meudt - Mal ehrlich: Vogel­kunde gehört nicht gerade zu den Hobbys, die Jungs für Mädchen attrak­tiver machen. Schon gar nicht in einer Szene, in der beson­ders Kecke sich mit T-Shirt-Auf­dru­cken wie "Ich kenn den DJ" am Tür­ste­her eines ange­sag­ten Klubs vor­bei­zumo­geln ver­suchen.

Zieht vor Mozart den Hut und fän

Zieht vor Mozart den Hut und fängt die Ideen für seine Musik in der freien Natur des Wes­ter­walds ein: Techno-DJ Dominik Eulberg ist mit seiner Musik überall in der Welt unter­wegs.

Einer aber hat es geschafft, mit seiner Lei­den­schaft Orni­tho­logie welt­weit zu den Ange­sag­tes­ten der Techno-Szene zu gehören: der Wes­ter­wäl­der DJ Dominik Eulberg.

Wenn er zu Hause im Westerwald ist, begibt Dominik Eulberg (29) sich gern auf die Pirsch nach Rhyth­men und Geräu­schen. Aus­gerüs­tet mit Fern­glas, Mikro­fon und MP3-Rekorder durch­streift er Wald und Wiesen auf Fang nach Tier­stim­men oder Natur­geräu­schen. Die mixt er zu Klang­bil­dern und Rhyth­mus-Col­lagen, denen er Namen wie "Stell­dich­ein eines Wes­ter­wäl­der Vogel­cho­res" oder "Hecht im Kar­pfen­teich" ver­passt. Die Frage, ob ein Natur­freund mit solchen Bekennt­nis­sen in der Techno-Szene landen kann, stellt sich für Eulberg nicht: Auf Raves und in Klubs zwi­schen Osaka, Mailand und St. Peters­burg liegen ihm die Techno-Anhän­ger zu Füßen. Für sein Album "Hei­mische Gefilde" hat er im ver­gan­genen Jahr den Deut­schen Schall­plat­ten­preis erhal­ten.

Wir treffen Eulberg in seinem Studio in Meudt (Wes­ter­wald­kreis). Draußen ist es schon dunkel und Eulberg gerade auf­gestan­den. Als DJ, der zwei bis drei Auf­tritte wöchent­lich in inter­natio­nalen Techno-Klubs absol­viert, ist er daran gewöhnt, die Nacht zum Tag zu machen. Im Studio, das er in Krea­tiv­pau­sen zum Schla­fen nutzt, hängen aus­gestopfte Tiere an den Wänden. "Die sind von meinem Opa, der war Jäger", erklärt Eulberg und brüht sich zum Wach­wer­den erst mal einen Tee.

Schon immer der Meinung, dass sich Ihre Hobbys Orni­tho­logie und Techno-Musik gut ver­tra­gen?

Ich bin in der Natur zu Hause, sie ist meine größte Inspi­rati­ons­quelle. Wenn ich bei Son­nen­unter­gang an einem See sitze, und die Vögel zwit­schern nochmal ihr Bestes - genau dieses Gefühl ver­suche ich in meiner Musik umzu­set­zen. Zuge­geben: Titel wie "Gasthof zum satten Bass" klangen für die Plat­ten­firma zunächst nicht gerade sexy. Aber zum Glück ließ mich mein Label "Traum­schall­plat­ten" einfach immer machen.

Wie sind Sie aus der hei­mischen Natur in die syn­the­tische Techno-Welt geraten?

Für Musik habe ich mich eigent­lich nie so richtig inter­essiert. Bis ich 1992 zum ersten Mal im Radio die "HR 3-Club- night" mit Sven Väth hörte. Das war sowas ganz anderes. Ich konnte mir zunächst gar nicht erklären, wo diese Geräu­sche eigent­lich her­kom­men. In meiner natur­wis­sen­schaft­lichen Neugier kaufte ich mir einen Syn­the­sizer, um das Geheim­nis dieser Klänge zu ergrün­den. Damit begann ich, Techno zu machen.

Teilen Ihre Fans inzwi­schen Ihre Liebe zur Natur?

Es pas­siert schon, dass die mir Fotos von Vögeln oder anderen Tieren schi­cken und fragen, was das ist. Übri­gens gibt es ja durch­aus archai­sche Bezüge zwi­schen dem 4/4-Rhyth­mus des Technos und afri­kani­schen Stam­mes­gesän­gen oder auch dem ersten Geräusch, das der Mensch über­haupt hört: dem Herz­schlag der Mutter. Wenn Raves (Techno-Kon­zerte, Anm. der Red.) in freier Natur statt­fin­den, stei­gert das das Musi­ker­leb­nis der Leute. Es fällt ihnen leich­ter, sich zu öffnen, den Kopf aus­zuschal­ten und die Ekstase oder sogar Trance zuzu­las­sen. Dabei sind sie viel mehr bei sich und in der Natur als bei einem gewöhn­lichen Kon­zert­besuch.

Welche Musik hat Sie geprägt?

Mein Vater hörte zu Hause Simon & Gar­fun­kel. Und was Mozart gemacht hat - da zieh' ich echt den Hut vor. Dass der es mit seinen Kom­posi­tio­nen schafft, dass Kühe mehr Milch geben! Im Grunde bin auch ich auf der Suche nach dieser Grun­des­senz der Musik: Ich will den Bio­rhyth­mus der Men­schen treffen.

Kom­ponis­ten sind seit je von der Natur inspi­riert - schließ­lich ist sie die wich­tigste Erfah­rungs­welt des Men­schen . Trotz­dem klingt Ihr musi­kali­scher Anspruch eher nach einem phi­loso­phi­schen Problem als nach einem Kom­posi­tions­rezept...

Mitt­ler­weile ist ja jede Fre­quenz, jede Har­monie schon gespielt. Da muss man schon auf andere Ebenen gehen. Mich inter­essiert die Frage: Wie wirkt die Musik? Wie macht sie uns glück­lich oder traurig? Lange vor Erfin­dung der Sprache haben sich die Urmen­schen über Töne ver­stän­digt. Trau­rig­keit etwa äußert sich in Halb­schritt-Inter­val­len. Es gibt etwas Uni­ver­sel­les in der Sprache der Musik. Das merke ich auch bei meinen Auf­trit­ten. Zwi­schen Süda­merika, Japan und der Schweiz beste­hen zwar Tem­pera­ments­unter­schiede. Aber die Kom­muni­kation über den Klang funk­tio­niert welt­weit. Musik kennt keine Grenzen, sie ver­bin­det die Men­schen. Im Techno gibt es eine Art der Glo­bali­sie­rung.

Was bedeu­tet für Sie Heimat?

Meine Heimat ist für mich noch immer der Wes­ter­wald. Hier fühle ich mich wohl und gebor­gen, nix stresst. Heimat heißt ange­kom­men sein, ver­stan­den werden, nichts ver­mis­sen. Deutsch­land ist ein wun­der­schö­nes Land mit einer unglaub­lich viel­fäl­tigen Land­schaft, in der ich gerne Urlaub mache. Meine Inspi­ration sammle ich in der ganzen Welt. Da bin ich immer froh, wenn ich wieder nach Hause komme. Vor allem, wenn ich gerade die Slums von Sao Paulo gesehen habe oder die Mafia von Neapel gerade, während ich in einem Klub Platten auf­legte, eine Mes­ser­ste­che­rei ange­zet­telt hat...

Wie finden Sie sich zwi­schen den Welten zurecht?

Die Natur erdet mich, Treffen mit Freun­den zu Hause. Wenn ich zu einem Auf­tritt irgendwo ein­geflo­gen werde und vor meh­reren Tausend Leuten für einen Auf­tritt von Null auf Hundert gehen muss, steht dagegen die Arbeit im Studio, die eher intro­ver­tiert ist.

Was planen Sie in Zukunft?

Musik ist etwas äußerst Ver­gäng­liches, das werde ich sicher nicht mein Leben lang machen. Ich will mein Studium beenden, das gerade auf Eis liegt, mit der Natur im Ein­klang leben. Viel­leicht zusam­men mit Freun­den auf einem Hof. Ich könnte mir vor­stel­len, in einem Natio­nal­park zu arbei­ten, um den Men­schen zu erklären, wie schön und schüt­zens­wert die Natur ist. Oder im Fern­sehen "Löwen­zahn" mode­rie­ren. (Das Gespräch führte Nicole Mieding)

Auf­tritte in der Region: 12. Juli Open-Air-Rave am Drei­fel­der Weiher (Wes­ter­wald­kreis), 11. Juli im "Cocoon-Club" Frank­furt.

RZO


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/25/magazin/szeneregional/t/rzo420505.html
Freitag, 25. April 2008, 11:22 © RZ-Online (NewsDesk)
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