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Hase Schnuffel: Klingeltöne und ihre Besitzer

Berlin/München Ein alt­modi­scher Tele­fon­ton, ein 80er-Jahre-Kuschel­rock­song oder ein quäkender Frosch: Man kann sein Handy auf viele Weisen klin­geln lassen.

In gesel­ligen Situa­tio­nen sind nor­males Klin­geln oder das Vibrie­ren aber die ele­gan­teste Lösung.

Denn das demonstriert Abgrenzung zu Fauxpas wie dem sin­gen­den Hasen, Klospülungen oder Bal­ler­mann-Hits. Denn Klin­geltöne sind wie die Klei­dung ein Stil-Sta­tement - und sie ver­raten damit viel über den, der das Telefon ans Ohr nimmt.

Gerade am Musik­geschmack lassen sich Persönlich­keit und Cha­rak­terei­gen­schaf­ten gut erken­nen, glaubt Agnieszka Zyluk vom Klin­gel­tonan­bie­ter Jamba in Berlin. «Aller­dings bekom­men wir nicht so schnell die Möglich­keit, in der Plat­ten­samm­lung des Anderen her­umzustöbern. Genauso viel­sagend und leich­ter in Erfah­rung zu bringen ist der Klin­gel­ton.» Wohl deshalb hat sich das Unter­neh­men die Mühe gemacht, ein­zelne Käufer­typen aus­zufor­schen.

Die Auflistung sei nicht ganz ernst gemeint - sie könne beim Ken­nen­ler­nen neuer Leute aber sehr hilf­reich sein, sagt Zyluk: «Hat jemand zum Bei­spiel einen Song von Bob Dylan oder Jimi Hendrix auf sein Handy geladen, ist diese Person höchst­wahr­schein­lich sehr nach­denk­lich und viel­sei­tig inter­essiert - das heißt, sie ist kreativ, klug und auf­geschlos­sen.»

Dröhnen hek­tische Töne wie der Song «Fire­star­ter» von der Band The Prodigy aus dem Telefon, hat sein Besit­zer nach Einschätzung der Mar­keting-Exper­ten eher einen aus­gefal­lenen Geschmack und einen «aben­teu­erli­chen» Cha­rak­ter­zug: Er geht oft Risiken ein und sammelt gern «auf­regende Erfah­run­gen» - ganz im Gegen­satz zu Men­schen, die ihr Handy mit der Musik von Britney Spears oder Chris­tina Agui­lera klin­geln lassen. «Die gehen am liebs­ten in Discos oder treffen sich mit Freun­den», erklärt Zyluk.

Etikette-Expertin Salka Schwarz aus Berlin rät davon ab, den Klin­gel­ton nach Lust und Laune auf das Handy zu laden: «Men­schen neigen dazu, andere in eine Schub­lade zu stecken - und die Frage ist, in welcher wir landen.» Jeder könne das selbst durch die Wahl seines Klin­gel­tons ein wenig beein­flus­sen - oder eben ver­ursa­chen. Schnell steht der mit dem Telefon in der Hand dann als sin­gen­der Hase Sch­nuf­fel da.

«Wer sich eine Kuschel­rock-Melodie aus­gesucht hat, wird von vielen sicher als Roman­tiker gesehen. Es kann aber auch Leute geben, die so eine Auswahl eher schräg oder pein­lich finden», sagt Schwarz. Die Schub­lade hängt eben auch immer vom Betrach­ter ab, nicht nur vom Han­dybe­sit­zer. Mit einem ganz nor­malen Klin­geln dagegen könne an sich nichts schief gehen - wer aber nicht unbe­dingt als lang­wei­lig oder ein­falls­los gesehen werden will, sollte sich etwas Krea­tives aus­suchen, emp­fiehlt Schwarz.

Strenge Gesetze gelten vor allem im Beruf. «Im geschäftli­chen Bereich ist es unerlässlich, den Klin­gel­ton für sein Handy mit Bedacht auszuwählen», sagt Benimm-Trai­nerin Monika Brett aus Baden-Baden. «Die zen­trale Frage ist hier: Passt er zu mir und zum Unter­neh­men?» Wer in einer Bank arbei­tet, ent­schei­det sich besser für ein unauf­dring­liches Klin­geln. Denn Serio­sität steht im Vor­der­grund. Ein auffälliger Klin­gel­ton kann bei Kun­den­kon­tak­ten schnell störend wirken oder zum Schmun­zeln anregen - das untergräbt die Auss­trah­lung fach­licher Kom­petenz.

Nicht immer muss die Stil­bot­schaft aber einschränken - sie kann auch neue Möglich­kei­ten schaf­fen. Michael Grund­mann aus München zum Bei­spiel hat via Klin­gel­ton eine Möglich­keit gefun­den, sein Hobby nach außen zu tragen und Gleich­gesinnte zu finden: «Ich bin ein abso­luter Fan von den Simp­sons und habe schon seit Jahren die Titel­melo­die der Serie auf meinem Handy», sagt der 32-Jährige. Das bescherte ihm in der Ver­gan­gen­heit schon jede Menge neuer Bekannt­schaf­ten mit anderen Fans der gelben Chaos-Familie. «Ich wurde schon in der U-Bahn ange­spro­chen, nachdem mein Handy geklin­gelt hat. Oder ich bekam abends in der Kneipe Sym­pathie­bekun­dun­gen.»

Und so erkennt Stiltrainer Jan Schau­mann aus Berlin in außergewöhnli­chen Klin­geltönen auch den Wunsch nach Zusam­men­gehörigkeit: «Wer sich zum Bei­spiel die Star-Wars-Melodie her­unterlädt, hofft auch, auf diese Weise mit anderen Men­schen in Kontakt zu kommen, die seine Lei­den­schaft teilen.» Und so kann ein Klin­gel­ton nicht nur den Anruf des Chefs oder der ner­vigen Ex-Freun­din ankündigen. Er kann auch den Freun­des­kreis erwei­tern. Nur zum eigenen Stil muss er passen. Von Manja Greß, dpa

dpa-infocom