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Montag, 17. Juni 13
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RZ-Serie: "Hitler-Tagebücher" flogen auf


RZ-Serie - Teil 4: Heidemann musste ins Gefängnis

Kujaus Stern ging nach Skandal richtig auf

Koblenz/Berlin - Der Skandal um die gefälsch­ten Hitler-Tage­bücher beschä­digte oder zerstörte Karrieren, zog satte Gefäng­niss­tra­fen nach sich. Aber nicht alle Betei­lig­ten gerieten auf die Ver­lie­rer­straße. Der Stern des Fälschers Konrad Kujau ging erst richtig auf, nachdem er enttarnt worden war. Jahrelang war die Republik zudem mit der Auf­arbei­tung dieser Jahr­hun­dert-Pleite befasst. Wir geben einen Überblick über die Wir­kungs­geschichte.

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Ganz oben nach dem Skandal: Konrad Kujau wanderte zwar ins Gefängnis, war aber nach seiner Ent­las­sung ein gefragter Mann. Er eröffnete eine Fälscher-Werkstatt und verkaufte original gefälschte Kujaus für teuer Geld.

Konrad Kujau: Der Tagebuch-Fälscher gab alles zu und landete für drei Jahre im Gefängnis. Doch zugleich war der Stern-Skandal sein großer Durch­bruch. Kujau war ein berühmter Mann; seine Duplikate waren begehrt. Er eröffnete eine Fälscher-Werkstatt, verkaufte Kopien großer Meister der Malerei. Seinen spek­takulären Coup schien ihm niemand mehr krumm­zuneh­men. Blamiert war der Stern, nicht der Stutt­gar­ter Kunst­maler. Der trat im Fernsehen als Fäl­schungs-Experte auf und verkaufte das letzte Tagebuch, das er dem Stern nicht mehr angedreht hatte, ganz offiziell an das Haus der Geschichte.

1996 trat der Ober-Fälscher der Republik sogar als Ober­bür­ger­meis­ter-Kandidat in Stuttgart an. Doch das Original zog nicht so gut wie die Kopien. Kujau erhielt ganze 901 Stimmen. Auch seine Bun­des­tags-Kan­dida­tur für die Auto­fah­rer-Partei führte eher in die Sackgasse. Kujau starb im Jahr 2000 an Krebs. Ironie der Geschichte: Heute spüren die Ermittler immer wieder illegale Kujau-Kopien auf. Erst kürzlich hat die Staats­anwalt­schaft Dresden Anklage gegen eine mut­maß­liche Nichte Kujaus erhoben. Petra Kujau und ein Mittäter sollen billige Fäl­schun­gen alter Meister in Fernost ein­gekauft und als echte Kujaus teuer ver­scher­belt haben.

Gerd Heidemann: Zunächst wurde er vom Stern gefeuert, dann verklagt und ver­urteilt. Auch Heidemann musste ins Gefängnis. Sein Ruf und sein Vermögen waren dahin. Das Hamburger Land­gericht ver­urteilte ihn zu vier Jahren und acht Monaten Haft. Ihm wurde vor­gewor­fen, einen Teil der Millionen, die der Stern für die Tage­bücher gezahlt hatte, für sich abge­zweigt zu haben.

Angeblich ent­las­tende Mit­schnitte von Gesprächen durfte er nicht als Beweis­mit­tel geltend machen, da ihr Erwerb illegal war. Der gefallene Reporter-Star leugnet bis heute, sich unrecht­mäßig berei­chert zu haben. Er fühlt sich zum Sün­den­bock gestem­pelt. Nach seiner Frei­las­sung zog er in eine kleine Wohnung in Hamburg, wo er noch immer zwischen Schränken voller Erin­nerun­gen lebt. Zeitweise bezog er Sozi­alhilfe. Beruflich fasste er nie wieder Fuß.

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Ganz unten nach dem Skandal: Gerd Heidemann verlor seine Freiheit, seine Arbeit, seine Ehre und sein Geld.

Peter Koch und Felix Schmidt: Die beiden Stern-Che­fre­dak­teure mussten gehen. Aber sie ließen sich ihren Abschied mit einer Millionen-Abfindung versüßen. Sch­ließ­lich hatte der Verlag Gruner & Jahr voll und ganz hinter dem Tagebuch-Projekt gestanden. Der dritte Che­fre­dak­teur Rolf Gill­hau­sen, der Erfinder der Foto-Sprache des Sterns, blieb noch ein Jahr im Amt. In dem Skandal war er eine Randfigur. Er ging in Ehren in den Ruhestand.

Henri Nannen: Der tadellose Ruf des Stern-Gründers hatte einen tiefen Kratzer bekommen. Aber von einer Legende wollte man sich nicht trennen. Nannen verlor aller­dings an Einfluss. Er starb 1996.

Manfred Fischer und Gerd Schulte-Hillen: Fischer hatte als Vor­stands­chef von Gruner & Jahr die Tagebuch-Geschichte ein­getütet, Schulte-Hillen hatte sie ansch­ließend mit Feuer und Flamme weiter betrieben. Als der Skandal aufflog, bot Schulte-Hillen seinen Rücktritt an. Doch der Verlag wollte auf seinen erfah­renen Manager nicht ver­zich­ten. Schulte-Hillens Karriere blieb unbe­schä­digt. Er stieg weiter auf.

Thomas Walde: Der Stern-Res­sort­chef "Zeit­gesche­hen" verlor sein Amt, aber nicht seinen Job beim Stern. Er wechselte später das Medium und arbeitete sich bis zum Pro­gramm­direk­tor eines privaten Radio­sen­ders in Hamburg hoch.

Josef Henke und Klaus Oldenhage: Die beiden Archivare haben im Bun­desar­chiv in Koblenz Karriere gemacht. Der 2006 pen­sio­nierte Oldenhage stieg bis zum Vize-Prä­siden­ten der Bun­des­behörde auf. Henke ist heute Archiv­direk­tor und leitet die Edition Kabi­nettspro­tokolle.

Seine nicht unbe­trächt­liche Rolle bei der Auf­deckung des Skandals verewigte der britische Star-Autor Robert Harris. Aus seinem Sachbuch "Hitler verkaufen. Die Geschichte der Hitler-Tage­bücher" (erschie­nen 1985) entstand eine fünf­tei­lige Serie. Henke ist eine der Figuren, die dort dar­gestellt werden. Er und Oldenhage sind sich heute sicher: "Wenn wir von Anfang an die 60 Kladden hätten prüfen dürfen, wäre die Fälschung schnell auf­geflo­gen."

Der Stern: Das Hamburger Magazin brauchte Jahre, um sich von dem Skandal zu erholen. Die Auflage brach ein, jede Glaub­wür­dig­keit war verspielt. Geschich­ten wurden fortan höchst akribisch recher­chiert, aus Angst, noch einmal eine derartige Pleite zu erleben.

Die Hitler-Tage­bücher: Inzwi­schen sind die Fäl­schun­gen von Konrad Kujau wertvoll. Sammler in aller Welt lecken sich die Finger danach. Der Stern könnte viel Geld mit dem berühmten Altpapier verdienen. Fast alle Bände lagern im Keller des Gruner&Jahr-Hauses in Hamburg, weg­geschlos­sen in Stahl­schrän­ken. Lediglich das Bonner "Haus der Geschichte" besitzt zwei Stern-Leihgaben, plus jenen dritten Band (Nr. 63), den Konrad Kujau 1983 noch in seinem Besitz hatte.

Das Bun­desar­chiv in Koblenz gab sei­ner­zeit alle Tagebuch-Kladden zurück. Präsident Hans Booms duldete keine Fäl­schun­gen. Ein Schritt, den der eine oder andere Fachmann in Koblenz bedauert. Denn die Kujau-Bände sind wichtige Dokumente der Zeit­geschichte.

Von Dietmar Brück


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/29/rlp/r/hserie.html
Dienstag, 29. April 2008, 10:48 © RZ-Online (aj)
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