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Bummeln als Beruf: Preisermittler fürs Statistikamt

Frank­furt/Main Wenn Otto Dil­len­ber­ger ein Geschäft betritt, ist er ganz ziel­stre­big.

Statt Ein­kaufs­korb hat er einen Laptop unter dem Arm. Statt in Ruhe zu shoppen, eilt er durch die Gänge und zieht ein Preis­schild nach dem anderen hervor.

Der 54-Jährige ermittelt im Auftrag des Sta­tis­tischen Bun­des­amtes Monat für Monat die Preise von Klei­dung wie Jeans, Anzüge und Bikinis. Aus den Daten der ins­gesamt 600 Prei­ser­mitt­ler in Deutsch­land berech­nen die Sta­tis­tiker die Teue­rungs­rate. Sie gibt an, wie stark die Preise für die Ver­brau­cher steigen. Monat für Monat ist Dil­len­ber­ger im Geschäft einer Beklei­dungs­kette in Frank­furt unter­wegs. An zwei Tagen muss er die Preise von 500 Pro­duk­ten sammeln - da sind Geschick­lich­keit und ein gutes Auge gefragt.

«Sakko, Winter, klas­sisch, Schur­wolle, Ein­rei­her, anthra­zit», murmelt Dil­len­ber­ger vor sich hin und eilt in die Her­ren­abtei­lung zu einem Ständer mit Sakkos. Mit einem Griff hat er das ent­spre­chende Jackett gefun­den und überprüft seinen Fund anhand der Arti­kel­num­mer - Treffer. «Man ent­wickelt ein foto­gra­fisches Gedächtnis und weiß, wo was hängt», sagt der gelernte Ein­zel­han­dels­kauf­mann schmun­zelnd. Der Preis von 129 Euro ruft ein Stirn­run­zeln hervor: Im Februar wurde das Sakko noch für 15 Euro im Schluss­ver­kauf aus­ver­kauft.

«Mit der neuen Winterkollektion gibt es einen Preiss­prung bei Beklei­dung», sagt der Experte. Dies sei aber sai­sonal üblich und treibe die Infla­tions­rate nur wenig nach oben. Beklei­dung und Schuhe machen nur knapp fünf Prozent des Waren­korbs aus, in dem auch Mieten, Möbel, Pau­schal­rei­sen, Lebens­mit­tel, Benzin und Com­puter sowie Dienst­leis­tun­gen wie ein Haar­schnitt ent­hal­ten sind. 300 000 Ein­zel­preise beob­ach­ten die Sta­tis­tiker jeden Monat. Dafür sind die Prei­ser­mitt­ler in Kaufhäusern, Supermärkten und Dis­coun­tern unter­wegs, immer öfter werden die Preise heute aber über Kata­loge und das Inter­net ver­gli­chen.

Wenn ein Klei­dungsstück in der nächsten Win­ter­sai­son nicht mehr lie­fer­bar ist, sucht sich Dil­len­ber­ger ein aus Sicht des Kon­sumen­ten möglichst ähnli­ches Nach­fol­gestück für seinen Preis­ver­gleich aus. Zwanzig Jahre lang hat der Ein­zel­han­dels­kauf­mann in einem Tex­til­fach­geschäft gear­bei­tet, seit acht Jahren ist er beruf­lich mit Ein­kaufs­bum­meln ohne Einkauf beschäftigt. Manches Produkt begrüßt er wie einen alten Bekann­ten. «Das hier sind der Bob und der Benny», stellt er ein Unter­hemd und eine Unter­hose mit diesem Namen vor. Bob ist ein «Unter­hemd, zweifädig, 100 % super­gekämmte Baum­wolle», Benny wird bei den Sta­tis­tikern als «Zwei Unter­hosen, weiß, super­gekämmte Mako-Baum­wolle» beschrie­ben. Jah­relang haben beide Pro­dukte je 17 Euro gekos­tet, jetzt ist der Preis auf 19 Euro gestie­gen. «Ich sehe gleich, dass der alte Preis über­klebt wurde», sagt Dil­len­ber­ger.

Die Inflationsrate, die derzeit in Deutsch­land mit 3,3 Prozent auf dem höchsten Niveau seit fast 15 Jahren liegt, macht dem Prei­ser­mitt­ler keine Sorge. «Ich merke, dass der Ben­zin­preis steigt, aber bei der Beklei­dung ist das nicht so ausgeprägt.» Nicht nur im Job, sondern auch in der Frei­zeit kann sich der Vater von zwei Söhnen fürs Shoppen begeis­tern: «Ich gehe wahn­sin­nig gerne ein­kau­fen und begleite sogar meine Frau zum Kla­mot­ten-Kauf - das macht ja eigent­lich kein Mann gerne», sagt er. Von Marion Trim­born, dpa

dpa-infocom


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