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Montag, 18. Dez. 17
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Diagnose Krebs: Studenten üben Patientengespräche

Würz­burg - Man könnte eine Steck­nadel fallen hören, wäre da nicht das Summen der Neon­röhre und das leise Weinen von Frau Klein, das die bedrü­ckende Stille durch­dringt.

Brustkrebs

Mit der Dia­gnose Krebs ist es nicht getan: Einige Unis üben mit den Stu­den­ten das Über­brin­gen schlech­ter Nach­rich­ten. (Bild: dpa)

Nervös knetet die junge Frau ihre Hände, wippt mit den Füßen. Jens Bie­sen­baum im weißen Arzt­kit­tel blickt betre­ten auf seinen Zettel, auf dem die hoff­nungs­lose Dia­gnose für seine Pati­entin steht: Min­des­tens sechs Metas­tasen im Gehirn lassen keinen Zweifel - Frau Klein wird in wenigen Monaten sterben. Das auf­rei­bende Gespräch mit der schlech­ten Bot­schaft dauert keine zehn Minuten, als plötz­lich eine Stimme „Cut” ruft und Arzt und Pati­entin, im wirk­lichen Leben Student und Schau­spie­ler, auf­sprin­gen.

„Man fühlt sich hilflos in dieser Situa­tion”, gesteht Jens Bie­sen­baum, der an der Uni­ver­sität Würz­burg im siebten Semes­ter Medizin stu­diert und an diesem Tag den weißen Kittel für ein Kom­muni­kati­ons­semi­nar mit etwa einem Dutzend Teil­neh­mern ange­zogen hat. Die Ver­anstal­tung - seit drei Semes­tern für jeden Stu­den­ten der Medi­zini­schen Fakul­tät Pflicht - soll ange­hen­den Ärzten helfen, uner­freu­liche Dia­gno­sen ange­mes­sen zu über­brin­gen. Denn bei der Fülle an Lern­stoff wurde vor allem eine Fer­tig­keit bisher sträf­lich ver­nach­läs­sigt: die Kom­muni­kation mit dem Pati­enten.

Was seit den 60er Jahren in den USA und Groß­bri­tan­nien zum Stan­dard­pro­gramm für Medi­zin­stu­den­ten gehört, fasst mit vierzig Jahren Ver­spätung nun auch in Deutsch­land Fuß. Birgitt van Oor­schot, Ärztin für Strah­len­the­rapie und Pal­lia­tiv­medi­zin an der Uni­kli­nik der Main­stadt, betreut das Seminar aus medi­zini­scher Sicht. „Nor­maler­weise”, berich­tet die Ärztin, „ist man beim Über­brin­gen schlech­ter Nach­rich­ten auf sein Bauch­gefühl ange­wie­sen.” Ledig­lich damit gerüs­tet, erlei­den die meisten Ärzte beim ersten heiklen Auf­klärungs­gespräch jedoch Schiff­bruch.

„Blickkontakt mit dem Patienten auf­zuneh­men und ein fester Hän­dedruck mit dem Pati­enten sind natür­lich abso­lute Voraus­set­zung für den Beginn eines Gesprächs”, sagt van Oor­schot. Das A und O sei es außer­dem, aus­rei­chend Zeit und Raum für Emo­tio­nen zu zulas­sen. „Selbst­ver­ständ­lich muss man dem Pati­enten auch die Mög­lich­keit geben einfach zu weinen.” Ein­fühl­sam unan­genehme Wahr­hei­ten zu kom­muni­zie­ren, sei auf vielen Kli­nik­sta­tio­nen uner­läss­lich: „Arbei­tet man auf der Krebs­sta­tion, muss jede Woche eine schlechte Nach­richt über­bracht werden”, erzählt van Oor­schot.

Nur auf ihr Bauch­gefühl müssen sich die Stu­den­ten in dem Seminar nicht ver­las­sen. „Nehmen Sie das Tempo raus und gehen Sie auf Gefühle ein”, rät die Psy­cho­login der Medi­zini­schen Fakul­tät, Silke Neu­derth. Völlig falsch sei es zum Bei­spiel, den Pati­enten mit zu vielen Infor­matio­nen zu über­schüt­ten. Ist die schlechte Bot­schaft noch dazu in medi­zini­sche Fach­spra­che ver­packt, sei das Ziel völlig ver­fehlt: das Ein­gehen auf die Situa­tion und die Gefühle des Betrof­fenen.

„Das Thema Tod und Sterben ist für viele Medi­zin­stu­den­ten ein schwie­riges Thema”, berich­tet Schau­spie­ler Johann Ertl, der im Kurs den krebs­kran­ken Herrn Gebauer mimt. Seine Erfah­rung sam­melte Ertl auf Klein­kunst­büh­nen in Würz­burg. Doch bei dem Kurs kommt es dem Lai­enschau­spie­ler nicht auf Unter­hal­tung an. Immer wieder kommt Ertl auf das Wesent­liche zu spre­chen: Mut zur Wahr­heit. Manche Stu­den­ten würden sich selbst in der nach­gestell­ten Situa­tion vor dem Aus­spre­chen der Dia­gnose drücken, erzählt der Schau­spie­ler. „In so einer Situa­tion flippe ich gerne mal aus, um die Stu­den­ten aus der Reserve zu locken.”

Studentin Ester Balint drückt sich nicht. „Ich muss leider sagen, wir haben wieder etwas gefun­den”, sagt die 24-Jährige ihrem Pati­enten und blickt diesem dabei fest in die Augen. Noch vor zehn Minuten konnte sie das Rol­len­spiel ihres Kom­mili­tonen kaum ertra­gen, so rea­lis­tisch erschien das Gespräch der Stu­den­tin. „Früher oder später muss ich sowieso solche Nach­rich­ten über­brin­gen”, räumt die künf­tige Ärztin ein.

Bisher gibt es ähnliche Projekte nur an fünf wei­teren Hoch­schu­len in Deutsch­land, sagt Psy­cho­login Neu­derth und zählt Berlin, Hei­del­berg, Münster, Hamburg und Frei­burg auf. Bay­ern­weit sei das Würz­bur­ger Seminar ein­malig. Dennoch müsste der Kurs häu­figer durch­geführt werden. „Ledig­lich ein ein­ziges Rol­len­spiel im ganzen Studium ist nicht aus­rei­chend”, bewer­tet Ärztin van Oor­schot ihr eigenes Projekt, das sie aus Jena mit nach Würz­burg brachte. Sch­ließ­lich will Ein­fühl­sam­keit gelernt sein. Von Hannes Voll­muth, dpa

dpa-infocom


http://rhein-zeitung.de/on/08/05/14/service/berufbildung/t/rzo425345.html
Mittwoch, 14. Mai 2008, 13:13 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)
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