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Montag, 17. Juni 13
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Musi­kalisch grandios - Ins­zenie­rung dubios

Zahme Salome eröffnet die Mai­fest­spiele

Wiebaden - Jetzt liegt wieder der rote Teppich vor dem Hes­sischen Staats­thea­ter in Wiesbaden: Einen Monat lang geben sich Gaststars der Inter­natio­nalen Mai­fest­spiele die Klinke in die Hand. Die Eröffnung besorgte tra­ditio­nell eine Eigen­pro­duk­tion - wobei über den Eigen­anteil Wies­badens noch zu reden sein wird.

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Kaputtes Vater-Tochter-Duo mit starken Stimmen: Norbert Schmittberg (Herodes) und Manuela Uhl (Salome). Foto: M. Kaufhold

WIESBADEN. "Salome" von Richard Strauss ist eine Oper, die mit der Titelin­ter­pre­tin steht und fällt. In Wiesbaden steht sie, und wie: Manuela Uhl ist eine echte Ent­deckung für die mör­derisch anspruchs­volle Partie. Ihre Stimme kennt vom pene­tran­ten Kin­der­tim­bre bis zum voll­schwin­gen­den Strauss-Sopran alle Farben, die man sich für eine Prin­zes­sin Salome auf der Stufe zwischen Pubertät und Hysterie nur wünschen kann. Dazu eine unglaub­liche Kondition: Nach 100 Minuten über Orche­ster­wogen hinweg kann sie immer noch trag­fähige Piano-Töne spinnen.

Grandios singt auch Julia Juon als Herodias: große, starke Töne, dazu die Dar­stel­lung einer leidend Alternden, neben der Norbert Sch­mitt­bergs Herodes eine vokal ebenso gute Figur macht und tatsäch­lich alle Töne seiner Partie singt. Thomas J. Mayer kom­plet­tiert als kraft­vol­ler, nim­mer­müder Jochanaan das fest­spiel­wür­dige Gäste-Quartett, ergänzt durch eben­bür­tige Leis­tun­gen aus dem Hause (etwa mit der wunderbar wan­del­baren Ute Döring als klang­vol­lem Pagen).

Dazu noch als Krönung: das Orchester unter Leitung von Gene­ral­musik­direk­tor Marc Piollet, der die Strauss-Partitur in allen Farben und Dif­feren­zie­run­gen bis in kraft­volle Ekstasen auslotet. Ein musi­kali­scher Auftakt nach Maß, in jeder Beziehung fest­spiel­wür­dig für das nach Bayreuth zweitäl­teste Musik­fes­tival hier­zulande.

Für die Ein­ord­nung der sze­nischen Umsetzung muss man zweierlei ausführen: Zunächst ist diese "Salome" aus der Hand des Wies­bade­ner Inten­dan­ten Manfred Beilharz recht brav geraten. Immerhin: Einige zentrale Szenen (die brutale Kon­fron­tation Salomes mit Jochanaan etwa) erreichen die szenische Dichte, die man etwa in Beilharz' "Wozzeck"-Sicht erleben konnte. Das Büh­nen­bild (Bernd Holzapfel) hingegen wirkt ver­unglückt in seinen Pro­por­tio­nen und mit einer übers­tei­len Treppe fast unbe­spiel­bar. Die Kostüme char­gie­ren zwischen Comic-Stil und Glitter, der Tanz der Schleier wird in der Cho­reo­gra­fie von Stephan Thoss zum Tanz der sieben Gym­nas­tik­bän­der, der die Pro­jek­tion der männ­lichen Sexu­alfan­tasien eher dezent andeutet.

Zudem muss sich das Staats­thea­ter Wiesbaden wohl noch einmal auf diese Dis­kus­sion einlassen, wie viel Inspi­ration von auswärts schick­lich ist: Manfred Beilharz, so scheint es, hat sich für seine "Salome"-Pro­duk­tion von einer Ins­zenie­rung aus der Hand von Carlos Wagner inspi­rie­ren lassen. Jeden­falls zeigen zahl­rei­che Bilder auf der Homepage des jungen Regis­seurs Szenen seiner jüngsten Pro­duk­tion von "Salome" in Mont­pel­lier. Manche dieser Szenen sieht man nun in Wiesbaden wieder: ein Prophet Jochanaan, der aus der Zisterne heraus in die Luft gezogen wird wie der Gekreu­zigte höchst­selbst, ein Henker mit Schlacht­erschürze, ja selbst das Nackedei-Kostüm mit Pelz und rotem Slip für den Tetrar­chen Herodes. Dass man das auch in Wiesbaden mit­bekommt, ist kein Wunder, wenn zwei Sän­gerin­nen der franzö­sischen Pro­duk­tion ver­pflich­tet werden.

Nun kann man ja das Rad nicht immer neu erfinden - bei solch deut­lichen Anleihen wäre aller­dings ein Hinweis auf eine Mit­auto­ren­schaft in Regie und Kostüm­bild sicher ein feiner Zug gewesen. Oder sollte es eine Übe­rein­kunft mit dem Regisseur Carlos Wagner gegeben haben, der in der kommenden Saison in Wiesbaden insze­nie­ren wird? Dann hätte man auch dies im Pro­gramm­heft aufklären können.

Claus Ambrosius

Karten: 0611/132 325


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/29/magazin/r/theater-1.html
Dienstag, 29. April 2008, 09:10 © RZ-Online (to)
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