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Altenkirchen: Arzt soll Patienten mit Hepatitis C angesteckt haben

Kreis Altenkirchen/Katzwinkel Schlimmer Verdacht: Sollten sich die Befürchtungen der Betzdorfer Ärztin Eva Wichtmann bestätigen, dann könnten in Katzwinkel und Umgebung zahlreiche Menschen an Hepatitis C erkrankt sein. "Mehr als 20 chronische Fälle habe ich bereits gesichert diagnostiziert", bestätigte sie gestern im RZ-Gespräch.

Der Zeitpunkt der Infektionen liegt womöglich schon Jahrzehnte zurück: "Bis Anfang der 80er praktizierte in Katzwinkel ein Hausarzt, der die Krankheit wohl durch unsaubere Spritzen übertragen hat", vermutet Wichtmann. "Der Arzt selbst ist inzwischen an Hepatitis gestorben", so die Medizinerin.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Peter Wingenfeld hat Wichtmann vor gut einem Jahr die Praxis in Katzwinkel von einem anderen, inzwischen verstorbenen Mediziner als Filialpraxis übernommen, diese aber vor wenigen Wochen aus betriebswirtschaftlichen Gründen wieder geschlossen. "Vor allem die Behandlung von Hepatitis-Patienten ist sehr teuer. Wir hatten aber für Katzwinkel keine eigenen Budgets für Laboruntersuchungen oder Medikamente, sondern mussten diese Kosten aus unserem Betzdorfer Budget mittragen", kritisiert Wichtmann.

Dabei wusste sie bei ihrem Amtsantritt nichts von dem "offenbar alkohol- und drogenkranken Arzt". Erst als sie bei auffallend vielen ihrer Patienten alarmierende Leberwerte feststellte, begann sie zu recherchieren. "Die meisten der Patienten sind ja schon alt und leiden unter mehreren Krankheiten. Da war die oft langsam voranschreitende Hepatitis C nicht sofort erkennbar."

Wie groß das Ausmaß der Hepatitis- Epidemie tatsächlich ist, lässt sich nur schwer sagen. "Berichten meiner Patienten zufolge soll der Arzt benutzte Spritzen lediglich unter dem Wasserhahn abgewaschen haben. Außerdem wurde zur damaligen Zeit noch gerne und oft gespritzt: ob zur Beruhigung oder zur Versorgung mit Vitaminen", erinnert sich Eva Wichtmann. Gravierend könnte auch sein, dass der Arzt offenbar eine riesige Kartei hatte. "Er war sehr beliebt, soll relativ schnell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt haben. Die Leute sind aus der ganzen Region zu ihm gekommen." Aus diesem Grund sei sein "unhygienisches Verhalten" vermutlich lange Zeit toleriert worden. "Bestimmt waren die Katzwinkeler auch froh, dass sie überhaupt einen Arzt im Ort hatten", meint Wichtmann.

Auch wenn Hepatitis C seit 1989 diagnostiziert werden kann, ist für Eva Wichtmann nicht nachvollziehbar, warum diese vielen Fälle aus Katzwinkel so lange nicht thematisiert wurden. Dazu die Kreisverwaltung auf Nachfrage: "Die namentliche Meldepflicht für Hepatitis-C-Fälle besteht erst seit 2001. Bis 2005 gab es in Katzwinkel keinerlei Auffälligkeiten, die Zahlen lagen im Bundesdurchschnitt. 2005 gab es dann fünf Fälle. Das war allerdings überdurchschnittlich hoch", berichten Landrat Michael Lieber und Kreissprecher Joachim Brenner. 2006 war es dann aber wieder nur ein gemeldeter Fall. "Als 2007 dann wieder fünf Patienten registriert wurden, haben wir mit unseren intensiven Recherchen begonnen", so der Landrat weiter. "Zwischen einem dunklen Verdacht und der Erhärtung eines Verdachts braucht es manchmal eine gewisse Zeit", ergänzt Brenner. "Dennoch können wir immer noch nicht abschließend sagen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem ehemaligen Arzt und den vielen Hepatitis-Fällen gibt. Denn noch bis Anfang der 90er-Jahre war unter anderem das Risiko, durch eine Bluttransfusion infiziert zu werden, sehr groß."

Dennoch startet die Kreisverwaltung einen Aufruf an alle Patienten, die zwischen den 50er-Jahren und Anfang der 80er von dem Katzwinkeler Arzt gespritzt wurden. Alle Betroffenen können sich beim Gesundheitsamt einer kostenlosen Blutuntersuchung unterziehen.

Einziger Übertragungsweg von Hepatitis C ist der Kontakt mit verunreinigtem Blut. "Vor allem bei Spritzen ist das Risiko hoch", erklärt Eva Wichtmann, die sich bei der Behandlung infizierter Patienten selbst gut schützen muss. "Hepatitis C verjährt nicht. Die Gefahr, sich anzustecken, ist nach wie vor gegeben." Bei alltäglichen Handlungen wie Hände schütteln oder selbst beim Anniesen könne aber nichts passieren. "Bei der richtigen Therapie kann die Krankheit auch nach Jahrzehnten noch abgeheilt werden. Betroffene sollten sich auf jeden Fall noch gegen Hepatitis A und B impfen lassen, wenn sie bis dato nicht ausreichend geschützt sind", rät Wichtmann. Nadja Hoffmann

RZO