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Spanair-Jet in Madrid abgestürzt: 151 Tote

Madrid Der Flug auf die Urlaubs­insel Gran Canaria wurde zur Kata­stro­phe: 151 Men­schen starben am Mitt­woch auf dem Madri­der Flug­hafen Barajas in einer bren­nen­den Maschine, die unmit­tel­bar nach dem Start zer­schellt war.

Wie die Madri­der Regio­nal­regie­rung am Abend mit­teilte, seien zudem 20 Men­schen schwer ver­letzt worden. Ein Spre­cher sagte, in der Unglücks­maschine seien 171 Insas­sen gewesen. Die Flug­gesell­schaft Spanair hatte zuvor von 173 Men­schen an Bord gespro­chen.

Das Flugzeug vom Typ McDonnell Douglas MD-82 der spa­nischen Gesell­schaft Spanair war beim Start über die Lan­debahn hin­aus­geschos­sen, zer­schellt und in Brand geraten. Nach Medien­berich­ten hatte ein Trieb­werk Feuer gefan­gen.

Mögli­cher­weise waren auch vier Fluggäste aus Deutsch­land an Bord. Die Luft­hansa teilte am Abend in Frank­furt unter Vor­behalt mit, dass ins­gesamt sieben Pas­sagiere mit Luft­hansa-Ticket für den Gemein­schafts­flug des Airline-Bündnis­ses Star Alliance ein­gecheckt hatten. Vier davon stammen aus Deutsch­land. Ob sich diese Fluggäste tatsächlich an Bord des Gemein­schafts­flu­ges befan­den, stehe noch nicht fest. Die Pas­sagier­lis­ten für den Spanair-Flug mit den Flug­num­mern JK 5022 und LH 2554 seien noch nicht von den spa­nischen Behörden frei­gege­ben. Die Luft­hansa ging davon aus, dass dies am Mitt­wocha­bend auch nicht mehr gesche­hen sollte.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin nahm die deut­sche Bot­schaft in Madrid Kontakt zu Spanair auf, um näheren Auf­schluss zu bekom­men; zwei Bot­schafts­angehörige fuhren zum Flug­hafen. Die Luft­hansa hat nach eigenen Angaben ein Team psy­cho­logisch geschul­ter Fach­leute nach Madrid gesandt, um Spanair bei der Betreu­ung der betrof­fenen Fluggäste und deren Angehörigen zu unterstützen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dem spa­nischen Minis­terpräsiden­ten José Luis Rodríguez Zapa­tero ihr Beileid aus. Sie sei scho­ckiert vom Ausmaß der Kata­stro­phe und der Zahl der Toten und Ver­letz­ten und nehme Anteil am Leid der Fami­lien, die ihre Angehörigen ver­loren hätten, sagte Merkel nach Angaben des stell­ver­tre­ten­den Regie­rungs­spre­chers Thomas Steg.

Laut Flugplan sollte die Spanair-Maschine um 13 Uhr vom Großflug­hafen Barajas der spa­nischen Haupt­stadt nach Gran Canaria abheben. Wie die Zeitung «El País» berich­tete, wurde der Start wegen tech­nischer Pro­bleme auf­gescho­ben. Gegen 14.45 Uhr raste die Maschine dann über die Lan­debahn hinaus und ging in Flammen auf.

Der Flug­hafen wurde sofort für den gesam­ten Verkehr gesperrt. Wenig später wurden die Starts und Lan­dun­gen in ein­geschränktem Umfang wieder auf­genom­men. Die Ein­satz­lei­tung rief die höchste Alarm­stufe aus. Um den Einsatz zu koor­dinie­ren, trat ein Kri­sen­stab zusam­men. Dut­zende Feu­erwehr- und Ret­tungs­fahr­zeuge rasten mit Blau­licht und Sire­nen­geheul zum Unglücksort, zahl­rei­che Hub­schrau­ber kreis­ten mit großen Löschbehältern über der Unglücks­stelle. Eine riesige Rauchsäule war kilo­meter­weit zu sehen. Beide Flug­schrei­ber wurden bereits gefun­den.

Die Unglücksmaschine war beim Start kaum vom Boden abge­hoben und hinter der Start­bahn auf einer Wiese in einer Senke zer­schellt. Exper­ten ver­mute­ten, ein Trieb­werk könne beim Start in Brand geraten sein, als das Flug­zeug den «Point of no return» über­schrit­ten habe. Die Maschine habe mögli­cher­weise zu diesem Zeit­punkt eine solche Geschwin­dig­keit erreicht, dass der Pilot den Start nicht mehr abbre­chen konnte.

Helfer der Ret­tungs­dienste berich­teten, das Flug­zeug sei in mehrere Teile zer­bro­chen. «Es ist ein Wunder, dass über­haupt jemand über­lebte», sagte ein Augen­zeuge. Ein Helfer berich­tete: «Das Wrack war total ver­kohlt und voller Leichen. Da sah nichts mehr wie ein Flug­zeug aus.»

Die meisten der verletzt aus dem bren­nen­den Flug­zeug geret­teten Pas­sagiere befan­den sich in kri­tischem Zustand. Viele von ihnen erlit­ten schwerste Ver­bren­nun­gen und wurden in eine nahe gele­gene Klinik mit Spe­zial­abtei­lung gebracht. Unter den 171 Insas­sen der zwei­strah­ligen Maschine waren neun Besat­zungs­mit­glie­der. Nach der Pas­sagier­liste sollen auch zwei Babys an Bord gewesen sein.

Die Kran­kenhäuser in Madrid wurden sofort nach dem Unfall auf­gefor­dert, Betten zur Verfügung zu stellen. Einige Hospitäler entließen dar­auf­hin Pati­enten mit leich­teren Erkran­kun­gen, um Platz zu schaf­fen. Der spa­nische Minis­terpräsident Zapa­tero unter­brach seinen Urlaub und flog nach Madrid zurück.

Die Flug­gesell­schaft Spanair, die in der Star Alliance unter anderem Partner der Luft­hansa ist, befin­det sich seit gerau­mer Zeit in schwe­ren wirt­schaft­lichen Schwie­rig­kei­ten. Die skan­dina­vische Mut­ter­gesell­schaft SAS hatte ver­geb­lich ver­sucht, einen Käufer für das kränkelnde Unter­neh­men zu finden. Zur Zeit ist Spanair dabei, fast ein Drittel der Beschäftigten zu ent­las­sen und das Stre­cken­netz zu redu­zie­ren. Das am Mitt­woch verunglückte Flug­zeug war nach Spanair-Angaben 15 Jahre alt. Das Flug­zeug habe die jährlich vor­geschrie­bene Inspek­tion im Januar durch­lau­fen.

An dem Madri­der Flug­hafen - dem größten des Landes - hatte es zuletzt vor knapp 25 Jahren zwei schwere Flug­zeug­kata­stro­phen gegeben. Am 27. Novem­ber 1983 war ein Jum­bojet der kolum­bia­nischen Linie Avianca beim Lan­dean­flug abgestürzt, 181 Men­schen starben. Nicht einmal zwei Wochen später prall­ten auf der Start­bahn des Air­ports eine Iberia- und eine Aviaco-Maschine im Nebel zusam­men. 93 Men­schen kamen ums Leben.

dpa-infocom