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Steiners Schicksal rührt Millionen

Peking «SUPERSTEINER» stand am Tag nach seinem Goldcoup sogar mit Riesenbild auf der Titelseite der «China Daily».

Der deutsche Gewichtheber Matthias Steiner, beleibt und beliebt, ist über Nacht zu einem der Stars der Olympischen Spiele geworden.

Die Lebens- und Leidensgeschichte des 145-Kilo-Hünen interessiert. Der stärkste Mann der Welt lachte in der Zeitung mit dem Bild seiner tödlich verunglückten Frau Susann in der Hand. Eigentlich passen die unfassbare Trauer und der unbändige Jubel des Riesen nicht zusammen, und doch sind es genau diese emotionalen Gegensätze, die den Superschwergewichtler zum Liebling der 6000 Zuschauer in der Halle und von Millionen TV-Zuschauern in aller Welt gemacht haben.

«SUPERSTEINER» hatte eine kurze Nacht hinter sich. Die Pressekonferenz am Morgen im Deutschen Haus in Peking war gut besucht wie selten. Auf dem Podium neben dem stärksten Mann der Welt saßen Triathlon-Olympiasieger Jan Frodena und Diskuswerfer Robert Harting, doch die meisten Fragen gingen an Steiner. Und er plauderte und plauderte, sprach offen über den Unfall-Tod seiner Frau im Juli 2007, seine Diabetes-Erkrankung, seine alte Heimat Österreich und seine neue Heimat Deutschland.

«Ich habe nur zwei Stunden geschlafen», krächzte der 25-Jährige, der in Leimen lebt und trainiert, aber für Chemnitz startet. 461 Kilo hatte er bei seinem Olympiasieg gestemmt, so viel wie noch nie. Langsam kämen die Schmerzen durch die Belastungen im Wettkampf durch, gestand er: «Das geht nicht an einem spurlos vorbei.» Doch mehr Beschwerden hatte er im Hals «vom vielen Reden und Schreien». Und wie er beim Wettkampf geschrien hat, so als wolle er alle überwältigenden Gefühle auf einmal aus seinem bulligen Körper rausbrüllen.

Reden und Heben als Therapie. Seine unglaubliche Stärke im Finale erklärte er mit seinem Schicksal: «Was soll man im Leben noch verlieren können? Das, was ich verloren habe, ist das Wertvollste, wertvoller als jede Goldmedaille.» Wenn man auf die Bühne gehe, «geht man mit einem Gleichgültigkeitsgefühl hoch«. Steiner nennt das auch «Wurschtigkeit» und erklärt: «Man versucht, die Wut in Aggressionen und Motivationen umzumodeln.»

Es war weit nach Mitternacht , als Steiner nach seinem Triumph im Deutschen Haus eintraf. In einen separaten Raum versuchte er wenigstens ein paar der 8000 Kalorien, die er jeden Tag braucht, zu sich zu nehmen. Als Diabetiker muss er peinlich genau auf regelmäßige Ernährung und seinen Zuckerhaushalt achten: «Ich muss den Zucker perfekt eingestellt haben, sonst ist der Wettkampf gelaufen.»

Mehr als ein Hamburger und Pommes waren nicht drin. «Nach dem Wettkampf ist der Appetit immer weg», verriet der gelernte Installateur, der sonst fünf «kleine Mahlzeiten («Drei Steaks, Kartoffeln, Salat, Obst. Nur allein Fett fressen ist schlecht.») zu sich nimmt. Mit lautstarkem Applaus und Gesängen seiner Fan-Truppe («So sehen Sieger aus!») feierten ihn die Gäste im Garten des Kempinski Hotels.

«Ich habe keine Ahnung, wie ich den letzten Versuch gemacht habe», erzählte Steiner. «Das war ein Krimi. Dieser Wettkampf war an Dramatik nicht zu überbieten.» Das Mitsingen der für ihn noch fremden Nationalhymne während der Siegerehrung sei «aus tiefstem Herzen» gekommen, meinte der gebürtige Österreicher, der seit dem 2. Januar Deutscher ist. «Da, wo ich jetzt bin, ist 80 Prozent Deutschland», bezifferte er den Anteil seiner Heimat am Olympiasieg. Sein Trainer Frank Mantek war es, der aus dem talentierten einen Weltklasse-Heber machte. «Wir haben aus ihm erst mal einen richtigen Gewichtheber gemacht», sagte Mantek. «Früher ist er beim Heben gesprungen, jetzt hat er die richtige Technik drauf.»

Am 25. August wird Steiner 26 und fliegt zurück nach Deutschland - natürlich Business Class. «In einen normalen Sitz passe ich auch gar nicht rein», gab der gebürtige Wiener zu. Vater Fritz verkündete sogar: «Ich bin stolz, dass er Deutscher ist.» Von Franko Koitzsch und Imke Hendrich, dpa

dpa-infocom


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Blog aus Beijing zu den Olympischen Spiele 2008
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