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Mittwoch, 07. Mai 08

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Siehe auch:

Best­sel­ler­auto­rin im Interview

Mit Rebecca Gablé zurück ins Mit­tel­alter

Rebecca Gablé hat sich mit ihren his­tori­schen Romanen einen großen Fankreis erschrie­ben. Am Sonntag, 18. Mai, liest sie auf der Burg Eltz. Erstmals können zehn Leser unserer Zeitung die exklusive Ver­anstal­tung besuchen.

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"Ich finde es legitim, his­tori­schen Figuren Gefühle und Motive anzu­dich­ten"

(Rebecca Gablé)

Ein Gespräch mit Rebecca Gablé ist wie eine spannende Zeitreise. Begeben wir uns zurück ins England des 15. Jahr­hun­derts.

  • Hätten Sie im eng­lischen Mit­tel­alter als Autorin einen ange­sehe­nen Job gehabt?

Nein, eher nicht. Die mit­tel­alter­lichen Dichter konnten in aller Regel nicht von ihrer Dicht­kunst leben. Es waren entweder Mönche - und die waren ohnehin materiell versorgt. Oder es waren Leute, die aus der gehobenen Bür­ger­schicht kamen und mit diversen Ämtern ihre Familien ver­sorg­ten.

  • Wie hätte ich Sie ange­spro­chen, wenn wir uns vor 500 Jahren zum Gespräch getroffen hätten?

Für die Berufs­gruppe der Dichter gab es keine eigene Form der Anrede. Wenn ich eine Bür­ger­frau gewesen wäre, hätten Sie "Mistress" zu mir gesagt.

  • Was hätten wir gegessen und getrunken?

Wären wir einfache Leute gewesen, hätte es Bier zu trinken gegeben.

  • Am Vormittag?

Aber ja! Zu jeder Tages- und Nachtzeit gab es Bier. Es war unter Umständen ver­wäs­sert, aber Alkohol wurde zu jeder Mahlzeit getrunken. Vor dem 13./14. Jahr­hun­dert war Wein nur dem Adel vor­behal­ten, aber dann breitete sich auch der Wein beim normalen Volk aus. Vor­zugs­weise gab es süßen Wein - viel süßer als wir ihn heute trinken. Zu essen gab es sehr kräftige Speisen. Reiche Leute aßen viel Fleisch, Gemüse gab es eher selten.

  • Gab es Snacks?

Ja! Es gab süßes Fin­ger­food, das bei Banketten sehr beliebt war.

  • Wir hätten uns damals also in einer sehr ange­neh­men Atmo­sphäre unter­hal­ten.

Och jo - das Fleisch wäre wahr­schein­lich etwas angefault gewesen; es gab ja keine Kühl­schränke. Das wurde mit kräf­tige­ren Gewürzen über­tüncht. Sagen wir so: Wenn wir nicht beide mit einer fürch­ter­lichen Virus­infek­tion dar­nie­der­gele­gen hätten, hätte es eine angenehme Atmo­sphäre sein können.

  • Das klingt ja sehr düster.

Nein, gar nicht, ich wehre mich gegen das Bild vom düsteren Mit­tel­alter. Es war einfach anders, nicht düster.

  • Warum wissen Sie so viel vom Mit­tel­alter?

Weil ich mich seit 15 Jahren mit kaum etwas anderem beschäf­tigte. Ich bin zufällig in meinem Lite­ratur­stu­dium aufs Mit­tel­alter gekommen. Ich musste die englische Literatur des Mit­tel­alters zwangs­weise als Nebenfach studieren - und obwohl ich anfangs "O Schreck" dachte, war es dann Liebe auf den ersten Blick.

  • Können Sie das Englisch des Mit­tel­alters sprechen?

Nein, ich kann es nur lesen. Das ist so ähnlich wie Latein; ich habe nur den passiven Gebrauch der Sprache gelernt. Einen Prosatext kann ich relativ flüssig lesen, nur bei der Dichtung muss ich mich wirklich mit einem Wör­ter­buch hinsetzen.

  • Ist das Schreiben und Lesen von his­tori­schen Romanen eine Flucht aus dem Heute?

Nicht mehr und nicht weniger als das Lesen und Schreiben anderer Romane. Natürlich ist es ver­lockend, sich aus der unü­ber­schau­baren, hek­tischen, modernen Welt in die Ver­gan­gen­heit zurück­zuzie­hen. Aber ich glaube, dass viele Leser auch die Neugier auf die Ver­gan­gen­heit umtreibt.

  • Wie sehr tauchen Sie beim Schreiben ins Gestern ein?

Ziemlich. Es ist schon so, dass ich pha­sen­weise die Realität um mich herum ausblende. Wenn das Telefon klingelt, brauche ich schon eine Sekunde, um mich zu sortieren.

  • Sind Ihnen schon his­tori­sche Fehler unter­lau­fen?

So gut wie nie. Es gibt natürlich immer Klei­nig­kei­ten, die man falsch macht. Aber in der Regel haben Leute, die mir schreiben und mich auf einen Fehler auf­merk­sam machen wollen, unrecht. Ich bin zwar nicht unfehlbar, aber ich recher­chiere sehr gründlich.

  • Darf man eigent­lich his­tori­sche Figuren für einen Roman verwenden und sie sich gleichsam zurecht­bie­gen?

Das ist eine strittige Frage; ich sage natürlich Ja. Die gestren­gen unter den His­tori­kern würden die Frage klar verneinen. Ein Beispiel: Wenn man sagt "Der König starb, und zwei Monate später starb die Königin", dann ist das his­tori­sche Geschichts­schrei­bung. Wenn man aber sagt: "...dann starb die Königin vor Kummer", dann ist das für His­tori­ker unseriös. Aber genau das tue ich, wenn ich his­tori­sche Figuren fik­tio­nali­siere. Man dichtet ihnen Gefühle und Motive für ihr Handeln an. Natürlich wird das nicht immer 100-prozentig zutreffen, aber ich finde es legitim, so etwas zu tun, weil man so die Ver­gan­gen­heit auch einem breiten Publikum nahe­brin­gen kann. Und viele Leser würden sich sonst gar nicht mit den his­tori­schen Per­sön­lich­kei­ten beschäf­tigen.

  • Wie his­torisch exakt wollen Sie sein?

So exakt wie möglich. Ich mische his­tori­sche Figuren mit fiktiven Figuren. Aber ich möchte, dass das per­sön­liche Schicksal meiner Helden auch so hätte statt­fin­den können.

  • Wenn in 200 Jahren ein Autor Rebecca Gablé als his­tori­sche Figur in einem Roman ver­arbei­ten würde...?

...dann wäre mir das egal. Das kriege ich ja dann nicht mehr mit! Das erleich­tert mir meine Arbeit immer ungemein: Auch wenn ich einer Figur ver­sehent­lich ganz furchtbar Unrecht tun sollte, kratzt es diejenige ja nicht mehr. Sie ist seit 500 Jahren aus dieser Welt ent­schwun­den, also kränke ich niemanden mehr.

  • Und im Himmel werden Sie dann gleich vor diverse Herren zitiert...

Das könnte natürlich sein, richtig. Ich hoffe, dass ich das dann mit einem Becher Wein bei einem netten Gespräch schnell ausräumen kann.

  • Welche Ihrer Figuren hat für uns heute noch Vor­bild­cha­rak­ter?

Das finde ich immer schwierig; Figuren mit Vor­bild­cha­rak­ter sind oft uner­träg­lich. Ich will einfach von Menschen erzählen, die so Macken und Fehler hatten wie die heutigen Menschen. Gut, was man von der Ver­gan­gen­heit lernen kann, ist zum Beispiel der Umgang mit dem Tod. Weil der Tod all­gegen­wär­tig war und immer in aller Öffent­lich­keit passierte, hatten die Menschen dazu ein sehr unver­krampf­tes Ver­hält­nis und konnten dieses Schicksal besser akzep­tie­ren. Das finde ich sehr benei­dens­wert.

  • Haben Sie denn eine Figur ent­wickelt, die Sie selbst nicht ausstehen können?

Manche Schurken sind mir regel­recht ans Herz gewachsen; manche finde ich aber auch ganz schreck­lich. Es ist mir aber mal passiert, dass ich eine Frau­enfi­gur im Roman "Das Lächeln der Fortuna" erfunden habe, die mir nach 200 Seiten dann so auf den Wecker gegangen ist, dass sie...

  • ...die Pest bekam.

Nein, sie starb im Kindbett... Ich konnte sie nicht mehr aushalten und habe sie einfach entsorgt.

  • Wie behalten Sie den Überblick, wenn Sie einen Clan wie die Waring­hams erschaf­fen?

Innerhalb eines Buches finde ich es gar nicht schwer, den Überblick zu behalten. Das ist so, wie wenn man selbst eine große Familie hat. Da weiß man ja meistens auch zumindest ungefähr, wer wer ist. Ich beschäf­tige mich beim Schreiben so intensiv mit meinen Figuren, manchmal über zwei Jahre hinweg, dass ich sie in- und auswendig kenne.

  • Gibt es unter den his­tori­schen Autoren einen Kampf um Themen? Die englische Geschichte ist ja nicht uner­schöpflich!

Keinen aktiven Kampf, aber es gibt Sachen, die unter die Kategorie "dumm gelaufen" fallen. Ich wollte einen Roman über die späte angelsäch­sische Zeit schreiben, 50 Jahre vor der nor­man­nischen Eroberung, über König Alfred den Großen. Das war der einzige König der eng­lischen Geschichte, der diesen Beinamen bekam! Und da kam mir der Kollege Bernard Cornwell mit seiner "Weißen Reiter"-Trilogie zuvor. Da kann man nichts machen! Dann muss man zehn Jahre warten, bevor man dann an das Projekt geht und die gleiche Zeit aus einer anderen Per­spek­tive heraus schildert.

  • Wie hätten wir uns denn vor 500 Jahren ver­abschie­det, Mistress?

Mit "Gehabt Euch wohl".

  • Ver­beu­gung oder Hän­deschüt­teln?

Ver­beu­gung.

  • Wegen Infek­tions­gefahr?

Nee. Männer haben Frauen nicht die Hand gegeben, das war nicht üblich.

Das Gespräch führte Michael Defran­cesco

Alle Infos zur Bur­gle­sung mit Rebecca Gablé finden Sie auf der Abo-Vor­teils­seite.

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http://rhein-zeitung.de/on/08/05/07/magazin/r/gable-1.html
Mittwoch, 07. Mai 2008, 14:01 © RZ-Online (to)
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