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Mittwoch, 07. Mai 08

Jakobsweg 3San­tiago de Com­pos­tela - Vor einem Jahr konnte sie kaum laufen. Nach einem schwe­ren Fahr­rad­unfall wäre Rosi Brüg­gen­werth aus Schwerte fast gestor­ben. Hüft­bruch, Becken­bruch, Lun­genem­bolie.

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Pilgern auf dem Jakobsweg in Spanien

San­tiago de Com­pos­tela - Vor einem Jahr konnte sie kaum laufen.

Jakobsweg 3

Eindrucksvolle Kirchen gibt es entlang des Jakobs­weges viele - die Kathe­drale von Leon gehört zu den größten dar­unter. (Bild: Ture­spana/dpa/tmn)

Nach einem schwe­ren Fahr­rad­unfall wäre Rosi Brüg­gen­werth aus Schwerte fast gestor­ben. Hüft­bruch, Becken­bruch, Lun­genem­bolie.

Jetzt will sie wieder ihren Körper spüren. Schritt für Schritt geht die schlanke Frau, bis sie nur noch den Takt der eigenen Füße fühlt. Sie ist 60 Jahre alt, blond und trägt immer Lip­pen­stift. „Das Ziel zieht”, sagt sie. Auf dem Rücken ein acht Kilo schwe­rer Ruck­sack, an dem eine Jakobs­muschel baumelt, das Erken­nungs­zei­chen der Pilger.

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Die Ent­deckung der Lang­sam­keit - Pilger nehmen sich Zeit, die Land­schaft zu erleben. (Bild: Dohler/dpa/tmn)

Am Ende wird sie etwa eine Million Schritte gegan­gen sein. Das sind rund 700 Kilo­meter von Pam­plona bis San­tiago de Com­pos­tela, bis zum Grab des Apos­tels Jakob. Rosi will sehen, was mit ihr in dem Monat pas­siert. Am Anfang ist die Moti­vation. Das Gefühl, ange­kom­men zu sein, soll folgen. Dazwi­schen liegt ein Weg.

Der Jakobsweg ist neben den Strecken nach Rom und Jeru­salem eine der großen Pil­ger­rou­ten der Chris­ten­heit. Im Mit­tel­alter gingen die Men­schen den Jakobs­weg auf der Suche nach einer Wun­der­hei­lung oder damit Gott ihnen ihre Sünden vergibt. Heute sind viele der rund 100 000 Pilger jähr­lich nicht auf der Suche nach Gott, sondern nach sich selbst. Ein Kana­dier erzählt, dass er den Weg schon zweimal gegan­gen sei, um eine Ent­schei­dung zu treffen. Nach dem ersten Mal gab er seinen Job als Che­miker auf und wurde Musiker, nach dem zweiten Mal trennte er sich von seiner Frau. Beim dritten Anlauf genießt er einfach den Weg ohne zu grübeln.

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Schon im Mit­tel­alter sind Pilger durch Nord­spa­nien gezogen - vorbei auch an den Säu­len­kapi­telen des Klos­ters San Juan in Huesco. (Bild: Ture­spana/dpa/tmn)

Auch wenn die Pilger stre­cken­weise alleine wandern, wird an manchen Orten deut­lich, wie viele Men­schen unter­wegs sind: Das „Cruz del ferro” (Eisen­kreuz) ist auf einem rie­sigen Stein­berg am Weges­rand, etwa 200 Kilo­meter vor dem Ziel, errich­tet. Jeder Stein steht für einen Pilger, der Wünsche und Hoff­nun­gen nie­der­gelegt hat.

Der Verlauf des Weges steht fest. Die Pilger müssen nichts weiter tun, als einem Muschel­sym­bol durch Spanien folgen - auf Feldern, Asphalt, Wald­boden und Stein. Durch das Bas­ken­land, Navarra, Rioja, Kasti­lien-Leon und Gali­zien. Jede Provinz ist wie ein eigenes Land, etwas Typi­sches bleibt im Gedächt­nis: Die mys­tischen Dörfer in Gali­zien mit den Stor­chen­nes­tern auf den Kirchtür­men, die gewal­tige Kathe­drale in León oder die Wein­berge im Rioja.

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Die Jakobs­muscheln geben Pilgern Ori­entie­rung - zur Über­nach­tung können sie an viele Türen klopfen, eine Her­berge findet sich immer. (Bild: Ture­spana/dpa/tmn)

Auch wenn die Weg­stre­cke jeden Tag anders aus­sieht, hat der Pil­ger­all­tag seine Routine. Er beginnt immer mit den­sel­ben Geräu­schen: Erst ist da das Schnar­chen, das in Schlafsälen mit bis zu 80 Betten ent­steht. Wenn die ersten Pilger auf­wachen, beginnt das Rascheln von Plas­tik­tüten, in denen Mikro­faser­klei­dung, Socken, Unter­wäsche, Hand­tuch, Schlaf­sack und Kul­tur­beu­tel ver­staut werden, bevor alles in den Ruck­sack kommt. Licht­kegel von Taschen­lam­pen schwir­ren dazu über die Gesich­ter der noch schla­fen­den Pilger. Viele Wan­derer machen sich noch vor Son­nen­auf­gang auf den Weg.

Pro Tag gehen die Pilger 20 bis 30 Kilo­meter. Das sind je nach Beschaf­fen­heit des Weges fünf bis acht Stunden Marsch. Jeder hat sein Tempo: Der rüstige Rentner mit den Tele­skop­wan­der­stö­cken, der dem jungen Stu­den­ten die Geschichte der Klöster erzählt. Der Mara­thon­läu­fer, der nur kurz „Bon Camino” - „Guter Weg” - ruft, seinen Puls kon­trol­liert und dann vor­bei­zieht. Die füllige ita­lie­nische Groß­mama, die den Weg in Lei­nen­schu­hen und mit einer schwe­ren Bibel im Gepäck bestrei­tet, aber trotz­dem nie aufhört zu lächeln.

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Jakobskirchen wie diese in der nord­spa­nischen Region Navarra säumen den gesam­ten Pil­ger­weg. (Bild: Ture­spana/dpa/tmn)

Alle schlep­pen sich täglich die letzten Meter zur Her­berge. Dort pflegen die Pilger Körper und Gepäck. Es sieht aus wie in einem Laza­rett, und es riecht nach feuch­ten Socken und heiß gelau­fenen Schuhen. In einer Ecke mas­siert eine Ungarin die Füße der Pilger, in der Gemein­schafts­küche fönt ein Brite seine nassen Schuhe. Eine Ame­rika­nerin zählt laut ihre Blasen. Beim Pil­ger­menü, meist Pommes frites mit Fleisch, dazu Rotwein, ist der Weg das Thema: Der Anstieg, der dann doch nicht so anstren­gend war, die sen­gende Hitze auf der schat­ten­losen Strecke und der plötz­liche Regen­guss.

Nicht alle schaffen den Weg. „Viele über­schät­zen sich. Ich habe oft beob­ach­tet, dass Leute abbre­chen müssen”, sagt Rosi Brüg­gen­werth. Wer den Weg doch schafft, steht kurz vor dem Ende wie schon viele Wan­derer zuvor auf dem Monte do Gozo und erblickt zum ersten Mal die Türme der impo­san­ten Kathe­drale von San­tiago. Schein­bar endlos zieht sich das letzte Stück bis zum Ein­gangs­por­tal, obwohl das Ziel so nah ist. Auf dem großen Vor­platz fallen sich die Pilger in die Arme und werfen dann pflicht­bewusst einen Blick in die Grab­stätte des Apos­tels Jakob - nicht ohne den hek­tisch genu­schel­ten Segen eines Pries­ters zu emp­fan­gen.

Infor­matio­nen: Spa­nisches Frem­den­ver­kehrs­amt, Myli­uss­traße 14, 60323 Frank­furt, Hotline für Info­mate­rial: 06123/991 34

Spa­nisches Frem­den­ver­kehrs­amt: www.spain.info Von Chris­tine Dohler, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/05/06/magazin/reise/traumziele/t/rzo423239.html
Dienstag, 06. Mai 2008, 12:16 © RZ-Online (NewsDesk)
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