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Mittwoch, 07. Mai 08

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Mit GPS und Computer: Laufen als Hightechsport

Düs­sel­dorf - Als Burk­hard Swara im Jahr 1976 den dritten Berlin-Mara­thon in 2:46:31 Stunden hinter sich brachte, kam er in Schuhen ohne Fußbett und Dämp­fung ins Ziel.

Schuhwerk im Vergleich

Einen Brüt­ting-Lauf­schuh von 1977 hält die Lau­fex­per­tin Cor­nelia gegen den moder­nen „Asics-Kinsei” (o.) in ihrem Lauf­laden in Düs­sel­dorf. (Bild: dpa)

Das baum­woll­gewebte Lauf­hemd war schwer vom Schweiß der 42,2 Kilo­meter langen Anstren­gung. Seine Zwi­schen­zei­ten hatte der heutige Betrei­ber eines Lauf­sport­geschäfts in Düs­sel­dorf mit einer ein­fachen Stopp­uhr am Arm über­prüft. Inzwi­schen hat die Brei­ten­sport­art Laufen, die mit der Trimm­trab-Bewe­gung in den 70er Jahren eher gemäch­lich begann, eine rasante tech­nische Ent­wick­lung hin­gelegt. Und die Leis­tungs­kon­trolle macht auch vor Wel­traum­tech­nik und Com­puter nicht mehr Halt.

Die wenigen Laufschuhmodelle der Früh­zeit trugen klang­volle Namen wie „Achill” oder „Meile”. Rif­felsohle oder Noppen sollten den Vor­trieb begüns­tigen, Wild­leder­besatz war Son­deraus­stat­tung. „Heute sind rund 1000 ver­schie­dene Modelle auf dem Markt”, erzählt Swara. Und auch der bewe­gungs­freu­dige Kunde erkennt schnell, dass Lauf­schuh nicht gleich Lauf­schuh ist, wenn er Schlag­worte wie Motion Control und Cushion, EVA und Flex­kerbe, Pro­nation und Supi­nation hört. Der Insider weiß, dass diese Begriffe Eigen­schaf­ten des Schuhs und die Fuß­stel­lung seines Benut­zers beim Laufen beschrei­ben. Das mög­lichst leichte Sport­gerät besteht heute gänz­lich aus Che­mie­faser und Kunst­stoff.

Auch bei der Lauf­beklei­dung wird heute Che­mie­faser statt was­ser­sau­gen­der Baum­wolle und Flanell ver­arbei­tet. „Wenn man früher richtig gedampft hat, wurden die Kla­mot­ten bleischwer”, erin­nert sich Swara. Bei Regen seien bis­wei­len sogar Hosen­trä­ger ein­gesetzt worden, um der langen Trai­nings­hose Halt zu geben. Heute soll feder­leichte Klei­dung aus far­ben­fro­her Funk­tions­faser im Ein­bahn­straßen­prin­zip den Sport­ler­schweiß sofort vom Körper nach außen leiten und die Unbil­den des Wetters weit­gehend von der Haut fern­hal­ten.

Revolutionär verlief die Entwicklung der Sport­uhren. Der tech­nisch begabte Läufer von heute kann alles Mess­bare messen - so er denn will. Ein Sender im Brust­gurt funkt die Herz­fre­quenz an die Uhr, die neben diver­sen Puls­wer­ten auch Kalo­rien­ver­brauch und Geschwin­dig­keit ermit­telt. Per Infra­rot­schnitt­stelle wird der Daten­satz auf den Com­puter über­tra­gen. Statt Brust­gurt gibt es auch das Lauf­hemd mit ein­genäh­tem Sender und wer seiner Uhr vor dem Lauf ein Zeichen gibt, spart mit der „Autolap”-Funk­tion den Knopf­druck zur Zwi­schen­zeit.

Das ursprüng­lich zu militäri­schen Zwecken im Weltall instal­lierte GPS hilft auch im Kampf gegen Mit­läu­fer und inneren Schwei­nehund. Min­des­tens vier der bis zu 28 in rund 20 000 Meter Höhe um die Erde krei­sen­den Satel­liten haben des Läufers GPS-Uhr ständig im Visier und geben Aus­kunft über Lauf­kurs, Distan­zen und Höhen­meter. Wer den künst­lichen Him­mels­kör­pern nicht traut, kann ganz bodenstän­dig Aus­kunft erhal­ten. Ein in die Lauf­sohle ein­geleg­ter oder auf dem Spann befes­tig­ter Sensor wird auf den Lauf­stil des jewei­ligen Läufers aus­gerich­tet und über­spielt alle wich­tigen Daten auf ein Display am Arm.

Heinz Huber, Breitensportbeauftragter beim TSV Bayer Lever­kusen, sieht die Mess­freude der Läufer mit Wohl­wol­len: „Der Puls ist ein gutes Kri­terium für den Ein­stei­ger, der sich anfangs gern viel zu hoch belas­tet”, sagt der 43-Jährige, der elf Jahre Lau­fer­fah­rung in die Waag­schale werfen kann, „deshalb arbei­ten wir zumin­dest in den ersten sechs Monaten immer mit der Herz­fre­quenz.” Einen ganz anderen Ansatz hat Helge Knigge von der Deut­schen Sport­hoch­schule in Köln: „In der heu­tigen Gesell­schaft ist es üblich, alles zu bewer­ten, zu nor­mie­ren und ein­zuord­nen.

So wie ein Auto­fah­rer alles über die Leis­tungs­daten seines Wagens wissen will, sammeln viele Läufer Daten über die Leis­tungs­fähig­keit ihres Körpers”, erläu­tert der pro­movierte Sport­wis­sen­schaft­ler. Das sei zwar einer­seits geeig­net, die eigene Selb­stein­schät­zung zu ver­bes­sern. „Ande­rer­seits ist das die Abkehr vom erwünsch­ten natür­lichen Umgang mit Bewe­gung”, ist sich der ehe­malige Mara­thon­läu­fer sicher. „So ein Lauf­com­puter kann ganz schön Druck machen und wir sollten uns gern bewegen und nicht, weil wir müssen.” Von André Kal­breier, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/05/02/magazin/szene/t/rzo422404.html
Freitag, 02. Mai 2008, 16:16 © RZ-Online (NewsDesk)
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