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Harley-Davidson: Mit rollenden Ozeandampfern über amerikanische Highways

Jeder Motorradfan dürfte sie kennen: die Electra Glide von Harley-Davidson. Ihre Merkmale sind über all die Jahre ähnlich geblieben: die Frontverkleidung als Schutz vor Wind und Wetter, die dicken Reifen oder die gemütliche breite Sitzbank - und hinten gibt es Koffer für das Gepäck.

Denn die Electra Glide ist kein Motorrad für die Landstraßenhatz. Sie ist der "Ozeandampfer" unter den Motorrädern, gedacht für die lange Tour auf den amerikanischen Highways, der Inbegriff des Tourenmotorrades.

Dass die Marke Harley-Davidson ein Mythos ist, hat viele Gründe. Vor allem ist es der mächtige V-Motor, der für eine typische Geräuschkulisse und einzigartige Optik steht. Daneben ist Harley-Davidson aber auch ein Sinnbild für den Wandel, den das Image des Motorrades ab Mitte der 60er-Jahre durchmachte. Galt es nach dem Krieg noch als Gefährt für diejenigen, die sich kein Auto leisten konnten, machte das Image plötzlich eine Kehrtwendung in Richtung Jugendlichkeit, Freiheit und Abenteuer.

Schutzbleche ade

Der Grund dafür ist nicht zuletzt in dem legendären Hollywood-Film "Easy Rider" von 1969 zu suchen. Darin geht es um Drogen, Amerika und Hippies - vor allem aber darum, auf sogenannten Choppern unterwegs zu sein. Der Begriff ist aus dem englischen "to chop" entstanden, also hacken. Ein Chopper ist daher ein Motorrad, von dem der Besitzer zunächst alle überflüssigen Teile "abgehackt" hat. Und weil man als Basis anfangs vor allem Motorräder von Harley-Davidson zu Choppern umbaute, fielen die bei den Modellen üblichen mächtigen Schutzbleche, die dicken Sättel oder auch die Trittbretter den Umbauarbeiten zum Opfer.

Die Electra Glide an sich war kein Chopper - vielmehr war sie eben das, was man auseinanderpflückte, um einen Chopper zu bauen. Trotzdem - oder gerade deshalb - ist sie ein Beispiel für das, was in jener Zeit beim Motorrad passierte.

Grundsätzlich ist die Marke Harley-Davidson bis heute kein Inbegriff der Modernität. Doch in den 60er-Jahren sah man auch hier ein, dass sich etwas ändern musste. Längst nicht mehr jeder Fahrer hatte Spaß daran, den mächtigen Motor mit einem kräftigen Tritt auf den Kickstarter zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen - und dabei zumindest einen gestauchten Knöchel zu riskieren. Also führte der US-Hersteller 1965 ein erstes Modell ein, das über einen zusätzlichen Knopf auf der rechten Seite des Lenkers verfügte: Ein Druck darauf setzte den elektrischen Anlasser in Bewegung - und der war es schließlich auch, dem die Electra Glide ihren Namen zu verdanken hatte.

Dass die Electra Glide und ähnliche Motorräder als Basis vieler Chopper-Umbauten diente, gibt ihr zusätzliche Bedeutung in der Phase des beginnenden Motorrad-Booms. Denn gerade die wild umgebauten Zweiräder mit langen Gabeln und fantasievoll lackierten Tanks galten bald als Sinnbild des Freiheitsgedankens. Und sie waren wichtig für den Erfolg der Marke Harley-Davidson: Bis heute ist die Modellpalette von Motorrädern geprägt, die auf dem Chopper-Prinzip aufbauen.

In den frühen 70er-Jahren war davon noch wenig zu spüren - vielmehr ging es dem Unternehmen nicht gut. Es gab daher immer wieder Versuche, die Verkaufszahlen zu erhöhen. Kein Wunder also, dass man sich auch der Ideen der Chopper-Bauer bediente. Als Basis für ein erstes derartiges Modell diente der Rahmen der dicken Electra Glide, die auch die Bezeichnung FL trug. Dieser Rahmen wurde wiederum mit einer Gabel der kleineren Sportster-Baureihe XL kombiniert.

Gemischte Baureihen

Doch nicht nur die Teile der Baureihen wurden gemischt, auch die Bezeichnungen - und so entstand aus FL und XL die FX. Nach und nach näherte sich die Optik dieses Modells mit schmaleren Schutzblechen und kleinerem Tank den Idealen eines Choppers an. Heute kann die FX Super Glide als Urahn aller weiteren Harley-Chopper angesehen werden.

Die Electra Glide wiederum gab zwar ihre Technik für derartige Umbauten. Sie selbst wurde aber nie einfach den vorherrschenden Modeströmen angepasst. Mittlerweile ist sie längst nicht mehr das einzige Dickschiff im Harley-Programm, denn wie bei den Choppern ist auch das Angebot an Tourenmotorrädern gewachsen.

So findet sich im Jahrgang 2008 die Road King Classic neben der Street Glide und Electra Glide Ultra Classic. Die alten Merkmale hat sie immer noch - die Verkleidung, die Packtaschen, die breite Sitzbank. Eben alles, was ein "Ozeandampfer" für die Landstraße auch im 21. Jahrhundert immer noch so braucht.

RZO