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Wellness und Schönheitskuren für Kinder

Titisee/Han­nover Früh soll sich üben, wer schön sein will: Nach der Mode­bran­che haben auch Well­ness­hotels und Schönheits­salons Kinder als Kunden ent­deckt - oder viel­mehr deren zah­lungs­wil­lige Eltern.

Ob spe­zielle Scho­komas­sagen, Haar­schnitte oder Maniküren: Viele Anbie­ter haben sich auf die Bedürfnisse der Kleinen ein­gestellt. Dabei treiben die Ange­bote hier­zulande längst nicht so skur­rile Blüten wie in den USA. Dort sind in manchen Kreisen selbst Augen­brau­enzup­fen und die ein oder andere Kor­rek­tur bei Kindern keine Sel­ten­heit mehr. In Deutsch­land setzen Hotels und Salons vor allem auf kind­gerechte Verwöhnpro­gramme.

«Wir wollten ein Angebot auch für Kinder schaf­fen, wenn die Eltern bei uns sind», sagt die Kos­meti­kerin Chris­tine Hom­bur­ger vom Hotel Maritim in Titisee-Neu­stadt. Seit drei Jahren stehen Scho­kosahne-Bad, Scho­komas­sage und spe­zielle Beauty-Behand­lun­gen für Tee­nager­haut auf dem Pro­gramm des Well­ness-Hotels. Zur Kund­schaft gehören vor allem 8- bis 15-Jährige, im Aus­nah­mefall sind auch Vierjährige dabei. Einer Vierjährigen mal die Nägelchen zu lackie­ren, hält Hom­bur­ger nicht für ver­werf­lich.

Dabei weiß sie um die Kritik mancher Pädagogen und Psy­cho­logen, die ange­sichts solcher Ange­bote um das See­len­heil der Kinder bangen. «Wenn eine Vierjährige wie Mama sein will und ihren Lip­pen­stift oder Nagel­lack aus­pro­biert, ist das völlig normal und auch gut», sagt zwar der Erzie­hungs­wis­sen­schaft­ler und Psy­cho­loge Wolf­gang Berg­mann aus Han­nover. Für bedenk­lich aber hält er es, wenn sol­cher­lei Aktio­nen und Well­ness-Auf­ent­halte zur Regel werden.

«Mal ist das völlig okay. Aber durch eine Regelmäßigkeit wird den Kindern ver­mit­telt: So, wie ich jetzt bin, bin ich nicht lie­bens­wert», sagt Berg­mann. Das gelte nicht nur für Schönheits­behand­lun­gen, sondern auch für Verwöhnpro­gramme. «Kinder haben sich und ihren Körper oft noch gar nicht ken­nen­gelernt», sagt er und weist darauf hin, dass die Kinder bei pro­fes­sio­nel­len Mas­sagen nahezu passiv sind. «Da besteht die Gefahr, dass sich ein extrem ego­zen­tri­sches Ich-Gefühl ent­wickelt - und dieser kleine Mensch zu einem nar­ziss­tischen Cha­rak­ter wird.»

Im schlimms­ten Fall würde vor allem den Mädchen ein Per­fek­tions-Ideal ver­mit­telt, in dem Natürlich­keit kaum noch vor­komme. Und Strei­chel­ein­hei­ten der Eltern könnten Profi-Mas­sagen ohnehin nicht erset­zen.

Das Spa & Wellness Resort «Roman­tischer Winkel» in Bad Sachsa (Nie­der­sach­sen) setzt bei seinem spe­ziel­len Kinder-Beauty-Pro­gramm auch auf Gesund­heits­vor­sorge. Neben einer Aroma-Wohlfühlmas­sage und einem Well­ness­fri­seur bietet das Fünf-Sterne-Haus auch einen «Medical-Kids-Check» und Sport­stun­den zur Schu­lung von Körper­hal­tung und Beweg­lich­keit. All das soll «neue Kraft für die alltäglichen Her­aus­for­derun­gen wie Schule, Haus­auf­gaben, Musik- oder Bal­lett­unter­richt» geben. «Und in Sachen Kos­metik geben wir den Tee­nagern auch oft noch Tipps für zu Hause mit», sagt Spre­che­rin Tanja Becker.

Christine Hom­bur­ger weist darauf hin, dass bei den Behand­lun­gen in ihrem Haus aus­sch­ließlich natürliche Stoffe ver­wen­det werden. So haben Hautärzte grundsätzlich auch weitaus weniger Beden­ken als die Pädagogen, wenn es um die neuen Well­ness-Ange­bote für Kinder geht: «Die Vor­schrif­ten für Pflege- und Kos­metik­pro­dukte für Kinder sind genauso streng wie für Erwach­sene», sagt der Der­mato­loge Prof. Diet­rich Abeck aus München. Daher seien die meisten Behand­lun­gen völlig unbe­denk­lich. Ledig­lich Pee­lings seien für die emp­find­liche Kin­der­haut nicht unbe­dingt zu emp­feh­len.

Und auch bei Pasten und Salben , die Fruchtsäure ent­hal­ten, sei Vor­sicht geboten, weil diese die Haut irri­tie­ren könnten. Darüber hinaus sei aber wenig zu beach­ten. «Grundsätzlich gilt sowieso, dass normale Kin­der­haut gar keine spe­zielle Pflege braucht - außer bei extre­mer Kälte und bei viel Was­ser­kon­takt», sagt der Der­mato­loge. Ein Selbstgänger sind die Well­ness-Ange­bote für Kinder aber nicht.

Wenig Erfolg hatte zum Bei­spiel Diana Miller mit ihrem Salon «Noemi & Friends» in München. Sie wollte in Schwa­bing die ganze Familie mit Haar­schnit­ten und Beauty-Behand­lun­gen ver­sor­gen. Aber es fehlte die Stamm­kund­schaft: «Die meisten kamen als beson­deres High­light, aber ganz selten regelmäßig», sagt Miller. Für 29 Euro bekamen die Jungs einen Stan­dard­schnitt, für Mädchen kostete der schon 32 Euro. Vielen war das auch im Sze­nevier­tel wohl zu viel Geld. Von Britta Schmeis, dpa

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