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Samstag, 25. Nov. 17
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Hausaufgaben per E-Mail: Lernen an der Fernschule

Hamburg - Ob Nach­wuchss­port­ler, musi­kali­sches Aus­nah­meta­lent oder junger Fern­seh­star - der täg­liche Gang zur Schule lässt sich für manche Kinder und Jugend­liche nur schwer zwi­schen Trai­ning und Wett­kampf oder Probe und Auf­tritt pressen. Doch es gibt Alter­nati­ven.

Fernschulen

Lernmaterialien im ILS Insti­tut für Lern­sys­teme GmbH in Hamburg: Beim Fern­unter­richt kommen die Lern­mate­ria­lien per Post oder Email. (Bild. dpa)

Denn lernen kann man auch per Inter­net. Zwei der berühm­tes­ten Fern­schü­ler haben gerade im März ihren Real­schul­abschluss geschafft: Tom und Bill Kaulitz von der Teenie-Band Tokio Hotel. Für die Leitung der web-indi­vidu­alschule in Bochum glich die Prüfung einem Aus­nah­mezu­stand: „Die Mädchen haben uns die Haus­num­mer und die Klingel geklaut, selbst die Steine aus dem Vor­gar­ten sind als Anden­ken gestoh­len worden”, erzählt Schul­lei­terin Jen­nifer Kraut­scheid. Dabei sind die Zwil­linge nur ein ein­ziges Mal über den Gar­ten­weg gelau­fen: Der Unter­richt fand per Glas­faser­lei­tung statt.

Das Prinzip des Fernunterrichts ist bei Pro­minen­ten wie bei Welt­rei­sen­den stets das gleiche: Per Post oder E-Mail bekom­men die Schüler Unter­richts­mate­ria­lien und Auf­gaben, die genau auf ihren Wis­sens­stand im jewei­ligen Fach zuge­schnit­ten sind. Im Chat oder per Telefon tau­schen sie sich mit ihren Lehrern aus, nur für die Abschluss­prü­fun­gen müssen sie anrei­sen. „Es gibt immer wieder Schüler, die zum ersten Mal ein Schul­gebäude betre­ten und zum ersten Mal einen Lehrer sehen, wenn sie zu den Prü­fun­gen für Externe kommen”, berich­tet Iris Döll-Krämer vom ILS, dem Insti­tut für Lern­sys­teme in Hamburg, das auch Berufs­aus­bil­dun­gen anbie­tet.

Die Pro­jekt­lei­terin des Fern­lehr­werks für deut­sche Schüler im Ausland hat den Unter­richt über große Distan­zen mit auf­gebaut. „Eigent­lich liegt der Fokus auf dem Kind, das im Ausland lebt”, sagt die 56-Jährige. „Die Idee war: Wenn man nicht überall deut­sche Schulen in Gebäu­den hin­set­zen kann, kann man eine deut­sche Schule als Fern­lehr­werk auf­bauen.” Inzwi­schen büffeln 600 Schüler welt­weit den Stoff von mehr als 15 Fächern beim ILS. „Wir haben prak­tisch ein Gesamt­schul­prin­zip. Die Aus­gangs­basis ist für alle gleich, aber die Gym­nasias­ten bekom­men noch ordent­lich etwas oben­drauf”, erklärt Döll-Krämer.

Etwa bis ins Alter von zwölf Jahren benöti­gen die Schüler noch einen Erwach­senen, der sie beim Lernen anlei­tet. Danach arbei­ten sie in der Regel selbst­stän­dig - und teilen sich den Lern­stoff und ihre Zeit frei ein. Ein unschätz­barer Vorteil, findet Nach­wuchs-Pia­nis­tin Julia Kam­mer­lan­der, die sich derzeit per Fern­unter­richt auf das Abitur vor­berei­tet. „Ich habe immer sehr inten­siv Musik gemacht. Irgend­wann wuchs die Belas­tung von der Schule ebenso schnell wie die vom Klavier, und es war klar, dass es so nicht gut wei­ter­gehen kann.”

Zunächst ver­suchte Kam­mer­lan­der die Schul­zeit abzukür­zen, indem sie zwei Klassen über­sprang. Zugleich ver­such­ten ihre Eltern, die Erlaub­nis zum Fern­unter­richt zu bekom­men. „Am Anfang haben sie überall nur Abfuh­ren bekom­men, das war schon sehr schwie­rig und sehr frus­trie­rend”, berich­tet die heute 19-Jährige. Erst mit Hilfe eines „Unter-, Neben-, Hin­ter­para­gra­fens” ließ sich das Schul­amt umstim­men.

Denn in Deutschland besteht für Kinder unter 16 Jahre Schul­pflicht, sie müssen min­des­tens zehn Jahre lang in die Schule gehen. „Da müssen schon bein­harte Gründe vor­lie­gen, damit das Schul­amt eine Befrei­ung aus­spricht”, erläu­tert Döll-Krämer. Kraut­scheit hat die Erfah­rung gemacht, das am ehesten für männ­liche Nach­wuchss­port­ler eine Aus­nahme gemacht wird. „Gerade sport­liches Enga­gement bei Jungen ist viel ange­sehe­ner als ein Mädchen, das singt oder modelt.” Dass für diese Jugend­lichen oft schon allein wegen des Neids der Klas­sen­kame­raden jeder Schul­besuch zum Spießru­ten­lauf werde, würde dabei ver­ges­sen.

Ob sie vom Unter­richt befreit sind oder nicht - das ist Schul­ver­wei­gerern egal. Viele dieser Dauer-Schwän­zer leben in einem schwie­rigen sozia­len Umfeld, einige gar auf der Straße, mal hier, mal da. Den Haupt­schul­abschluss aber, den wollen sie dennoch. „Uns ist es egal, ob wir heute die Post nach Düs­sel­dorf schi­cken und morgen nach Köln”, berich­tet der Leiter der Flex-Fern­schule in Brei­sach-Ober­rim­sin­gen in Baden-Würt­tem­berg, Thomas Heckner. Sind die Prü­fun­gen einmal erfolg­reich absol­viert, lernt ein Drittel der frühe­ren Ver­wei­gerer gleich weiter - für den Real­schul­abschluss. Von Elke Richter, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/14/service/berufbildung/t/rzo417353.html
Montag, 14. April 2008, 13:21 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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