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Hügel und Kalkstein: Westfalens Norden entdecken

Teck­len­burg Mit dem Grüßen ist das so eine Sache in West­falen.

Wer als fremder Wan­derer in die Gegend nördlich von Münster kommt, wird von Wirts­leu­ten herz­lich auf­genom­men, unter­wegs von Ent­gegen­kom­men­den aber skep­tisch beäugt und zurückhal­tend behan­delt.

Wer die Wanderstiefel schnürt , der sucht jedoch nicht die große und laute Unter­hal­tung, sondern Natur, Ruhe, Abge­schie­den­heit und Erho­lung. Und die findet er auf dem 220 Kilo­meter langen und seit 2004 unter dem Namen «Her­mannshöhenweg» bekann­ten Weg zwi­schen Rheine und Mars­berg an der Diemel durch­aus.

Auch wenn einige Kilo­meter im Teu­tobur­ger Wald noch auf asphal­tier­ten Wegen und Schot­ter­pfa­den sowie entlang klei­nerer Straßen ver­lau­fen: Die Aus­bli­cke auf das Teck­len­bur­ger Land beim Begehen der Höhenzüge und Kämme entschädigen für diesen kleinen Makel, den zu beheben sich die Verant­wort­lichen vor­genom­men haben.

Vor knapp vier Jahren wurden die jeweils rund 100 Jahre alten ehe­mali­gen Han­dels­wege «Her­manns­weg» und «Eggeweg» zusam­men­gelegt. Eine gute Mischung aus Natur und Kultur soll der Weg den Wan­derern nun bieten. Der nördlich gele­gene Her­manns­weg-Abschnitt bringt ihnen mit der Gro­ten­burg, dem ehe­mali­gen Zis­ter­zienser­klos­ter Gra­ven­horst, der Schwe­den­schanze und der Hünenburg sowie dem Fach­werkstädtchen Teck­len­burg die Kultur und Geschichte jener Gegend nahe.

Der Eggeweg ist dagegen ein Natur­weg fernab jeder Zivi­lisa­tion, ohne das störende Geräusch lau­fen­der Motoren und vor allem ohne die Renn­rad­fah­rer, die einem im nördli­chen Abschnitt an schönen Woche­nend­tagen hor­den­weise und in einer atem­berau­ben­den Geschwin­dig­keit ent­gegen­kom­men.

Heute durchquert die Route 25 Orte , sieben Kreise und mit Nord­rhein-West­falen und Nie­der­sach­sen zwei Bundesländer. Nicht alle Betei­lig­ten sehen das Projekt so positiv wie die Ini­tia­toren: «Manche Wan­der­ver­eine tun sich noch ein biss­chen schwer mit dem neuen Namen und der Tat­sache, dass der Weg über eine gemein­same Pro­jekt­lei­tung ver­mark­tet und betreut wird», sagt Susanne Wes­ter­mann vom Pro­jektbüro in Bie­lefeld. Ein typisch westfälischer Cha­rak­ter­zug ist es wohl, dass jeder am liebs­ten «sein eigenes Süppchen kochen» möchte.

Auch Wald­besit­zer, durch deren Grund der Weg zum Teil verläuft, freuen sich nicht unbe­dingt über ihre neuen Gäste und die dadurch ent­ste­hende Verant­wort­lich­keit und Haftung. «Das können nur ein paar hundert Meter sein, doch wenn der Wald­besit­zer oder Anrai­ner nicht möchte, dass der Weg über seinen Grund läuft, dann schei­tert es eben manch­mal genau daran», sagt Wes­ter­mann.

Auf dem Abschnitt zwischen Rheine und Teck­len­burg ganz im Norden ist es ein heller, feiner Boden, auf dem mas­sen­weise Wachol­derbüsche und Blau­beer­stau­den gedei­hen. Cha­rak­teris­tisch für den Streck­enteil sind auch die mit­unter plötzlich hinter Weg­bie­gun­gen auf­tau­chen­den Fels­for­matio­nen mit Bezeich­nun­gen wie «Doktors Loch» und «Kai­serei». Die in den Felsen gehaue­nen Höhlen boten im Zweiten Welt­krieg Schutz vor Bomben und Artil­lerie­geschos­sen. Auch die zahl­rei­chen im Wald lie­gen­den Ehren­friedhöfe erin­nern an die Schre­cken des Krieges und jagen Wan­derern selbst bei Son­nen­schein einen Schauer über den Rücken.

Ab Bever­gern verläuft der Her­mannshöhenweg zunächst kilo­meter­lang auf einem Kamm und vorbei am Rie­sen­becker, Lager und Birgter Berg. «Berg» klingt nach steilen Anstie­gen, doch die Höhen­unter­schiede halten sich hier in Grenzen und sind auch für weniger geübte Wan­derer machbar. Eine der höchsten Erhe­bun­gen auf der Strecke zwi­schen Bever­gern und Teck­len­burg sind die 40 Meter hohen und mit sel­tenen Moos­arten und ungewöhnli­chem Flech­ten­schleier über­zoge­nen Dörenther Klippen. Von hier und von der von Legen­den umrank­ten Fels­for­mation «Hocken­des Weib» genießt man bei gutem Wetter eine Sicht bis Münster.

Weiter geht es durch Fichtenwälder und entlang an großen Kalk­steinbrüchen. Im Norden West­falens werden große Mengen des Roh­stoffs zur Zemen­ther­stel­lung abge­baut, Aus­sichts­platt­for­men bieten Ein­bli­cke in die tiefen Krater. Den kleinen Schre­cken bei diesem Anblick kann der Wan­derer am Ende des Tages in der direkt am Wan­der­weg lie­gen­den Tra­diti­ons-Gast­wirt­schaft «Male­par­tus» bei dem Ort Lienen mit einem Bier ver­dauen. Das Lokal besteht schon seit dem 19. Jahr­hun­dert und wird von Wirts­leu­ten aus Bayern geführte. In dem Bier­gar­ten herrscht baju­wari­sche Gemütlich­keit - und mitten in West­falen wird hier oft auch sehr laut und herz­lich gelacht.

Infor­matio­nen: Pro­jektbüro Her­mannshöhen, Jahn­platz 5, 33602 Bie­lefeld, Telefon: 0521/967 33 25

Wan­der­ziel: www.her­manns­hoe­hen.de Der Her­mannshöhenweg Der Her­mannshöhenweg ist 220 Kilo­meter lang und verläuft zwi­schen Rheine im nördli­chen Münster­land und Mars­berg im Sau­erland. Er kann gut in Tage­setap­pen zwi­schen 10 und 26 Kilo­metern unter­teilt werden. Zahl­rei­che Anschlüsse an den öffent­lichen Nah­ver­kehr sind vor­han­den. Von Claudia Bell, dpa

dpa-infocom