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Räuber Kneißl - ein Schlitzohr ohne Chance

Mathias Kneißl - der Name ist in Bayern berühmt. Aufmüpfigkeit und Schlitzohrigkeit verbinden die Menschen mit dem Mann, der sich mit Raub, Diebstählen und Wilderei durch das Leben schlug.

Legenden und Moritaten preisen die Streiche, mit denen er der Obrigkeit eins auswischte. Schon zu Lebzeiten galt er als Volksheld und findige Geschäftemacher vermarkteten Postkarten mit spöttischen Karikaturen - sehr zum Ärger der Polizei. Der Mythos konnte Kneißl zwar nicht vor Verrat schützen. 1902 wurde er mit 26 Jahren wegen Raubes und Polizistenmordes hingerichtet. Doch die Legende lebt weiter in Theaterstücken und Filmen. Nun hat sich auch der Regisseur Marcus H. Rosenmüller an diesen urbayerischen Stoff gewagt. Am 21. August startet «Räuber Kneißl» mit Maximilian Brückner («Kirschblüten - Hanami») in der Hauptrolle im Kino.

Kneißl ist darin weniger der gute Rebell, der den Armen den Glauben an Gerechtigkeit wieder gibt. Er ist ein Opfer seiner Lebensumstände. Geboren in eine Familie aus Dieben und Wilderern ist sein Weg vorgezeichnet und er landet bald im Zuchthaus. Als er Jahre später frei kommt, will er anständig leben. Mit seiner Freundin Mathilde (Brigitte Hobmeier - «Nichts als Gespenster») träumt er von einer Zukunft in Amerika. Doch die Reise ist teuer und das Stigma des Zuchthäuslers ist übermächtig. Als er aufgrund von Intrigen seine Arbeit verliert, versucht er verzweifelt, ehrlich zu bleiben. Doch unaufhaltsam gleitet er ins kriminelle Milieu. Von da an geht es rasant abwärts und Kneißl ist wieder ein Getriebener, immer auf der Flucht vor der Polizei.

Rosenmüller hat seinen geradlinig erzählten Streifen zwischen Heimatfilm und Western angesiedelt, untermalt mit theaterhaften und komödiantischen Szenen. Schnelle Schnitte unterstreichen das gehetzte Leben Kneißls, der nur in seltenen Momenten mit Mathilde Ruhe findet - so in der poetischen Szene auf einer Wiese, in der sie sich ausmalen, dem Elend wie Schwalben davon fliegen zu können. Dieser Wechsel macht den Film spannend und sehenswert, zumal lustige Szenen die Geschichte auflockern, ohne sie zu verwässern. Etwas dick aufgetragen ist die Folklore in dem detailverliebt ausgestatteten Streifen. Auch einige Figuren wie etwa Kneißls Mutter (Maria Furtwängler) wirken eher blass und konventionell und tragen wenig zur Geschichte bei. Dafür beeindrucken Brückner und Hobmeier als Liebespaar umso mehr.

Der Film richtet sich stark nach historischen Vorgaben, doch der Regisseur sieht auch aktuelle Bezüge: «Es ist immer noch wahnsinnig schwer für Leute am Rande der Gesellschaft, reinzufinden», sagt Rosenmüller. «Und dann bist du auf einem schönen, geraden Weg in eine Richtung, die man eigentlich verhindern will: dass die Leute gewalttätig werden, dass sie zu Verbrechern und Gewalttätern werden. Dabei wollten die Leute nur eine zufriedene Existenz haben.» Er bewundert Kneißls Geradlinigkeit: «Er ist aufrecht geblieben und ist nicht zu einem Mitläufer geworden, der gebuckelt hat und gesagt hat, dann muss ich eben in Armut leben.»

Ähnliches reizte auch Hobmeier: «Dieser Widerstand des Räubers Kneißl, diese Rebellion, die in diesem Film angesprochen wird, die finde ich ganz wunderbar in einer Gesellschaft, die nur auf Angepasstheit aus ist», sagt die Schauspielerin, die Mathilde eine mädchenhafte Frische verleiht. «Ich habe sehr viel Herzblut und Liebe reingesteckt.» Ihre erste bayerische Filmrolle habe sie sehr genossen. «Es ist die Sprache, die meine Seele spricht.» Die Unmittelbarkeit des Dialektes mache viele Szenen einfacher, «weil Du mit jedem Grummeln im Bayerischen schon Welten ausdrückst.»

Brückner kann an seiner Figur wenig Heldenhaftes finden: «Am Anfang mochten ihn die Leute nicht, doch dann hat er aufbegehrt und die Obrigkeit zum Narren gehalten», meint er. «Später haben dieselben Leute, die ihn erst verehrt haben, ihn wieder verraten und dann haben sie auch noch ein Geschäft aus seinem Schicksal gemacht - es ist total absurd.» Von Cordula Dieckmann, dpa

dpa-infocom