IVWPixel Zählpixel
kalaydo.de kalaydo.de Jobs Auto kaufen Immobilien Kleinanzeigen Bei kalaydo.de inserieren In der Rhein-Zeitung und ihren Heimatblättern inserieren Zeitungsanzeige aufgeben kalaydo.de
RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Beruf & Bildung     » News     » Recht     » Weiterbildung     » Wie werde ich…?

Feriencamp mit Berufsberatung: Chance für Hauptschüler

Hat­tin­gen Sie schnei­dern und schwit­zen in der Küche, statt am Strand zu liegen.

Rund 60 Achtklässler aus Nord­rhein-West­falen haben im Feri­enla­ger des Gewerk­schaft­bun­des (DGB) in Hat­tin­gen (Ennepe-Ruhr-Kreis) nur ein Ziel vor Augen.

Nicht zu den Verlierern auf dem Arbeits­markt zu gehören. Drei Wochen lang stand für sie Berufs­bera­tung auf dem Pro­gramm, als Abwechs­lung gab es auch mal eine Pad­del­tour auf der Ruhr oder einen Besuch im Frei­zeit­park. Die meisten Teil­neh­mer kommen von der Haupt­schule. Die hohe Zahl der Schulab­bre­cher - 14 000 Jugend­liche waren es 2006 allein in NRW - waren laut der Gewerk­schaft der Anlass für das Modell­pro­jekt mit dem Namen «Zukunfts­camp - Future Now», das an diesem Woche­nende endet.

«Ich habe es mir viel schlim­mer vor­gestellt», sagt die 13-jährige Mayra Heinz aus Bonn. Sie grinst und lässt die Nähma­schi­nen­nadel über ein Stück roten Stoff rattern. Ganz frei­wil­lig ist sie nicht in Hat­tin­gen. Ihre Mutter hatte sie zur Aktion ange­mel­det, nachdem der Gewerk­schafts­bund in Mayras Klasse für das kos­ten­lose Feri­enan­gebot Werbung gemacht hatte. Die Schüler kommen aus Köln, Bonn, Düren und Jülich. Mit ihren 13 Jahren ist Mayra die Jüngste in der Gruppe, die beiden ältesten Achtklässler sind bereits 16. «Ich habe gedacht, hier kommen nur Streber hin, aber eigent­lich gibt es hier keine», sagt Mayra, während sie ver­sehent­lich über die Stoff­kante hinausnäht.

Die Sommerlager stellten ein «Kick» in der persönlichen Aus­bil­dungs­situa­tion der Jugend­lichen dar, betont DGB-Pro­jekt­lei­terin Heidi Walter. Man könne zu ihnen einen Zugang finden, «der einem in der Schule nicht gelingt.» Neben dem Camp in Hat­tin­gen gibt es ein ähnli­ches DGB-Angebot nur im Land Bran­den­burg.

Mayra hat während des Camps ein Vorbild gefun­den: ihre Grup­pen­lei­terin Caro. Caro­line Sdewn (31) ist Gra­fik­desi­gne­rin. Sdewn hat Design in Dort­mund stu­diert - doch erst nach einem Real­schul­abschluss und einer Aus­bil­dung als Schnei­derin. Das hat Mayra Mut gemacht. «Den Real­schul­abschluss schaffe ich min­des­tens, aber ich will trotz­dem lieber Abi machen», sagt sie und wirkt dabei sehr ent­schlos­sen. Mayra gehört zu den wenigen Gesamtschülern unter den Jugend­lichen. Bis zur siebten Klasse hat sie noch ein Gym­nasium besucht, dann war nach einem Umzug ihr Noten­spie­gel abge­sackt.

Das Konzept der berufsvorbereitenden Camps mit einer Betreu­ung der gefährdeten Jugend­lichen bis zum Schul­abschluss findet im zweiten Sommer immer mehr Unterstützer. Neben Pri­vat­unter­neh­men trägt in diesem Jahr die Bun­des­agen­tur für Arbeit rund die Hälfte der Kosten. Bei der Arbeit­sagen­tur habe man erkannt, dass man in vielen Fällen ein «Repa­ratur­betrieb» sei, erklärt der Vor­sit­zende der Geschäftsführung der Bun­des­agen­tur für Arbeit Köln, Peter Welters, «aber wir müssen früher anset­zen». Die Arbeit­sagen­tur überprüfe die Wirk­sam­keit des Modells. Doch bei rund 280 000 Euro Kosten pro Camp inklu­sive den späteren Woche­nend­kur­sen ist es für die Pro­jekt­lei­terin «illu­sorisch», dass die Aktion für alle 819 nord­rhein-westfälischen Haupt­schu­len ange­boten werden.

Während Mayra ihre rote Tunika für die große Abschlusspräsen­tation am Woche­nende zusam­mennäht, guckt Zemi El-Zein ihr über die Schul­ter. Der 15-jährige Kölner ist der Nachrücker im Team. Zwei Tage vor Beginn der Frei­zeit hat er erst erfah­ren, dass er mit von der Partie ist. «Sehr» habe er sich über die Zusage gefreut, bestätigt er heftig nickend. Vor den anderen Jugend­lichen will er nicht zugeben, warum er sich für das Camp bewor­ben hat. Einzige Bedin­gung für die Auf­nahme war ein selbst­ver­fas­ster Moti­vati­ons­brief der Jugend­lichen. Der Hauptschüler gehört zur Koch­gruppe, die anders als die Schnei­derin­nen schon Fei­erabend hat. Aber als Koch möchte sich Zemi später nicht bewer­ben, er wolle lieber «etwas in der Natur» machen. Aber so genau wisse er das nicht, ein biss­chen ver­legen zuckt er mit den Achseln.

Die Jugendlichen müssten erkennen , was ihre Stärken sind, sagt der Camplei­ter Kai Venohr (36), «denn das gibt Selbst­bewusst­sein». Während die 17 Betreuer in der zweiten Hälfte des Lagers ver­such­ten, den Jugend­lichen in Pro­jekt­grup­pen ein­zelne Berufs­wel­ten nahe­zubrin­gen, stand in der ersten Hälfte ihre soziale Kom­petenz auf dem Stun­den­plan. «Wie wirke ich auf andere», war das große Thema.

«Wir haben hier eine Kli­entel, die nicht einfach ist», beschreibt der Pädagoge die Teil­neh­mer. Die Kinder stamm­ten zum Teil aus Alko­holi­ker­fami­lien, manche seien aus Geld­man­gel keine drei Mahl­zei­ten am Tag gewohnt. Zwei Jugend­liche musste Venohr nach Hause schi­cken, weil sie wie­der­holt Regeln gebro­chen hatten. Für die Semi­nare in der 9. und 10. Klasse sollen sie aber wieder dazu geholt werden. Mit körper­licher Gewalt oder Alkohol hätten sie in Hat­tin­gen keine Pro­bleme gehabt, aber «Mobbing ist ein schlim­mes Thema». Momen­tan sei die Stim­mung aber gut, sagt Mayra, auch Zemi wirkt gut gelaunt.

Weitere Auskünfte: www.zukunfts­camps.de Von Kris­tina Kiauka, dpa

dpa-infocom


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker
Eventkalender
rz lexikon