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Audi R8 TDI Le Mans - Der Marathon wird zum Sprint

Hamburg Dass Dieselmotoren laut und langsam sind, glaubt seit dem Siegeszug der Common-Rail-Technik keiner mehr. Bis in die Oberklasse sind die Selbstzünder längst akzeptiert. Nur im Sportwagen haben sparsame Ölbrenner nichts verloren - bislang.

Ein Zwölfzylinder-Diesel im Supersportwagen

Doch ginge es nach Thomas Kräuter, wäre damit eher heute als morgen Schluss. Denn im Kampf gegen die letzten Vorurteile hat der Audi-Entwickler den R8 TDI Le Mans auf die Räder gestellt. Inspiriert vom Sieger-Audi des 24-Stunden-Rennens und angetrieben vom neuen V12-Diesel für den Geländewagen Q7, war die 360 kW/500 PS und 1000 Nm starke Studie ein Star auf den Messen in Detroit und Genf. Aber der Projektleiter hat den Zweisitzer nicht nur zum Anschauen gebaut. Im Gegensatz zu vielen anderen Studien kann er auch fahren - und wie.

So explosiv wie Dynamit

Ein Druck auf den ins neue Lenkrad gerückten Startknopf genügt, dann erwacht das sechs Liter große Triebwerk im Heck zum Leben. Anders als bei den meisten heiß gemachten Benzinern bricht dabei allerdings nicht gleich der Sturm der Hölle los. Ohne den Soundverstärker würde man den Motor zumindest außerhalb des Fahrzeugs kaum hören. Mit der ganzen vornehmen Zurückhaltung ist es aber vorbei, wenn man den kurzen Schaltstummel durch die offene Kulisse in den ersten Gang klackern lässt, die Kupplung zuschnappt und sich der Fuß aufs Gaspedal senkt. Dann hört man förmlich, wie der V12 die Luft durch die sogenannte Naca-Düse auf dem Dach ansaugt. Man fühlt, wie die Zylinder stampfen und sieht, wie der Horizont immer näher kommt. Mit der explosiven Kraft von Dynamit schleudert der Diesel den immerhin 1,9 Tonnen schweren R8 in 4,2 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h). Das ist eine halbe Sekunde weniger als beim serienmäßigen V8-Benziner mit 309 kW/420 PS. Und während der «nur» 301 km/h fährt, schafft die Studie «deutlich über 300 km/h».

Höchstleistung auch im Drehzahlkeller

Zwar wischen die Fahrleistungen jeden Zweifel an der sportlichen Ader des Diesels vom Tisch. Doch müssten sich Möchtegern-Schumis trotzdem umstellen. Nicht nur der Motorsound ist völlig anders. Auch die Drehzahlen haben mit einem althergebrachten Sportmotor nichts gemein. Während der V8-Benziner im R8 munter über 8000 Touren dreht, ist beim Diesel schon mit 4500 Umdrehungen Schluss. Dafür allerdings ist der Motor mit seinem gewaltigen Drehmoment so elastisch, dass man selbst im dritten Gang noch rangieren und im vierten davon spurten kann. So wird die Sechsgangschaltung beinahe zur Automatik.

Mit einer Tankfüllung von München nach Hamburg

Ebenfalls völlig ungewohnt ist der Blick auf die Tanknadel. Nein, die ist kein Imitat und auch nicht kaputt. Sie bewegt sich wirklich so langsam. Zwar gibt es noch keinen offiziellen Normverbrauch. Doch rechnet Kräuter mit knapp unter zehn Litern auf 100 Kilometer. Wo andere Sportwagen von Tankstelle zu Tankstelle hecheln, läuft der Sprinter mit dem Diesel einen ganzen Marathon. «München-Hamburg mit einer Tankfüllung schafft der R8 TDI Le Mans locker», sagt Kräuter.

Die Studie hat fast Serienqualität

Obwohl das Auto ein in nur drei Monaten handmontiertes Einzelstück ist, macht der Wagen einen sehr soliden Eindruck. Natürlich knistert und knarzt es noch ein wenig im Gebälk, die Glaselemente im Dach sind noch aus kaum getöntem Kunststoff und machen den Sportler zur Sauna, und Nebensächlichkeiten wie die Hupe oder die Spiegelverstellung haben die Prototypen-Bauer einfach weggelassen. Aber während andere Designstudien allenfalls im Schritttempo rollen können, fährt der R8 fast wie ein Serienauto. Nur wer zu viel Gas gibt und der Lust an der Leistung erliegt, wird von Kräuter auf dem Beifahrersitz eingebremst. Zwar sprintet die Flunder davon als gäbe es kein Morgen. Doch so ganz zu Ende entwickelt ist sie eben doch noch nicht.

Bislang fehlt das passende Getriebe

Am meisten Sorgen macht den Entwicklern dabei das Getriebe. Die Karosserie können sie ohne den Schnickschnack des Showcars mühelos vom Serienmodell übernehmen, und den Motor kann man bald auch im Q7 kaufen. Doch für die Kraftübertragung müsste ein völlig neues Räderwerk entwickelt werden. «Getriebe für 1000 Nm gibt es sehr wenige, und die sind nur für den Längseinbau geeignet», sagt Kräuter. Das von Hand verstärkte A4-Getriebe des Prototypen taugt für die Serie jedenfalls nicht: «Selbst wenn man es mit Samthandschuhen behandelt, schafft es allenfalls 600 Nm», sagt Kräuter.

Alles hofft auf grünes Licht für die rote Flunder

Noch ist der erste Supersportwagen mit Dieselmotor ein Einzelstück. Doch läuft neben der technischen Weiterentwicklung längst die Marktanalyse. «Derzeit wird untersucht, ob und wie wir das Auto gewinnbringend verkaufen können», sagt Kräuter und hofft auf grünes Licht. Im Sommer soll eine Entscheidung fallen. Wenn alles gut geht, könnte der Sprinter in zwei Jahren zum Marathon starten.

Audi R8 TDI Le Mans
Motor und Antrieb: V12-Common-Rail-Diesel
Hubraum: 5934 ccm
Max. Leistung: 368 kW/500 PS
Max. Drehmoment: 1000 Nm bei 1750 bis 3 000 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte:
Länge: 4431 mm
Breite: 1904 mm
Höhe: 1252 mm
Radstand: 2650 mm
Leergewicht: 1900 kg
Zuladung: 300 kg
Kofferraumvolumen: 100 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,2 s
Durchschnittsverbrauch: 9,9 Liter/100 km
Reichweite: 910 km
CO2-Emission: 262 g/km
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: EU6
Alle Daten laut Hersteller

dpa-infocom


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