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Dienstag, 10. Dez. 19

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Probleme mit dem Kreuz durch Sakroiliakal-Gelenk

Frank­furt/Main - Es ist eines der unschein­bars­ten Gelenke des gesam­ten Körpers - und doch eines der wich­tigs­ten: das Sakroi­lia­kal-Gelenk.

Sakroiliakal-Gelenk

Übergang vom Rücken zum Becken - bei einer Blo­ckade ver­ursacht das Sakroi­lia­kal-Gelenk heftige Beschwer­den. (Bild: DAK/Wigger/dpa/tmn)

Dieses Gelenk zwi­schen dem Kreuz­bein und dem Darm­bein in der Hüfte stellt den Über­gang von der Wir­belsäule zum Becken dar.

Ist es gestört, sind heftige Schmerzen die Folge. „Es ist damit das zen­trale Bewe­gungs­organ des Körpers”, erklärt der Sport­medi­ziner Win­fried Banzer von der Uni­ver­sität Frank­furt. „Es wird bei jedem Schritt bewegt und ist selbst durch die Bewe­gung der inneren Organe aktiv.” Wenn dieses kaum bekannte Gelenk blo­ckiert ist, drohen massive Ein­schrän­kun­gen im all­täg­lichen Leben.

Versteckt liegt das Sakroi­lia­kal-Gelenk am Ende der Wir­belsäule tief im Becken. „Es ist außen und innen völlig von zahl­rei­chen Bändern über­zogen, die das Gelenk sta­bili­sie­ren, ihm aber auch nur mini­malen Bewe­gungs­frei­raum geben”, erklärt der Orthopäde und Unfall­chir­urg Bernd Kladny von der Fach­kli­nik Her­zogenau­rach.

Da es die Wirbelsäule mit den unteren Extre­mitäten ver­bin­det, wird es bei jedem Schritt und jeder Drehung bewegt - und ist beson­ders anfäl­lig. „Denn wenn die Bänder, Muskeln und Organe, die alle auf das Gelenk ein­wir­ken, nicht richtig zuein­ander stehen, sondern bei­spiels­weise durch Ver­här­tun­gen oder Zer­run­gen gestört sind, leidet auch das Gelenk dar­unter”, sagt Kladny. „Dann muss man je nach Dia­gnose bei­spiels­weise die Gesäßmus­kula­tur oder durch einen Sturz gezerrte Bänder behan­deln.” Ein Symptom für so eine Störung ist laut Banzer, dass man sich seine Socken nicht mehr richtig anzie­hen kann.

Ein wei­teres häu­figes Problem ist die Blo­ckie­rung des Ilio­sakral-Gelenks, wie es auch genannt wird. „Die Ursache ist noch nicht wirk­lich bekannt. Man ver­mutet aber, dass es Infor­mati­ons­pro­bleme durch die Nerven sind”, erläu­tert Banzer, der auch Gesund­heits­experte des Deut­schen Olym­pischen Sport­bun­des ist. Auch dann ist das Gelenk in seiner Bewe­gungs­fähig­keit ein­geschränkt, benötigt aber eine andere The­rapie als bei einer Funk­tions­störung.

„Die Diagnose dieser Leiden ist aller­dings sehr schwie­rig, weil die Schmer­zen oft nicht dem Sakroi­lia­kal-Gelenk zuge­ord­net werden”, sagt Hendrik Schütz, Medi­ziner aus der Nähe von Kiel. Dann kann es pas­sie­ren, dass ein Patient Nacken­schmer­zen hat - die Ursache aber im Kreuz­bein-Darm­bein-Gelenk liegt, das die Wir­belsäule aus­glei­chen will, was zu Ver­span­nun­gen am anderen Ende des Rückens führt.

„Es kann aber auch sein, dass durch Pro­bleme im Gelenk die Hüfte etwas ver­dreht und die Beine daher unter­schied­lich lang sind”, sagt Schütz. „Mit einer falschen Dia­gnose könnte ein Arzt dem Pati­enten dann Ein­lagen für die Schuhe ver­schrei­ben - die das eigent­liche Problem aber nicht beheben würden.”

Laut Prof. Banzer müssen auch Ärzte beim Kreuz­bein-Darm­bein-Gelenk oft kapi­tulie­ren: „Seine Behand­lung ist mit einem Spe­zial­wis­sen ver­bun­den.” Für die Pati­enten kann das unter Umstän­den zu einem län­geren Lei­dens­weg als nötig führen, da sie wegen ihrer Sym­ptome erst auf andere Ursa­chen behan­delt werden, als es die Pro­bleme am Gelenk eigent­lich erfor­der­ten.

Wer jedoch die rich­tige Dia­gnose gestellt bekommt, hat gute Chancen auf Heilung, sagt Orthopäde Kladny. Denn abhän­gig von der Ursache können ver­schie­dene Formen der manu­ellen Medizin helfen. „So können die gestör­ten Weich- oder Gelenk­teile bezie­hungs­weise das ver­hakte Gelenk wieder befreit werden.” Gut sei zudem, dass größere Ein­griffe meist nicht nötig seien: „Ope­ratio­nen am Sakro-Iliakal-Gelenk sind sehr selten - eine abso­lute Rarität!”

INFO: Schwangere sind besonders häufig betrof­fen

Schwan­gere Frauen leiden dabei beson­ders häufig unter Pro­ble­men des Sakroi­lia­kal-Gelenks. „In dieser Zeit werden die Bänder von Natur aus weicher, damit sich das Becken zur Geburt weiter öffnen kann”, erklärt der Medi­ziner Hendrik Schütz. „Dadurch wird die gesamte Becken­kon­struk­tion inklu­sive des Kreuz­bein-Darm­bein-Gelenks insta­biler und kann sich leich­ter ver­schie­ben und in einer falschen Posi­tion ein­ras­ten.” Auch ein Sturz kann das fragile Gleich­gewicht im Becken durch­ein­ander­brin­gen. „Das sind heftige Schmer­zen, die oft mit einem Hexen­schuss oder einem Band­schei­ben­vor­fall ver­wech­selt werden”, erläu­tert der Experte.

Deut­sche Gesell­schaft für Orthopä­die und Orthopä­dische Chir­urgie e. V.: www.dgooc.de

Deut­scher Olym­pischer Sport­bund: www.dosb.de Von Aliki Nas­sou­fis, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/04/09/service/gesundheit/t/rzo415986.html
Mittwoch, 09. April 2008, 9:22 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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