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Kirchenähnliche Trau-Zeremonien mit «Marry Man»

Nieder-Olm Sein Berufs­ziel aus alten Mess­die­ner­tagen, irgend­wann Papst zu werden, hat Chri­stoph Sauer schon früh begra­ben müssen.

Seit er 2003 seine Kar­riere als «Marry Man» begann, muss der 34-Jährige häufig erklären, dass er nicht einmal ein­facher Pfarrer ist.

Denn der gelernte Sprecher und Musik­wis­sen­schaft­ler arran­giert kirchenähnliche Trau-Zere­monien - «mit Gänsehaut-Faktor». Dazu gehören eine aufs Braut­paar zuge­schnit­tene, unter­halt­same Anspra­che, das Ja-Wort des Paares und der fei­erli­che Ring­tausch. Sie erset­zen aller­dings weder die kirch­liche noch die stan­des­amt­liche Trauung: «Ich habe keine höheren Weihen, weder vom Staat noch von der Kirche», sagt Sauer.

Viele Paare könnten oder wollten nicht kirch­lich hei­raten, weil sie schon geschie­den seien oder mit der Kirche nichts am Hut hätten. Ganz ver­zich­ten auf eine würde­volle und bewe­gende Feier mit Ehe­ver­spre­chen in Braut­kleid und feinem Zwirn wollten sie aber auch nicht. «Da bin ich dann der Kom­pro­miss», sagt er. Zumal die stan­des­amt­liche Trauung oft eher nüchtern von­stat­ten­gehe. «Eine Braut hat mir mal gesagt: 'Ich bin zwar Atheis­tin, aber roman­tisch.' Das bringt es ganz gut auf den Punkt, warum sich Braut­paare für mich ent­schei­den.»

Für die Vorbereitung seiner mitunter humor­vol­len Anspra­chen nimmt sich Sauer viel Zeit, denn die Zere­monie soll dem Braut­paar ein Leben lang in Erin­nerung bleiben. «Ich ver­suche, eine Ver­anstal­tung zu machen, bei der gelacht und geweint wird», sagt er. «Aber manch­mal muss ich bei der Krea­tivität etwas bremsen, es soll ja kein Kas­perle- Theater werden.» Inzwi­schen errei­chen den gebürtigen Mainzer Anfra­gen aus halb Europa. Ob eine Hoch­zeit zünftig in Öster­reich, piek­fein in Hamburg oder aus­gelas­sen auf Mal­lorca gefei­ert werden soll: Sauer «traut» seine Paare, wo er kann. Bis Sep­tem­ber sei er an den Woche­nen­den «gut ausgefüllt».

Die Idee für seine Tätigkeit kam ihm 1997, nachdem er als Trau­zeuge die Hoch­zeit seines besten Freun­des in Amerika ver­folgt hatte. Voller Begeis­terung von der Anspra­che und der Atmosphäre der «freien» Trauung habe er sich auf dem Rückflug nach Deutsch­land gedacht: «Wieso sollten wir das nicht auch hier machen können?» Mit Sprech­aus­bil­dung, Musik­stu­dium und Erfah­run­gen im Jour­nalis­mus sah sich Sauer bestens für den Job gerüstet. «Ich habe meine drei beruf­lichen Talente - Reden, Schrei­ben und Singen - in einen Topf gewor­fen, umgerührt und das ist dann dabei her­aus­gekom­men.»

Bei einem seiner ersten Auftritte als «Marry Man» in einem Hotel unter­lief ihm dann aus Uner­fah­ren­heit aber zunächst ein Schnit­zer: In seinem schwar­zen Anzug von der Stange hielten ihn die Hoch­zeitsgäste für einen Mit­arbei­ter des Hotels. «Und die vom Hotel dachten, ich bin der Bräutigam.» Seither trägt Sauer einen maßgeschnei­der­ten dun­kel­brau­nen Cut mit Goldknöpfen. «Im Innen­fut­ter steht sogar 'Marry Man' drin.»

Sauer selbst ist nicht ver­hei­ratet. Seine Glaubwürdig­keit als «Marry Man» leide aber nicht dar­unter. «Die Frage wird mir natürlich häufig gestellt.» Dann stelle er immer die Gegen­frage, was die Leute wohl dächten, wenn aus­gerech­net seine Ehe irgend­wann in die Brüche geht. Trocken fügt er hinzu: «Ein Kri­miau­tor muss auch nicht erst jeman­den um die Ecke gebracht haben, um glaubwürdig zu sein.»

Weitere Infor­matio­nen: www.mar­ryman.com Von Daniel Kirch, dpa

dpa-infocom