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Freitag, 28. Feb. 20
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Vor 15 Jahren wurde das WWW verschenkt – Erfinder nicht ganz zufrieden

„Web 2.0 ist ein alter Hut”

Genf - Mit der Druckpresse des Johannes Gutenberg konnte man vor 550 Jahren erstmals Wissen schnell kopieren. Mit dem World Wide Web (WWW) des Tim Berners-Lee kann man es so einfach mit­ein­ander ver­knüp­fen, dass jeder daraus schlau werden kann. Kein Wunder also, dass der Brite Berners-Lee gele­gent­lich mit dem Mainzer ver­gli­chen wird, auch wenn sich sein Netz erst seit 15 Jahren rund um den Globus spinnt.

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Der studierte Physiker Berners-Lee, Sohn eines Mathe­matiker-Ehepaares, arbeitete in den 1980er Jahren für das Europäi­sche Labor für Teil­chen­phy­sik in Genf, genannt CERN. Er versuchte, Ordnung in die wis­sen­schaft­lichen Dokumente des inter­natio­nalen For­schungs­zen­trums zu bringen. Ihn fas­zinierte die alte Idee der Quer­ver­weise, die es schon seit Jahr­hun­der­ten in Büchern gab (zum Beispiel als Fußnoten) und die mit Hilfe von Computern jetzt mecha­nisiert werden konnten. Man musste also nicht mehr umblät­tern, sondern der Maschine ein Kommando geben, ein Tas­ten­druck oder ein Mausklick, um zum ver­bun­denen Dokument zu gelangen. „Hypertext” nennt man solche Texte mit den Verweisen (englisch: Links). Lee ging einen Schritt weiter und wollte Texte verbinden, die auf ver­schie­denen Rechnern lagerten; in der Welt der Bücher ver­gleich­bar mit dem Verweis auf ein anderes Buch, viel­leicht sogar in einer anderen Biblio­thek.

„Tata - da war das World Wide Web!”

Aus solchen Ansätzen spann er sein welt­wei­tes Netz. Das Internet selbst gab es bereits seit einigen Jahren. E-Mails wurden darüber aus­getauscht und in öffent­lichen Foren („News­groups”) konnte dis­kutiert werden. Text- und Bild­doku­mente ließen sich bereits zwischen den Computern aus­tau­schen. Deren Adresse, „Haus­num­mern” gleich, konnte man bereits damals in besser zu merkende Namen über­set­zen, dafür sorgte ein Register namens 'Domain Namen System' (DNS) ähnlich einem Tele­fon­buch. „Ich nahm die Hypertext-Idee, verband sie mit dem Über­tra­gungs­pro­tokoll und dem DNS - tata - da war das World Wide Web!”, beschreibt der Erfinder die Tat.

Doch in seiner typisch beschei­denen Art unter­treibt Berners-Lee maßlos. Tatsäch­lich waren etliche Jahre inten­siver Arbeit vor­aus­gegan­gen, bevor er 1990 sein WWW zusam­men­gespon­nen hatte. Um aus den eher theo­reti­schen Ansätzen von „Hypertext” praktisch nutzbare Technik zu machen, musste er kom­pli­zierte Software ent­wickeln. Auf seinem NeXT-Computer, einem Vorläufer der mod­erns­ten Apple-Rechner, schrieb er den ersten Web-Browser der Welt. Zudem mussten Regeln auf­gestellt werden, wie zwei Rechner mit­ein­ander „sprechen” konnten. Berners-Lee nannte sie „HTTP”, für HyperText-Transport-Protokoll.

Erfolgs­rezept Freie Software

Am 30. April 1993 gab das CERN die Regeln und die Software zur Nutzung frei. Ursprüng­lich hatte man gedacht, sie für 200 Dollar pro Lizenz abzugeben. Doch hatte das For­schungs­zen­trum dafür keine geeignete Ver­wal­tung und war ohnehin nicht pro­fit­ori­entiert. Das war die wohl wich­tigste Voraus­set­zung für das schnelle Wachstum des WWW. Als offener Standard, anstatt durch Patente geschützt, wurde es der Welt geschenkt.

Doch wenn sich der Brite heute ansieht, was alles im Internet passiert, gruselt es ihn manchmal. Vor allem junge Nutzer sollten sich besser schützen, sagte der 52-Jährige vor einiger Zeit in einem BBC-Interview. Kinder und Jugend­liche geben zu viele private Infor­matio­nen von sich im Netz preis, zum Beispiel auf Webseiten wie SchülerVZ. „Man sollte sich vor­stel­len, dass alles, was man da hin­ein­schreibt, von der Person gelesen wird, bei der man sich um seinen ersten Job bewirbt. Auch von euren Eltern, von euren Groß­eltern und sogar von euren Enkeln!”, warnt er.

Skeptisch ist Berners-Lee auch beim Markt­geschrei um „Web 2.0”. Er hält es für Geschwätz, „keiner weiß genau, was der Begriff bedeutet”. Das Web, das er erfunden hat, bestand nicht nur aus einem Browser, der Dokumente von einem Server abruft. Genauso wichtig war ihm vor 15 Jahren, dass jeder Nutzer auch selbst Inhalt erstellen konnte. Diese Fähigkeit ging - vor allem durch die ersten kom­mer­ziel­len Netscape-Browser - dem WWW eine Zeit lang verloren, bis sie nun unter dem Namen „Web 2.0” wieder entdeckt wurden. Für Berners-Lee also ein wirklich alter Hut.

Zukunft heißt auch: Seman­tisches Netz

Er setzt mehr auf das „Seman­tische Netz”, in dem nicht nur Worte, sondern auch deren Bedeutung maschi­nen­les­bar verknüpft wird. „Sein Nutzen wird es sein, dass Daten auf solche Arten wieder-genutzt werden, die ihr Verfasser nicht vor­her­gese­hen hat”. Sein „semantic web” soll das beste­hende WWW ergänzen und nicht ablösen, schrieb er vor einigen Tagen in sein Blog.

Wie schon gut 500 Jahr zuvor der Druck­pres­sen-Erfinder Gutenberg, zog auch Lee keinen kommerz­iellen Nutzen aus seiner Erfindung (im Unter­schied zu Gutenberg aller­dings frei­wil­lig). Aber beiden wurde und wird große öffent­liche Aner­ken­nung zuteil. Gutenberg durfte als Hofe­del­mann des Erz­bischofs von Mainz, Adolf II. von Nassau, zahl­rei­che Pri­vile­gien genießen. Tim Berners-Lee darf sich seit 2004 mit dem Prädikat „Sir” schmücken. Ver­gan­genes Jahr nahm Queen Elisabeth II ihren Ritter sogar in den super-exklu­siven „Order of Merit” auf, dem überhaupt nur 24 Personen angehören dürfen.

Jochen Magnus

Weiterführende Links:

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http://rhein-zeitung.de/on/08/05/01/service/computer/r/www15.html
Donnerstag, 01. Mai 2008, 21:15 © RZ-Online GmbH (jo)
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