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Der Prunk alter Staatslimousinen

Hamburg Angela Merkel fährt Mer­cedes S-Klasse, 7er BMW oder Audi A8, Nicolas Sarkozy reist im Peugeot 607 oder Citroën C6, und Gordon Brown ist im Jaguar XJ unter­wegs. Alles keine schlech­ten Autos.

Aber von der beson­deren Aus­stat­tung einmal abge­sehen, sind die Dienst­wagen der europäischen Regie­rungs­chefs schlicht und ver­wech­sel­bar. «Das war früher anders», sagt Mer­cedes-Classic-Experte Josef Ernst und erin­nert an die glor­rei­chen Zeiten der repräsen­tati­ven Staats­limou­sinen, die einem Regie­rungs­besuch bereits bei der Vor­fahrt des Staats­gas­tes den Glanz des Beson­deren gaben.

Wer mit hohen Würden oder im offi­ziel­len Auftrag in die «Bonner Repu­blik» kam, dem war eine Fahrt im 600er Pullman so gut wie sicher. Eigens für Regie­rungs­besu­che hatte Mer­cedes zwei Exem­plare der 6,24 Meter langen Luxus­limou­sine mit mas­siver Pan­zerung aufgerüstet. Und weil der französische Staats­chef de Gaulle so groß war, wurde auch noch das Dach um ein paar Zen­time­ter ange­hoben, erzählt Werks­fah­rer Wolf­gang Wösten­dieck, der bei vielen Staats­besu­chen am Steuer saß.

War schon der normale Pullman, der zur Pre­miere 63 500 Mark und damit so viel wie ein Ein­fami­lien­haus kostete, eines der exklu­sivs­ten Fahr­zeuge seiner Zeit, wurde Wösten­diecks Dienst­wagen so zum «ersten Auto der Repu­blik». Nur die Fahr­leis­tun­gen waren eher mäßig: «Weil das Auto mit der ganzen Pan­zerung rund 4,5 Tonnen gewogen hat, durfte ich mit Rücksicht auf Reifen und Bremsen nicht schnel­ler als Tempo 100 fahren», sagt Wösten­dieck und wirkt ein biss­chen nei­disch auf die Fahrer der Seri­enmo­delle: Dort reich­ten die 184 kW/250 PS des 6,3 Liter großen Acht­zylin­ders selbst im langen 600er für 200 Stun­den­kilo­meter (km/h).

Doch Mercedes war im Regierungsfuhrpark nicht allein. Während der Pullman vorne weg fuhr, war die Entou­rage oft im Opel Diplo­mat unter­wegs, erzählt Heinz Zettl, der in Rüssels­heim über den his­tori­schen Fuhr­park wacht. Dafür hatte der Auto­her­stel­ler Mitte der 70er Jahre eigens einige Exem­plare der Ober­klasse-Limou­sine um 15 Zen­time­ter auf 5,07 Meter verlängert und zu offi­ziel­len Einsätzen in Bonn oder Bad Godes­berg samt Fahrer an die Regie­rung aus­gelie­hen.

Bestückt mit allem, was damals gut und teuer war, und ange­trie­ben von einem V8-Motor mit 5,4 Litern Hubraum und 169 KW/230 PS, machte der Diplo­mat seinem Namen alle Ehre. Beson­ders gut in Erin­nerung ist Zettl der Besuch des US-Präsiden­ten Ford, bei der die Entou­rage - Ironie des Schick­sals - eben­falls im Opel chauf­fiert wurde.

Repräsentative Staatslimousinen gab es damals auch in anderen Ländern. Die ame­rika­nischen Präsiden­ten ließen sich bis zum tödlichen Atten­tat auf John F. Kennedy gerne in Cabrios aus dem Ford- oder General-Motors-Impe­rium chauf­fie­ren. Die Herr­scher im Mos­kauer Kreml nahmen ihre Paraden in der rus­sischen Luxus­limou­sine Zil ab, und in Peking war der ganze Stolz der Appa­rat­schicks die Prunkli­mou­sine «Rote Fahne», die ursprünglich mit Lizen­zen aus den USA gebaut wurde und heute mit Technik von Toyota noch immer ange­boten wird.

Auch die europäischen Nach­barn ließen sich bei Staats­besu­chen nicht lumpen. So legte die vor­nehme Jaguar-Schwes­ter Daimler 1968 zum Bei­spiel den DS420 auf. Er war mit einem 4,2 Liter großen und rund 184 kW/250 PS starken V8-Motor, sieben Sitzen und repräsen­tati­vem Format lange Jahre für Kaiser, Könige und Kanzler im Einsatz. Als die Fer­tigung der Limou­sine nach 24 Jahren Bauzeit 1992 ein­gestellt wurde, hatte die Pro­duk­tion etwas mehr als 5000 Fahr­zeuge erreicht.

Und wer als Staatsgast von Frankreich in offi­ziel­ler Mission über die Champs d'Élysées chauf­fiert wurde, genoss den Frühling in Paris zumeist in der eigens für diese Zwecke auf­geschnit­tenen Lang­ver­sion der aktu­ellen Ober­klasse von Citroën. Sowohl die legendäre DS als auch den SM gab es auf beson­deren Wunsch zah­lungskräftiger Staats­kun­den auch als Lan­dau­let.

Heute dagegen fährt der Großteil der Polit­pro­minenz in gewöhnli­chen Luxus­limou­sinen, die allen­falls ein biss­chen besser aus­gestat­tet und gepan­zert sind. «Prunkli­mou­sinen passen nicht mehr so recht zum Demo­kra­tie­verständnis und werden in der nivel­lier­ten Mit­tel­stands­gesell­schaft als falsches Signal gesehen», sagt Mer­cedes-Experte Ernst. Doch ganz vorbei ist die Ära der Son­der­fahr­zeuge noch nicht. So baut etwa Cadil­lac für den US-Präsiden­ten eine luxuriöse Stret­chver­sion des Flagg­schiffs DTS, und VW hat Eng­lands Queen zum Thron­jubiläum eine Spe­zial­aus­gabe des Bentley Arnage geschenkt.

Auch Mercedes knüpft an die Zeiten des Pullman an: Für die Mächtigen in Sonnenländern ohne Sicher­heits­risiko gibt es den Maybach wieder als Lan­dau­let, und für Staats­chefs mit etwas mehr Boden­haf­tung haben die Schwa­ben zum Jah­res­ende eine Neu­auf­lage des Pullman angekündigt, für den die aktu­elle S-Klasse auf 6,70 Meter gestreckt wird. Der Preis, den ein Mer­cedes-Spre­cher «im nied­rigen sie­ben­stel­ligen Bereich» erwar­tet, scheint die Kunden nicht zu stören: Angeb­lich sind die ersten Autos bereits bestellt. Von Thomas Geiger, dpa

dpa-infocom


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