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Freitag, 02. Mai 08

Eichstätt 3Eichstätt - Die Eichstät­ter feiern in diesem Jahr das 1100-jährige Beste­hen ihrer Stadt. Im Natur­park Alt­mühl­tal gelegen ver­brei­ten mit­tel­alter­liche Kirchen und Paläste...

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Wein­gar­ten - Laut dröhnt die schwere Glocke der Basi­lika von Wein­gar­ten, die weit sicht­bar auf dem Mar­tins­berg in Ober­schwa­ben thront. Es ist 7.00 Uhr am Morgen...

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Barocker Brauch: Blutritt in Weingarten

Wein­gar­ten - Laut dröhnt die schwere Glocke der Basi­lika von Wein­gar­ten, die weit sicht­bar auf dem Mar­tins­berg in Ober­schwa­ben thront.

Stundenlang im Sattel

Die Reiter beim Blut­ritt von Wein­gar­ten müssen einiges an Kon­dition mit­brin­gen. (Bild: R. Jakubek/Stadt Wein­gar­ten/dpa/tmn)

Es ist 7.00 Uhr am Morgen, und Tau­sende Pilger bevöl­kern den Platz vor der Sand­stein­fassade des baro­cken Got­tes­hau­ses.

Feierlich wird die Reliquie des Hei­ligen Blutes aus der Abtei­kir­che getra­gen. Nur einmal im Jahr holen die Pater das goldene, mit Edel­stei­nen ver­zierte Kreuz aus dem Altar­raum ins Freie - für die Pro­zes­sion am soge­nann­ten Blut­frei­tag, der in diesem Jahr am 2. Mai gefei­ert wird.

Deutschlands größte Barockbasilika

Eine 67 Meter hohe Kuppel krönt die Martins-Kirche in Wein­gar­ten in Ober­schwa­ben. (Bild: Ober­schwa­ben Tou­ris­mus/dpa/tmn)

„Der Blut­frei­tag ist für mich das Non­plusul­tra des christ­lichen Jahres”, sagt Gebhard Schüle, „er gibt mir Halt für's ganze Jahr.” Wie viele andere Pilger kommt der Schwabe seit Jahr­zehn­ten jeweils am Freitag nach Christi Him­mel­fahrt nach Wein­gar­ten, wo Katho­liken die Heilig-Blut-Reli­quie schon seit mehr als 900 Jahren ver­ehren.

Zu Orgelklängen, laut gesprochenen Gebeten und Foto­knips­geräu­schen reitet ein Pries­ter im fest­lichen Gewand auf einem Schim­mel durch die Menge und nimmt das Reli­qui­enkreuz ent­gegen. Nun kann die Pro­zes­sion begin­nen - jedes Jahr zieht sie rund 30 000 Besu­cher an.

Prozession durch die Felder

Der Blut­ritt von Wein­gar­ten findet tra­ditio­nell am Freitag nach Christi Him­mel­fahrt statt. (Bild: Daniela David/dpa/tmn)

Auf der Rück­seite der großen Klos­ter­anlage warten schon etwa 1000 Pferde mit Reitern, fest­lich geklei­det in Gehrock und Zylin­der, und Rei­terin­nen im Minis­tran­ten­gewand. Denn Frauen und Mädchen dürfen am Blut­ritt nur als Minis­tran­tin­nen teil­neh­men. Weitere 2000 Pferde stehen in den Straßen der Klein­stadt, bereit für ihren Abritt in genau fest­geleg­ter Rei­hen­folge. Der Heilig-Blut-Reiter mit der Reli­quie in der Hand erteilt den Segen. Dann setzen sich die Rei­ter­grup­pen in Bewe­gung. Für dieses Ereig­nis reisen sie mit Pfer­dehän­gern und Kut­schen aus ganz Ober­schwa­ben an.

Gemeinsam mit Musikkapellen aus den Orten der Umge­bung ziehen fast 3000 Pferde durch Wein­gar­ten und seine Flure. Der Ritt gilt als größte Rei­ter­pro­zes­sion Europas. „Der Blut­ritt sym­boli­siert unsere Iden­tität, er ist ein Stück unseres Herzens”, erklärt der Ober­bür­ger­meis­ter der 25 000-Ein­woh­ner-Stadt, Gerd Gerber. Vom Balkon des Rat­hau­ses grüßt er die vor­bei­zie­hen­den Reiter.

Der Heilig-Blut-Reiter

Der Mann im Mit­tel­punkt des Gesche­hens: Der Heilig-Blut-Reiter. (Bild: R. Jakubek/Stadt Wein­gar­ten/dpa/tmn)

Anders als in der nahe gele­genen Stadt Ravens­burg, wo his­tori­sche Türme und Bür­ger­häu­ser mit reich ver­zier­ten Fassa­den die Alt­stadt domi­nie­ren, bildet in Wein­gar­ten seit jeher die statt­liche Klos­ter­anlage das Zentrum des Inter­esses. Heute leben nur noch fünf Mönche in dem einst bedeu­ten­den Bene­dik­tiner­klos­ter. „Die Kuppel ist mit 67 Metern Höhe die größte nörd­lich der Alpen”, sagt Stadt­füh­rer Raimund Kolb und gelei­tet eine Besu­cher­gruppe in Deutsch­lands größte Barock­basi­lika. Der von Licht durch­flu­tete Innen­raum bietet viel Platz für Tou­ris­ten und Pilger, die auf dem Jakobs­weg von Nürn­berg nach San­tiago di Com­pos­tela in Spanien hier Station machen.

„Dieses Gotteshaus ist wie die Musik von Händel: groß und heftig, dabei klar und nicht ver­spielt”, schwärmt Kolb. Nam­hafte Künst­ler der Barock­zeit waren am Werk: Die far­ben­freu­digen Decken­fres­ken stammen von Cosmas Damian Asam, das impo­sante Altar­bild vom Kir­chen­maler Franz Joseph Spieg­ler. Die gold­ver­zierte Große Orgel von Joseph Gabler mit fast 7000 Pfeifen gilt als Meis­ter­werk der Orgel­bau­kunst.

Auftritt mit Fahnen und Standarten

Am tra­ditio­nel­len Blut­ritt in Wein­gar­ten nehmen rund 3000 Reiter teil. (Bild: R. Jakubek/Stadt Wein­gar­ten/dpa/tmn)

Im Unter­geschoss der Kirche befin­det sich die schmuck­lose Grab­lege der Welfen. „Die Welfin Judith von Flan­dern war es, die im Jahr 1094 dem Konvent die Blut­reli­quie ver­macht hat”, erklärt der Stadt­füh­rer. Der Über­lie­ferung zufolge enthält die Reli­quie einen Bluts­trop­fen aus der Sei­ten­wunde Christi. Eine Geschichte mit viel Sym­bol­gehalt: „Keiner fordert da heute eine DNA-Analyse”, sagt Kolb und lächelt.

Das Stadtmuseum im „Schlössle” mit seiner Renaissance-Fassade stellt die His­torie Wein­gar­tens von der Klos­ter­grün­dung 1056 bis in die Neuzeit vor. Die Samm­lung zeigt auch barocke Devo­tio­nalien und seltene Votiv­bil­der, Volks­kunst aus vielen Jahr­hun­der­ten. Außer­dem erfährt der Besu­cher, dass der Blut­ritt unter den Natio­nal­sozia­lis­ten ver­boten war und erst vom Jahr 1948 an wieder statt­fin­den konnte.

Inzwi­schen ist es 11.00 Uhr vor­mit­tags, die Reiter kehren nach und nach von ihrer Pro­zes­sion zurück. Etwas erschöpft vom mehr­stün­digen Beten und Reiten kommen sie am Wein­berg von Wein­gar­ten vorbei. „Unser Wein wird nur zu beson­deren Anläs­sen kre­denzt”, erläu­tert der Win­zer­meis­ter von Wein­gar­ten, Bern­hard Plewe. Für mehr reicht die Menge einfach nicht aus. Die Wein­lese ist an einem Tag voll­bracht.

Nach dem Ritt haben Besu­cher und Teil­neh­mer Hunger, in Gasthö­fen wie dem „Bären” sind schwä­bische Spe­zia­litäten wie Maul­taschen, saure Linsen mit Sai­ten­würs­ten und Zwie­bel­rost­bra­ten gefragt. Gemüt­lich und unauf­geregt ist die Stim­mung, „und auch aus dem Blut­ritt wollen wir keinen 'Event' machen”, sagt Mit­orga­nisa­tor Wolf­gang Habis­reu­tin­ger. „Unser Fest soll auch in Zukunft authen­tisch bleiben.”

Infor­matio­nen: Amt für Kultur und Tou­ris­mus, Müns­ter­platz 1, 88250 Wein­gar­ten, Telefon: 0751/40 51 25, Inter­net: www.wein­gar­ten-online.de Von Daniela David, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/03/28/magazin/reise/deutschland/t/rzo412876.html
Freitag, 28. März 2008, 10:22 © RZ-Online (NewsDesk)
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