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Dienstag, 29. April 08

Jeremiah A. WrightWashing­ton - Der demo­kra­tische US-Prä­sident­schafts­bewer­ber Barack Obama hat sich nach­drück­lich von seinem ehe­mali­gen Pastor Jere­miah Wright und dessen umstrit­tenen Äuße­run­gen zum Ter­roris­mus distan­ziert.

Geborgener ZugFulda/Frank­furt/Main - Die Ermitt­lun­gen nach der Kol­lision eines ICE mit einer Schaf­herde in einem Tunnel bei Fulda kon­zen­trie­ren sich zuneh­mend auf Beschäf­tigte der Bahn.

Peking - Sieben Wochen nach Aus­bruch der schwe­ren Unruhen in Tibet sind die ersten 30 Teil­neh­mer der Pro­teste zu hohen Strafen zwi­schen drei Jahren und lebens­lan­ger Haft ver­urteilt worden.

Saar­brü­cken - Mit einem Aufruf zum „Hei­ligen Krieg” hat ein deut­scher Isla­mist Sorge vor neuen Anschlä­gen aus­gelöst. In der übers Inter­net ver­brei­teten Video­bot­schaft ist der 20-jährige Eric B.

Luxem­burg - Zwei Wochen vor der Par­laments­wahl in Serbien hat die Europäi­sche Union demons­tra­tiv ihre Bereit­schaft zu engeren Bezie­hun­gen mit dem Bal­kan­staat erklärt.

Berlin - Bun­des­finanz­minis­ter Peer Stein­brück (SPD) hat einen „Rie­sen­kon­flikt” mit Fami­lien­minis­terin Ursula von der Leyen (CDU) wegen der Finan­zie­rung der Fami­lien­poli­tik bestrit­ten.

 Das Thema des Tages 

Inzest-Vater droht lebenslange Haft

Wien - Jahr­zehn­telang hielt er seine Kinder in einem dunklen Keller-Verlies gefan­gen, nun kommt der gestän­dige Inzest-Vater Josef Fritzl ver­mut­lich selbst nie wieder frei.

Josef F.

Polizeifoto von Josef F., der den 24 Jahre währen­den Miss­brauch seiner Tochter gestan­den hat.

Gegen den 73-Jäh­rigen wird nach Aus­kunft der Staats­anwalt­schaft St. Pölten vom Diens­tag auch wegen Mordes durch Unter­las­sen ermit­telt. Zudem werden ihm Ver­gewal­tigung, sexu­eller Miss­brauch und Frei­heits­berau­bung vor­gewor­fen. Mög­licher­weise ver­bringt Fritzl den Rest seines Lebens hinter Gittern.

Er hatte seine heute 42 Jahre alte Tochter Eli­sabeth im Laufe von 31 Jahren immer wieder ver­gewal­tigt, sie 24 Jahre lang in einem dunklen Keller-Verlies in seinem Haus in der öster­rei­chi­schen Klein­stadt Ams­tet­ten gefan­gen gehal­ten und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Eins davon starb kurz nach der Geburt. Die DNA-Probe ergab laut Polizei, dass alle Kinder aus der Inzest-Bezie­hung von Fritzl stammen. Er sitzt in Unter­suchungs­haft im Gefäng­nis von St. Pölten.

Die Opfer des Mar­tyri­ums, Eli­sabeth und fünf ihrer Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren, werden in einem „geschütz­ten Bereich” einer Klinik betreut. Für die Ärzte und The­rapeu­ten „hat der Schutz der Pati­enten oberste Prio­rität”. Bert­hold Kepp­lin­ger vom Lan­des­kli­nikum Most­vier­tel Ams­tet­ten-Mauer sagte auf einer Pres­sekon­ferenz am Diens­tag, vor allem Eli­sabeth und die drei Kinder, die mit ihr im Verlies gefan­gen gehal­ten wurden, müssten vor zusätz­lichen Trau­mati­sie­run­gen geschützt werden. Der 19-jäh­rigen Kerstin, die auf der Inten­sivsta­tion des Kran­ken­hau­ses von Ams­tet­ten liegt, gehe es etwas besser. Sie liege aber weiter im künst­lichen Tief­schlaf und werde beatmet, sagte ein behan­deln­der Arzt.

Die Kinder Kerstin (19), Stefan (18), Lisa (15), Monika (14), Alex­ander (12) und Felix (5) werden mög­licher­weise eine neue Iden­tität erhal­ten. Damit solle ihnen eine geord­nete Zukunft ohne stän­dige Ver­fol­gung durch die Medien ermög­licht werden, sagte der Bezirks­vor­ste­her der nie­derös­ter­rei­chi­schen Klein­stadt Ams­tet­ten, Hans-Heinz Lenze. Dabei sei das oberste Prinzip ein Ein­ver­neh­men mit der Familie. Man müsse sich „mit dem Gedan­ken ver­traut machen, dass wir hier eine Namensän­derung her­beiführen”. Ob dies auch für Eli­sabeth Fritzl gilt, sagte Lenze nicht.

Lenze wies Vor­würfe zurück, die Behör­den hätten von der Exis­tenz des Keller-Ver­lie­ses schon vor Jahren erfah­ren müssen. Sowohl beim Ver­schwin­den von Eli­sabeth vor 24 Jahren als auch beim Auftau­chen von den drei Kindern, die ansch­ließend in der Wohnung von Josef Fritzl auf­wuch­sen, seien alle ver­füg­baren Infor­matio­nen ein­geholt worden. Es habe keinen Ver­dacht gegeben und auch keine Mög­lich­keit, den Keller zu durch­suchen. Im Straf­regis­ter der Ehe­leute habe es keine Ein­träge gegeben. Medien hatten zuvor berich­tet, gegen den Mann sei in den 1970er Jahren bereits wegen einer Ver­gewal­tigung ermit­telt worden. Ein solcher Fall wäre wegen der langen Zwi­schen­zeit aller­dings längst aus den Akten getilgt worden und für die Behör­den somit nicht mehr fest­zustel­len gewesen.

Nach Auskunft der Polizei gibt es keine Hin­weise, dass die Ehefrau Fritzls an der Straf­tat betei­ligt gewesen sein könnte. Auch sei weder den Geschwis­tern noch den Nach­barn etwas auf­gefal­len, sagte Franz Polzer, Leiter des Lan­des­kri­minal­amts Nie­derös­ter­reich. Fritzl und seine Ehefrau haben ins­gesamt sieben gemein­same Kinder.

Die Frau­enzeit­schrift „Bri­gitte” berich­tete unter­des­sen, dass zwei frühere Mieter im Fritzl-Haus beob­ach­tet haben, dass der nebenan woh­nende Bruder von Eli­sabeth als „Haus­meis­ter” einen Kel­ler­schlüs­sel gehabt haben soll. Außer­dem sei auf­fäl­lig gewesen, dass Josef Fritzl immer allein große Mengen an Lebens­mit­teln ein­gekauft habe.

Die Opfer von Josef Fritzl müssen nach Über­zeu­gung des Psy­cho­logen Klaus Neumann see­lische Schäden erlit­ten haben, die sonst nur bei Kindern in Kriegs­gebie­ten bekannt sind. „Angst, Ent­beh­rung und das feh­lende Tages­licht in dem Keller-Verlies haben zwangs­läu­fig tiefe Spuren hin­ter­las­sen”, sagte der Kin­des­wohl­beauf­tragte des Psy­cho­logen­ver­bands in München der Deut­schen Presse-Agentur dpa.

Josef Fritzl selbst geht es nach Angaben der Gefäng­nis­lei­tung gut. Am Diens­tag wurde er von einem Psy­cho­logen und einem Psych­iater unter­sucht. Beide hätten fest­gestellt, dass keine Selbst­mord­gefahr bestehe, sagte Gefäng­nis­lei­ter Günther Mörwald. Der 73-Jährige wird von anderen Straf­tätern abge­schirmt, da sich Sexual­straf­täter in Gefäng­nis­sen meist „am unters­ten Ende der Hier­archie befin­den” und mit Über­grif­fen von anderen Insas­sen rechnen müssen. Der Anwalt Fritzls sagte dagegen nach einem kurzen Gespräch, sein Mandant erscheine „emo­tio­nal gebro­chen”.

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/29/tt/t/rzo421213.html
Dienstag, 29. April 2008, 18:22 © RZ-Online (NewsDesk)
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