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Das Ich auf der Brust: Sommer-Auftritt für das T-Shirt

Berlin/Stutt­gart Es gibt T-Shirts, die Geschichte geschrie­ben haben. Und es gibt «Bett-T-Shirts», die niemand sehen soll.

Manchem dient das schlichte Klei­dungsstück als lässiger Überwurf, wenn gerade nichts anderes zur Hand ist.

Das Lieblings-T-Shirt dagegen kann die ganze Welt bedeu­ten. Über all das ent­schei­den Sitz und Auf­druck. Im Sommer, wenn es warm ist und das T-Shirt nicht unter dem Pull­over ver­schwin­det, ist es eines der bedeu­tends­ten Klei­dungsstücke.

«Das T-Shirt ist die Visi­ten­karte seines Trägers», sagt Prof. Stephan Schnei­der vom Insti­tut für expe­rimen­tel­les Beklei­dungs­design an der Uni­ver­sität der Künste in Berlin. «Es steht für die Sehn­sucht, eine Aussage zu machen.» Und es sei das Para­debei­spiel dafür, dass ein Klei­dungsstück allein ein Sta­tement sein kann. «Seit den 90er Jahren ist Mode viel intel­lek­tuel­ler gewor­den - sie muss jetzt im Gegen­satz zu den 80er Jahren eine Aussage haben», erläutert der renom­mierte Desi­gner, der in Ant­wer­pen arbei­tet. Das T-Shirt ermögliche es, Bot­schaf­ten «vor sich her zu tragen».

Und das ist noch immer so. «Ich glaube, dass die Fas­zina­tion des T-Shirts darin liegt, dass es für alles steht, was moderne Mode aus­macht: Sport, Fitness, Komfort, man muss es nicht bügeln, es ist klas­sen­los und jugend­lich», sagt der Stil­experte Bern­hard Roetzel aus Berlin. Auch Schnei­der sieht im Fun­damen­talen des T-Shirts seine stilprägende Kraft: «Es gilt heute als uncool, sich bemüht modisch anzu­zie­hen. Und das T-Shirt ist einfach, aber immer lässig» - so wie es unter einem Anzug bei Helmut Lang oder Calvin Klein gezeigt wurde. Nicht umsonst waren sie Desi­gner­hel­den der 90er Jahre.

Das klas­sische, puris­tische «T» ohne Schnörkel beim Schnitt redu­ziert die Aussage auf das Wesent­liche. Umso besser kann die Bot­schaft wirken. Und so demons­triert das T-Shirt Zugehörigkeit und Ableh­nung. Seine her­aus­ragende Bedeu­tung erhielt das Klei­dungsstück in den 50er Jahren durch Marlon Brando - er machte das einst­malige Unter­hemd über­haupt erst gesell­schaftsfähig, indem er es im Film zum Symbol des Rebel­len erhob, erklärt der Stil­bera­ter Ruben D'Laguna Diaz aus Stutt­gart. Es war ein Tabu, Unterwäsche offen zu tragen - und Brando brach es.

Seitdem werden politische Botschaften und Zugehörig­kei­ten mit Vor­liebe auf der Brust getra­gen - in den 80er Jahren Anti-Atom­kraft-Aussprüche, in den 90er Jahren die lustig ver­frem­deten Han­dels­mar­ken­namen auf Raver-Shirts. Immer waren T-Shirts ein Bekennt­nis zu Rock­bands oder anderen Künstlern - niemand druckt «Metal­lica» oder «Baby­sham­bles» auf Pyjamas oder Socken.

Und so ist «I love New York» eines der Motive, das heute fast jedes Kind kennt. Und auch der Auf­druck der «Rolling-Stones-Zunge» hat sich im kol­lek­tiven Gedächtnis ver­ankert. Je nach Mode teilt eine bestimmte Marke, Band oder ein Slogan die Masse in Träger von «richtig» und «unrich­tig», in Kenner und Nicht­ken­ner. «Man kann mit dem T-Shirt viel zeigen: Wer ich bin, was ich denke - dazu war das T-Shirt seit jeher da», sagt Diaz. «Es zeigt, wo ich hingehöre.»

Da ist es kein Wunder, dass beinahe jeder in seinem Leben einmal ein Lieb­lings-T-Shirt hatte, dem er sich unzer­trenn­lich ver­bun­den fühlte. Das T-Shirt ist Aushänge­schild der Identität: «Es ist die Möglich­keit, Bot­schaf­ten zu ver­brei­ten», sagt Roetzel - sei es poli­tisch oder modisch, etwa durch den Einsatz bestimm­ter Farben.

«Dieses Anar­chi­sche hat sich das T-Shirt bis heute bewahrt», sagt Roetzel. Auch zum Anzug sei es heute in Ordnung, wenn der Träger Non-Kon­for­mis­mus demons­trie­ren will. «Dieser Look zeigt ganz deut­lich: 'Ich trage keine Kra­watte'», erklärt Roetzel. Wie so oft ist aber gerade ein unbemüht wir­ken­der Look mit viel Mühe ver­bun­den.

«Das T-Shirt muss zum Typ und an den Körper passen - es muss gut sitzen», sagt Diaz. Ein Bier­bauch sei - wie meist - dem smarten Look nicht zuträglich. Und je nach Auf­druck oder Farbe könne es leger oder edler wirken. «Ein weißes T-Shirt zur Jeans, ob mit oder ohne Motiv, mit einem leich­ten Sakko dazu - das ist zeitlos modisch und passt überall.» T-Shirt und Körper­form Ein T-Shirt verhüllt nichts - es zeigt deut­lich, wie der Körper geformt ist. Der Stil­bera­ter Ruben D'Laguna Diaz aus Stutt­gart emp­fiehlt es daher vor allem Men­schen mit «T»- oder mit «I»-Figur - wer sich beim Blick in den Spiegel eher an ein «O» oder eine Birne erin­nert fühlt, trägt besser noch etwas darüber. Vor allem «unten­herum», also auf der Hüfte, sollte nicht zu viel Speck sitzen, damit ein T-Shirt wirk­lich lässig wirkt. Von Thors­ten Wiese, dpa

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